Nobelpreisträger Sen: „Europas Sparpläne führen in die Katastrophe“

Nobelpreisträger Amartya Sen hält den brachialen Sparkurs der Europäer für eine Katastrophe. Die derzeitigen Maßnahmen würden die wirtschaftliche Erholung im Keim ersticken und führten eher ins Verderben, als die Probleme der Krise zu lösen.

„Viele Länder im Westen scheinen ihr Bestes zu tun, um geradewegs in den Mund einer kräftigen Schlange zu laufen“, sagte der Wirtschafts-Nobelpreisträger und Harvard-Professor Amartya Sen, bei einer Konferenz des indischen Finanzministers in Neu Delhi.

Hart kritisierte er die übereilten Sparmaßnahmen der Regierungen, die eine „sich beschleunigende Katastrophe“ wären und drohten in ähnlicher Weise auf die USA überzuschwappen. Die Ausgabenreduzierungen wären viel zu radikal und würden den derzeitigen Wirtschaftsabschwung nur verschärfen.

Dies würde die wirtschaftliche Erholung im Keim ersticken und könnte sogar Leben „dahinraffen“. Die Angst der Experten in den BRIC-Staaten ist nicht unbegründet: Indien spürt bereits am eigenen Leib, welche Auswirkungen die Euro-Krise auch auf die eigene Wirtschaft haben kann (mehr hier).

Die Politik der ganz kleinen Schritte in Europa führte auch dazu, dass andere Nationen nicht bereit sind, Finanzspritzen zu gewähren (mehr hier). Es sind grundlegende Aspekte, die sie alle an der Schulden- und Krisenpolitik der europäischen Regierungen kritisieren.

Die Politiker der Euro-Zone bewegen sich, so Amartya Sen, vom Missmanagement ins „Feuer von unüberlegten Kürzungen, um Kreditgeber zu befriedigen und die Ratingagenturen zu besänftigen“. Das habe den Ländern bisher allerdings „nicht geholfen, in sich hin zu einem verantwortlichen, zukunftsgerichteten Erholungsprogramm zu bewegen.“

In Asien macht sich offenbar an verschiedenen Stellen Panik breit: Indiens Finanzminister Pranab Mukherjee, sagte, die Staatsschuldenkrise sei nun im Zentrum des wirtschaftlichen Abschwungs und ziehe die schnell wachsenden Volkswirtschaften von China und Indien nach unten.

In Singapur sagte der Wirtschaftsprofessor Kishore Mahbubani, dass die Weltwirtschaft ein Opfer des „inkompetenten westlichen Wirtschafts-Managements“ sei. China und Indien müssten eng zusammenarbeiten, um in der Krise zu bestehen.

Auch der Harvard-Wirtschaftsprofessor Richard Freeman riet den Schwellenländern, „Desaster-Pläne“ vorbereiten für den Fall, dass die entwickelten Volkswirtschaften in eine Depression schlittern.

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Kommentare

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  1. Europa und die Schuldenpolitik sagt:

    Sind wir schon soweit als Bürger degeneriert das wir nur noch VIP Personen hörig sind? Zählt nicht mehr das intuitive gefühl des Bürgers das hier alles aus dem Ruder läuft, Was soll diieses Geschwätz eines Nobelpreisträgers: Sparen ist der falsche Weg, das zu erkennen in diesem kapitalistischen Wirtschaftssystem weiß schon ein Grundschüler, besonders wenn die Familie Sozialempfänger ist. Traurig finde ich das dazu eine Auszeichnung nötig ist. Ach so ja der Schildbürger glaubt ja nur Äußerungen von exponierten Personen.
    Sparen ist also etwas Falsches, na dann lasst uns doch noch mehr Staatsschulden machen ganz im Sinne der Finanzwirtschaft, die freut und giert nach 19% Zinsgewinn, habe ich von Portugal vernommen. Mal ehrlich ist das der richtige Weg den Bürger um seine Arbeitsleistung zu betrügen weil immer mehr Steuern notwendig werden, wo soll das enden? Immer weniger Nettolohn, vom Geschwätz um den Mindestlohn ganz zu schweigen.
    Wie kann es sein in einem Land wie Deutschland zu den führenden Industrienationen zu gehören und den Lohn mit Sozialhilfe aufstocken zu müssen, ist doch wohl beschämend. Aber anderen Nationen Vorschriften machen zu wollen.
    Eigentlich war eine soziale Marktwirtschaft angedacht, kein ruinöser Kapitalismus. Erfindergeist und daraus resultierenden Produkten, sowie Forschung sollten in Konkurrenz stehen um das Land vorranzubringen, das hieße aber nicht die Preisbindung abzuschaffen wie in den 60ern geschehen, das ist unser Untergang hatte mir schon mein Vater gesagt als ich 10 jahre alt war. Recht hatte er ! Ist der Lohn niedrig ist folglich die Steuereinnahme zu niedrig und die Inlandsnachfrage stagniert. Was folgt ist Steuererhöhung, also noch weniger Nettolohn, da das ja Wählerpolitisch ja nicht gut ankommt alle vier Jahre, legen wir eben ein Konjunkturpaket nach dem anderen auf und machen Staatsschulden! Meines Wissens, bitte mich nicht festnageln hatten wir um 1970 460 Mio Staatsschulden, Peanuts würde die Deutsch Bank sagen, gegen heute. Unser ehrenwerter Herr Ehrhard sagte schon damals im Bundestag an seiner Zigarre schmauchend: Maßhalten Leute Maßhalten, also war Sparen wohl doch nicht so verkehrt? Tatsache ist das kein Land oder Unternehmen über Jahrzehnte Schulden machen kann es muß zum Crash führen. Staaten brauchen eine steuerliche Gegenfinanzierung, Unternehmen brauchen gute Aufträge, nach einer Investitionsphase in die Konsolidierungsphase überzugehen. Diese Probleme hatten schon das Römische Reich vor 2000 Jahren, wir haben aus der Geschichte nicht gelernt!
    Wir reden vom Sparen wenn wir weitere kleinere Staatschulden aufnehmen, das ist doch wohl die Negation des Wortes SPAREN!
    Also ist Leangouvernment angesagt, neudeutsch! Maßnahmen wie in der Wirtschaft üblich wären Gedanken zu Kurzarbeit und ALG I + II zu diskutieren, Es muß ja nicht nur die in der freien Wirtschaft Tätigen bluten.
    Wirtschaft ankurbeln: Geringe Löhne erzeugen keine ausreichende Kaufkraft bez. Steuereinnahmen, diese Mitbürger ausweichen auf bzw. chinesische Produkte statt europäische aus. Globalismus, ich stehe dazu bin überzeugt von den internationalen Märkten, es müssen aber gleiche Bedingungen herrschen.
    Reiche und Gutsituierte tragen nicht dazu bei den Markt merkbar anzukurbeln, die erforderliche Kaufkraft entsteht durch den normalen Bürger, also andere Umverteilung des Geldes. Dazu kommt das die reiche Klienrtel soviel Geld angehäuft hat auf Kosten der Bürger, das an Börsen ruinös spekuliert wird um weitere Gewinne zu generieren, aber wozu ?
    Aus Spaß am Zocken? Kaviar, Champagner, Yacht und Learjet alles da was jetzt? Muß jetzt noch der Marsflug sein?
    Das Dilemma Staatsverschuldung hat uns in die Zwangslage versetzt von den Profitgierigen ohne Sinn und Verstand abhängig zu sein, das ist unsere Aufgabe dies abzuwenden zum Wohle der Völker.
    Zu den Banken möchte ich als Letztes noch anmerken, wie kann es sein das Verluste aus Kreditvergaben und Anlageverluste durch den Staat ausgeglichen werden, jedes Unternehmen mit Zahlungsausfällen, bis auf Golbalplayer muß den verlust selbst tragen oder Insolvenz beantragen. Hier denke ich wäre der Staat und die Politik gefordert genauso nicht selbstverschuldete Verluste auszugleichen, meine Gedanken sind beoi den zigtausenden Familientragödien der letzten zwei Jahrzehnten die redlich Mitarbeiter beschäftigt haben und immer Ihre Steuern überwiesen haben.

    Ich möchte mich bedanken für das lesen des Artikels mit meiner persönlichen Ansicht der Lage, bin immer offen für jede sachliche Kritik und Diskussion.

    Mit herzlichen Grüssen an alle

  2. Heinz sagt:

    Sparkurs, gut und schön, aber wenn Kein Geld im Umlauf ist ist bald alles tot.
    Fugger sagte schon. “ wo sich die Ärsche reiben fließt das Geld“ und meinte auch die Steuern für den Staat. Dei großen Manager dagegen: “ Wir sparen, egal was es Kostet“

  3. B-Schmitt sagt:

    Der brachiale Sparkurs der Europäer tötet die kleinen Unternehmen und den kleinen Mann, schützt und stützt aber die Banken und die sogenannten Investment Funds.
    Die Politiker sollten sich über eine Sache klar sein: Arme und Tote sind keine guten Kunden, aber um zu überleben werden Wege genutzt die mehr als zweifelhaft sind.
    Und die Leute mit Geld weichen aus um die Pfründe zu schonen zu Lasten der Gemeischaft.

  4. khaproperty sagt:

    Keynesianer reden gern so daher, vor allem dann, wenn die Folgen zuvor falschen Verhaltens zu tragen sind, also Austerity angesagt ist. Sie hätten es lieber verantwortungslos.
    Sie möchten natürlich den „free lunch“ auf Kosten anderer, um die harten Seiten des Lebens immer schön zu umgehen.
    Da wird dann der Teufel an jede erreichbare Wand gemalt und sich aufgeblasen, daß man ein fürchterliches Platzen befürchten muß. Wo doch alles schön sein soll, solange der kleine Mann nur zahlen kann.
    Diese Traumtänzer haben stets dann Saison, wenn es ans Aufräumen geht, nachdem die Party vorüber ist.

    • Silvio Gesell sagt:

      Ihnen ist wohl die Geldschöpfung unbekannt
      In einem Giralgeldsystem ha jedes Sparen eine Rezession unmittelbar zur Folge. Ich glaube in den letzten Monaten haben wir wir genung Bespiele gesehen, wie man es nicht machen soll.

  5. jay twelve sagt:

    Der Nobelpreisträger Sen weiss wovon er spricht. Das liegt in der Natur der Dinge.
    Wer z. B. am Atemluft bis zum bitteren Ende spart, der stirbt.
    Daher sind alle Sparprogramme grundsätzlich „FINITE“, irgend wann ist man am Ende.
    Dagegen Geld im Kreislauf zu halten, bringt fortlaufend die Rendite.
    Das gilt nur, wenn die Geldmenge mit dem Bevölkerung Zuwachs synchronisiert ist.

  6. Chris sagt:

    Nicht das inkompetente westliche Wirtschaftsmanagement ist schuld, sondern die inkompetenten Politiker. Darin unterscheiden sich die westlichen Politiker nicht im geringsten von anderen Politikern!

    Das gegenwärtig angewante ökonomische Modell ist unter Umständen dazu in der Lage, die Problem zu verringeren, aber nicht zwangsläufig! Was in den Problemländern zur Zeit geschieht ist, daß die Ausgaben in den Bereichen gekürzt werden, in denen die Profiteure der Krise nicht betroffen sind. Es wäre tatsächlich möglich, den Staatssektor so zu reformieren, daß das Wirtschaftswachstum nicht davon beeinflusst wäre. Das würde aber bedeuten ,daß die Beamten und Politiker ihre hochbezahlten Jobs verlieren würden. Und da Diese aber selbt über ihr eigenes Schicksal entscheiden können, laden sie die Probleme lieber bei der Bevölkerung ab. Das ist in Deutschland auch nicht anders! Wer jetzt glaubt, das sei nur dummes Geschwätz, dem halte ich entgegen, das z.B. mit der Einführung einer Flat-Tax in kürzester Zeit ein Großteil des unfähigen Steuerwesens in den Krisenländern abgebaut werden kann. Ebenso verhält es sich im Sozialbereich, in dem ein bedingungsloses Bürgergeld zu massiven Verwaltungseinsparungen kommen kann!

    Beispiel Deutschland: Fast die Hälfte des Bundeshaushaltes für Soziales von 126,5 Mrd EUR wird für die Verwaltung verschwendet!!!

    • mandelkern sagt:

      Bei dem Posten „Finanzverwaltung“ handelt es sich grösstenteils um Transferzahlungen des Bundes.
      Etwas mehr als die Hälfte davon geht an die Bundesländer.
      Der grösste Einzelposten ist allerdings der reguläre Beitrag an die EU, das waren 2011 mehr als 24 Milliarden €.
      Seit 2003 haben sich unsere EU-Zahlungen fast verdoppelt.

    • Alexander Illi sagt:

      Na, ein Glück haben wir jetzt in Italien und Griechenland Technokraten an der Macht.
      Die sind ja v.a. hochgelobte Wirtschaftsmanager und jetzt auch führende Politiker in Personalunion.

      Vereinfachte Besteuerung (insbesondere Abschaffung der nur Reichen über Berater praktisch zugänglichen Steuerschlupflöcher, die die Steuererklärung für alle anderen kompliziert machen und Verwaltungsaufwand verursachen, inkl. der mannigfaltigen Abschreibungsmöglichkeiten) und Bürgergeld finde ich allerdings löbliche Ansätze.