Fondsmanager sieht europäische Banken in „Todesspirale“

Europas Banken kämpfen an zwei gefährlichen Fronten: Sie müssen ihr Eigenkapital verbessern. Zugleich sehen sie sich einer massiven Kapitalflucht ausgesetzt. Ein Investor spricht von einer Todesspirale. Auch Deutschland ist betroffen: Die Commerzbank steht vor einem Bailout.

++Aktuell: Zehn spanische Banken herabgestuft++

Die neuen Kapitalanforderungen der Europäischen Bankenaufsicht und die Schwierigkeiten beim Verkauf von Anleihen setzen die europäischen Banken zunehmend unter Druck und machen eine Rekapitalisierung immer wahrscheinlicher. Das jedoch geht zu Lasten der öffentlichen Schulden und führt in einen Teufelskreis.

In Deutschland hat Angela Merkel am Mittwoch die Weichen für einen Bailout der Commerzbank gestellt. Der Banken-Rettungsschirm wurde erneut aktiviert. Er soll es der Commerzbank ermöglichen, sich rechtzeitig zu rekapitalisieren. Ihre Schrottpapiere soll sie in einer neuen Bad-Bank ablagern. Die Eurohypo soll diese Rolle übernehmen. Beobachter wie Max Otte sehen wenig Chancen für die Commerzbank (mehr hier).

Insgesamt müssen die europäischen Banken 115 Milliarden Euro bis zum Juni nächsten Jahres auftreiben, um den neuen Kapitalanforderungen der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) zu entsprechen. Kapital, das sie in der derzeitigen Situation unmöglich ohne die Unterstützung der eigenen Regierung beschaffen können. Die Banken leiden unter Verlusten und sind nicht einmal in der Lage, Käufer für profitable Assets zu finden (mehr hier). Selbst die geschickten Neubewertungen von Risikoanleihen wurden ihnen von der EBA untersagt. Dessen ungeachtet versuchen sich die Banken als Alchemisten, indem sie verschiedene Methoden der Neubewertung einsetzen (mehr hier).

Umwandelungen von Tochterfirmen in Niederlassungen und die Vergabe von Krediten zur Unterstützung potentieller Käufer ihrer Anleihen haben ebenfalls nichts genutzt.
Was bleibt sind die Regierungen. „Wir sind in einer Todesspirale“, sagt Andy Brough, Fonds-Manager von Schroders Plc in London. „Weil die Zinsen auf Staatsanleihen in den Peripherie-Staaten steigen, verlieren die Anleihen an Wert und die Menge an Kapital, die die Banken beschaffen müssen, steigt.“ Besonders Italien, Spanien, Griechenland und Portugal sind verwundbar. Auf ihre Banken entfallen 70 Prozent der neuen Kapitalanforderungen. Griechische Banken müssen 30 Milliarden Euro auftreiben, werden aber von der EU und dem IWF dabei unterstützt. Spanische Banken benötigen 26 Milliarden Euro, von denen allein 15,3 Milliarden Euro auf Spaniens größte Bank, die Banco Santander, entfallen. Das ist mehr als bei jeder anderen europäischen Bank und entspricht dem, was die italienischen Banken insgesamt bis Juni vorhalten müssen. Zudem haben Spanische Banken noch Kredite und Hypotheken, im Wert von ursprünglich 176 Milliarden Euro, die seit der geplatzten Immobilienblase dramatisch an Wert verloren haben (auch andere Fondsmanager sehen schon Endzeit-Szenarien – mehr hier).

Während Italiens Bankenverband bereits in Erwägung zieht, rechtliche Schritte zur Beschaffung des notwendigen Kapitals einzuleiten, wie die italienischen Nachrichtenagentur Ansa berichtete, plant die spanischen Regierung eine Bad Bank für die erwähnten Kredite und Hypotheken. „Wenn diese südlichen Regierungen Geld in ihre Banken pumpen, werden ihre Staatsschulden steigen“, sagt Karel Lanoo, Chefökonom des Zentrums für European Policy Studies in Brüssel. „Dann werden die Verluste der Banken steigen, weil sie Staatsanleihen halten. Das ist ein Teufelskreis“. Man wisse nicht, wen man zuerst stabilisieren solle, die Staatsanleihen oder die Banken. Im Gegensatz zu Deutschland, so Barbara Matthews von BCM International Regulatory Analytics LLC in Washington, das den Rettungsfonds für seine Banken wieder einführen will, haben Staaten wie Italien, Griechenland, Portugal oder Spanien nicht das nötige Geld, dies zu tun.

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Kommentare

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  1. khaproperty sagt:

    Nachdem nun endlich deutlich gesagt wird, was seit vielen Monaten stattfindet, nämlich die Kapitalflucht aus Europa – kaschiert eine zeitlang u.a. durch Rückholung von Euroguthaben aus dem Dollarraum wg. Bilanzverkürzung von EU-Banken, hauptsächlich französischer – , müssen auch all die dollen Spezialisten EU-weit nun bemerken, daß der Kaiser nichts an hat, vulgo:, keine Geld da ist.
    Paradoxerweise bunkern die EU-Banken ihr Vermögen bei der EZB und geben nichts her, für Kredite etwa an Unternehmen oder auch Private, welche sie offenbar nicht mehr für kreditwürdig halten.
    Mit anderen Worten: das für eine Währung existenznotwendige Vertrauen ist weg.
    Damit ist der Euro weg.
    Er ist „walking dead“, wie man sagt, wenn einer noch über die Straßen taumelt, aber bereits tot ist.
    Hoffentlich ist der Rücktausch weit genug vorbereitet, daß er in Kürze abgewickelt werden kann.

  2. Helga sagt:

    15.12.11 um 11:07
    jay twelve sagt:

    Ich sehe wohl, fast jeder ist bemüht die Strohpuppen mit Ratschlägen zu beglücken.
    Ein Echo ist deswegen nicht zu erwarten, weil die Puppen blind und taub sind.

    Ja, twelve, juut Dein Strohpuppenbild.
    Die Großen lügen, die Kleinen lügen
    sich auch was vor. So hält sich das Gewirr.

    Der Getrennte macht Selbstgespräche,
    der Verirrte redet vor sich hin, versucht´s als Selbstermutigung.
    Gefangene irrsinniger Vorstellungen……….

    Wahrheit ist einfach. Sie ist immer da. Wir können sie offen an uns heranlassen. Wenn wir wollen, können wir. Aber da müssten wir uns erst mal einiges selbst eingestehen. Ganz einfach.

    • Michele sagt:

      Es ist mehr freies Kräftespiel mit Flickwerk. Die Zusammenhänge sind auch nicht eindeutig dargestellt.

      Den Nichtentscheidungsträgern können höchstens versuchen für sich selbst zu analysieren und dann „vor sich hin murren“. Da haben sie allerdings recht.

      Doch was ist Wahrheit? Ein paar Parameter kann man darstellen, die Folgerungen bleiben praktisch nach wie vor „Ansichtssache“ der Entscheidungsträger.

      Und da kommt Mancherlei heraus, was dem Betrachter vielleicht anders sieht.

      „Herodes“.hat schon damals gerufen: „Was ist Wahrheit?“

      • jay twelve sagt:

        Auf die Frage:“Was ist Wahrheit ?“, zitiert „Michael“ König Herodes.
        Die Wahrheit ist immer dort zu Hause, wo das Gewissen rein ist.
        Die Wahrheit ist das maß aller Dinge. Sie offenbart uns wer wir sind.

        Das wollen viele nicht wissen, wegen schlechtem Gewissen.

        • Michele sagt:

          !Was du nicht willst dass man dir tu‘, das füg auch keinem anderen zu“
          Dieser Satz könnte man auch auf Bevölkerungsschichten beziehen.
          Könnte man…manche tun es sogar. Viele nicht.

      • Amadeo sagt:

        Licht erscheint hell!

    • jay twelve sagt:

      Lebe Helga, ich bin kein Priester, ich nehme keine Beichten an.
      Beim besten Willen konte ich nicht erraten, was Du mir vermitteln willst.

  3. Fokko sagt:

    Tja, es ist nun einmal so: Das Zinsgeldsystem würgt nicht nur die Realwirtschaft ab,sondern schließlich auch die Banken und anderen Geldverleiher. Das liegt in der Natur der Sache. Möglicherweise kommt der finale Anstoß zu Haircut und Währungsreform schlussendlich sogar aus dieser Ecke.

    Andere Möglichkeit: Wenn die Anleger ihr Geld nirgends mehr unterbringen können, weil niemand mehr kreditwürdig ist, versuchen sie es in Sachwerte umzuwandeln und lösen damit eine Hyperinflation aus. Das käme einem Haircut gleich und am Ende steht wieder die WR. Nur das in diesem Falle die Politiker sie dann als notwendigen Shcritt bezeichnen können und bezüglich der verlorenen Sparguthaben, LVen etc. ihre Hände in Unschuld waschen.

    Fokko
    http://selbstversorger-blog.over-blog.de/
    (Nich meckern über den Link. Content ohne Backlink gibbet vom Fokko nich.)

    • Michele sagt:

      „Wenn die Anleger ihr Geld nirgends mehr unterbringen können, weil niemand mehr kreditwürdig ist, versuchen sie es in Sachwerte umzuwandeln und lösen damit eine Hyperinflation aus.“

      Also wenn ich in Masse beim Bäcker ein Brötchen kaufe, und der Bäcker nimmt dafür die Bezahlung entgegen, dann entsteht Hyperinflation??
      Ich sehe das nicht so.

      Hm, ich denke beim der Umwandlung Geld gegen Substanz bleibt die Geldmenge ausgeglichen. Der eine gibt, der andere nimmt. Das ist ein Kreislauf, und dadurch entsteht keine Inflation.
      Durch Wucher könnte höchstens eine Teuerung entstehn, daist aber keine Geldinflation. Nein, den Banken werden dadurch Geldmittel entzogen, was scheins momentan auch der Fall ist, und die Banken können Schuldenmacher nicht mehr bedienen und schreien nach frischem Geld der EZB oder nach Steuergeld des Bürgers um die Banken am Leben zu erhalten, denn die Banken würden gerne wie bisher weitermachen.

      Inflationstreibend ist vielmehr die Geldmengen-VERMEHRUNG der EZB ect, Zinsen der Banken d. h. Aufblähung der Geldmenge durch Kredit-Hebelung der Banken und der verbundenen Zinsen, weil die Kredite nicht durch Einlagen gedeckt sind.

      Billiges Geld und resultierendes Schuldenmachen isind die wesentlichen inflationstreibenden Faktoren.

  4. Michele sagt:

    Meine Ansicht:

    Mit Geldmengenvermehrung und entsprechenden Ausleihungen (Hebelungen) können die Banken eben nur das Risiko abdecken solange die Kunden zahlungsfähig sind. Man hat viel auf Schulden gebaut. Um die Zahlungsfähigkeit zu erhalten, d.h. Schuldner zu entlasten hat die EZB den Leitzins weit unter Inflationsrate gesenkt. Die Einleger werden dadurch jedoch benachteiligt und suchen sich andere Anlagen, u. a. Realgüter. Die Masse der Normalsparer hat das Vertrauen bezüglich des Geldwerterhaltes verloren, was Sparanlagen weiter mindert.

    Da Geldmengenvermehrung auch zur Inflation führt, wird die Anlagebereitschaft von Anlegern/Sparern weiter unterminiert wegen weiterem Kaufkraftverlust.

    Die EZB hat mit ihrer Taktik nur Chancen, solange es die Kunden ahnungslos sind. Langsam tickert es eben allen mit welchen Luftnummern gearbeitet wurde und wird.
    Und viele Kreditnehmer haben sich nicht zuletzt wegen günstiger Finanzierung übernommen.

    Die EZB sollt die ganze Sache nochmals überdenken. Banken gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Banken sind Dienstleister und sind an der echten Wertschöpfung nicht unmittelbar beteiligt.

    Und mit der Gelddruckmaschine lässt sich das innewohnende Problem nicht lösen.