Banken: Die Alchemisten kommen

Die europäischen Banken haben eine Lösung für ihre Eigenkapital-Probleme gefunden. Sie gewichten ihre Schrottpapiere um und sagen: Es gibt gar kein Risiko - und drehen weiter am großen Hebel, bis der Bailout durch den Steuerzahler kommt.

Erst vor wenigen Tagen verkündete Angela Merkel stolz, man habe den Banken nun endlich wirksam vorgeschrieben, dass sie ihre Eigenkapital-Basis erhöhen müssen – eines der Ergebnisses des EU-Gipfel XXIII. Die Banken geben nun offenbar die Antwort auf eine erprobte Weise: Sie sind dazu übergegangen, ihre Risiko-Papier neu zu bewerten – auf Deutsch: Sie behaupten einfach, dass der Schrott kein Schrott ist, sondern Gold – und schon ist das lästige Eigenkapital-Thema gelöst.

Schon im Mittelalter begeisterten die Alchemisten die Mächtigen - bis das Labor mit lautem Knall in die Luft flog. (Foto: Wikipedia)Schon im Mittelalter begeisterten die Alchemisten die Mächtigen – bis das Labor mit lautem Knall in die Luft flog. (Foto: Wikipedia)

Besonders kreativ sind die Alchemisten in Spanien: Einem Bloomberg-Bericht zufolge haben die Banco Santander SA und Banco Bilbao Vizcaya Argentaria SA erklärt, dass sie nur die Hälfte der geforderten 13,6 Milliarden Euro aufbringen müssen. Die andere Hälfte werde durch die Neubewertung von Risiken erreicht. Die Methode trägt den wunderschönen Namen „risk-weighted asset (RWA) optimization“. Auch die Commerzbank ist eifrig dabei – der CFO hatte öffentlich angekündigt, dass RWA auch für das Problemkind der deutschen Banken selbstverständlich eine Option ist.

Dies sei so, als würde man dem Wilddieb zum Hirten machen, sagte Adrian Blundell-Wignall von der OECD. Indem man den gerissenen Banken erlaube, ihre eigenen „Modelle“ anzuwenden, werde die ganze Eigenkapital-Diskussion sinnlos. Shiela Bair, ehemalige Chefin des staatlichen US-Einlagenversicherers, schrieb im Fortune Magazin, die europäische Methode sei naiv: „Der Bank-Manager hat jedes Interesse zu sagen, seine Assets seien von niedrigem Risiko. Dadurch kann die Bank ihren Hebel weiter maximieren und höhere Profite ausweisen, was wieder zu höheren Gehältern und Boni führt.“ Schon während der vergangenen Rezession hätte die Banken trotz vieler Kreditausfälle durch diese Methode in ihren Bilanzen den Eindruck erweckt, dass ihre Assets sicherer geworden seien.

Für die meisten unabhängigen Beobachter ist der RWA-Trick jedoch ein verheerender Schuss ins eigene Knie. Die Kurseinbrüche der großen Europäischen Banken haben gezeigt, wie erschüttert das Vertrauen der Investoren in die europäischen Banken sei. Durch die Bilanz-Panschereien wird das Vertrauen weiter zerstört. Am Ende steht, wie immer, der große Bail-Out – bezahlt durch den Steuerzahler, weil die Politiker nicht im Ansatz verstehen, worum es hier überhaupt geht.

Kommentare

Dieser Artikel hat 5 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Chris sagt:

    Ja, vollkommen richtig! Der Punkt ist in der Tat, daß dieses Vorgehen schon in der vorherigen Kirse 2008 toleriert wurde. Damals wäre es, wenn auch nur unter enormen Schmerzen, möglich gewesen dieses Problem zu lösen. Jetzt wird zu dem Müllhaufen, der in den Kellern der Banken vor sich hinstinkt noch mehr Müll hinzu geschüttet! Irgenwann weiß man garnicht mehr wohin mit dem ganzen Müll und man stellt fest, daß die Banken garkeine Banken mehr sind, sondern Müllhaufen!

  2. Klaus-Nikolaus Röth sagt:

    Politiker haben in den meisten Fällen keine ordentliche Ausbildung für ihren Job. Dafür sind sie jedoch im Mauscheln Weltmeister, die in der Tat selber nichts zu sagen haben. Die Entscheidungen werden von Höchst Krimminellen Bangstern, an die Korrupten Politiker und ihre Vasallen vorgegeben.

    Siehe City of London, Goldmann&Sachs ect.

    • Chris sagt:

      Das ist nur zum Teil richtig. So hat Josef Ackermann stets betont, daß er als Berater der Kanzlerin immer das Wohl der Deutschen Bank im Auge hat. Die deutschen Politiker wollten getäuscht werden und wurden es auch. Schließlich hatte man auch so Berater wie Weidmann und Asmussen, die nicht den geringsten Schimmer davon haben, was sie da eigentlich machen! Das Problem liegt einzig in der Inkompetenz der Politiker! 90% der Politiker im Bundestag wussten garnicht über was sie da eigentilch abstimmen als es um die Rettungsschirme ging!

  3. tomorrow sagt:

    Au ja bitte!
    Lasst die Alchemisten kommen, die aus Blei – Gold machen.
    Merkel und Konsorten dürfen vortreten,
    die haben sich bereits qualifiziert, für den Betrug. Hmm.

    • tomorrow sagt:

      Deutschland wird aus der Krise … gestärkt hervorgehen.
      Das ist so sicher wie die Regierungs-Sicherung der Spareinlagen.
      Alter Falter. Wer solchen Quatsch glaubt …
      Nicht dass man fassungslos sein sollte, ob solcher Verarschung. Nein.