Griechenland-Haircut: Verhandlungen bis Februar

Die Gespräche über den geplanten Schuldenschnitt von 50 Prozent für Griechenland werden sich vermutlich noch eine Weile hinziehen. Unstimmigkeiten über Garantien neuer Bonds und die zukünftigen Zinsen erschweren die Einigung.

Auf 50 Prozent des Nennwerts ihrer griechischen Anleihen sollen die Kreditgeber verzichten, um Griechenland den Weg aus der Staatsverschuldung zu ebnen. „Wir haben ein paar kleine Fortschritte gemacht, aber die Schlüsselthemen bleiben offen und ungelöst“, sagte Charles Dallara, der Geschäftsführer des Weltbankenverbands IIF. „Wir dachten, wir würden mit den Anleihen im Dezember fertig werden, aber jetzt sieht es eher nach Februar aus“, sagte ein griechischer Beamter dem Wall Street Journal. Es wäre auch in der Tat sehr verwunderlich, wenn sich tatsächlich eine schnelle Lösung der Verhandlungen ergeben hätte. Immerhin riskieren die Banken beispielsweise bei einem freiwilligen Schuldenschnitt die Auslösung der Kreditausfallsversicherungen (CDS), die nur im Falle einer Staatspleite ausgezahlt werden.

Große Uneinigkeit herrsche hinsichtlich der Verzinsung der verbleibenden Bonds. Griechenland wolle 4,5 Prozent zahlen und die Banken seien zwar von acht Prozent abgekommen, wollen jedoch noch immer sechs Prozent. Zudem wurde in den Gesprächen gefordert, dass staatliche Kreditgeber genauso behandelt werden sollten wie private Kreditgeber. Chinesische Fonds beispielsweise wollen sich nicht an einem Schuldenschnitt beteiligen, da sie sich selbst als staatliche Kreditgeber sehen. Aber auch Garantien für neue Anleihen, beispielsweise durch den EFSF, stehen auf der Wunschliste der Gläubiger.

An den Gesprächen sind neben dem Weltbankenverband IIF und griechischen Beamten des öffentlichen Schuldenmanagements auch private Kreditgeber beteiligt. Um einen 50-prozentigen Schuldenschnitt durchführen zu können, müssen mehr als 90 Prozent der privaten Kreditgeber der Maßnahme zustimmen. Die Banken pokern offenbar, was für sie besser ist: Eine Pleite Griechenlands, die dann die Kreditversicherungen auslöst, oder aber ein Hinziehen der Verhandlungen, bis der weiße Ritter für Europa auf der Szene erscheint. Denn einen Großteil der Gelder, die Griechenland jetzt bekommt, müssen für den Schuldendienst verwendet werden (bei der letzten Tranche waren es immerhin 81% – mehr hier).

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