EU: Niederländer über Frankreich verärgert

Wegen ihrer engen wirtschaftlichen Verbindung mit Deutschland fordern sie mehr Einfluss in der EU. Sie wollen nicht von den Franzosen verdrängt werden.

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Die Niederlande fühlen sich von Frankreich innerhalb der EU an den Rand gedrängt. Sie pochen darauf, dass 2010 die Niederlande die treibende Kraft gewesen sei, die Rettung Griechenlands mit dem Internationalen Währungsfond einzuleiten. Der damalige Ministerpräsident Jan Peter Balkenende hatte Angela Merkel den Vorschlag unterbreitet, so Bloomberg. Frankreich hatte damals noch abgewiegelt. Nicolas Sarkozy hatte gemeint, Europa könne seine Probleme intern lösen. Ein Monat später mussten die Europäer zerknirscht zum IWF nach Washington pilgern und um Unterstützung bitten. Nun ärgern sich die Niederländer, dass Frankreich auf einmal an der Seite Deutschlands marschiert und sie nur noch eine Nebenrolle spielen sollen.

Neben einer engen wirtschaftlichen Partnerschaft verfolgen Deutschland und die Niederlande in Bezug auf Europas Zukunft die gleichen Ideale. So zogen beide Staaten an einem Strang, als es um die Verhängung von Sanktionen gegen Defizitsünder ging und setzten sich für die Unabhängigkeit der EZB ein. Auch an der Ausarbeitung des IWF zur finanziellen Stützung Griechenlands waren vor allem Deutschland und die Niederlande beteiligt. Doch Sarkozy gelingt es stets eigene Interessen wie den unbegrenzten Anleihen-Ankauf durch europäische Banken durchzusetzen und am Ende als Gewinner der Verhandlungen hervorzugehen. So sei es schon immer gewesen, betont Adriaan Schout, ein unabhängiger Experte der Europäischen Kommission. „Die Niederlande sind stets stark in die Vorbereitungen eingebunden, aber wenn das Spiel beginnt, sind Deutschland und Frankreich in der Führungsposition.“

Das Gefühl der Niederländer, in der europäischen Union übergangen zu werden, resultiert vor allem aus der langen Verbindung zwischen Deutschland und den Niederlanden. Diese geht auf die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl 1951 zurück und hat den Grundstein für die heutige Europäische Union gelegt. Die Franzosen halten dagegen: Als einflussreichste Staaten der EU haben Deutschland und Frankreich die vollste Berechtigung der Führungspositionen, so die französische Ministerin Valérie Pécresse, die in Paris für Haushaltsplanung zuständig ist.

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Kommentare

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  1. Chris sagt:

    Vielleicht sollten die Niederländer ihre Enttäuschung auch an Deutschland adressieren. Solidarität ist keine Einbahnstraße.

  2. Meckerziege sagt:

    >>Sie pochen darauf, dass 2010 die Niederlande die treibende Kraft gewesen sei, die Rettung Griechenlands mit dem Internationalen Währungsfond einzuleiten.<<

    Das würde ich ja in der heutigen Zeit nicht mehr so laut sagen – ich wäre froh, wenn das niemand wiederkäut.

    Aber da kommen die eigenen Rindviecher und fressen das Gras des Vergessens ab, was gerade mal drüber gewachsen ist.

    Woran man sehr schön erkennen kann, aus was für einer Herde EU-Politiker bestehen … lauter Rindviecher.