Polen: Erste Probleme im Finanzsektor

Viele Kreditinstitute in Polen sind Niederlassungen europäischer Banken - die fehlende Liquidität bereitet ihnen große Sorge. Sie haben Angst, verkauft zu werden. Die Kredite an den Mittelstand stocken.

Bis jetzt hatte Polen Glück, nicht von der Euro-Krise getroffen zu sein, da es beispielsweise die gemeinsame Währung bei ihrem Beitritt nicht angenommen haben. „Die Frage ist, ob es so bleiben wird“, sagt Lucyna Stanvzak von der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung. „Der Abschwung in Europa wird Polen auf die eine oder andere Weise treffen.“ Immerhin ist Polen wirtschaftlich gesehen stark an die Euro-Zone gebunden. Mehr als die Hälfte der polnischen Exporte gehen in die Euro-Zone und mehr als ein Viertel allein an Deutschland, Polens wichtigster Handelspartner

Die ersten Auswirkungen der Euro-Krise sind im Finanzsektor bereits zu spüren. Der wichtigste Aktienindex des Landes ist seit April um 24 Prozent gesunken und die ausländischen Investoren neigen dazu, das Land mit den osteuropäischen Nachbarn Ungarn und Rumänien in eine Schublade zu stecken und scheuen Investitionen. Ein fast noch wichtigeres Problem ist die Struktur der Banken. Viele polnische Banken sind Niederlassungen oder Tochterfirmen von großen europäischen Banken wie der Commerzbank, der UniCredit oder der Banko Santander. Banken, die die selbst stark von der Krise getroffen sind und mit großer Mühe versuchen, die hohen Eigenkapitalanforderungen zu erfüllen. Deshalb fürchten viele polnische Politiker, dass die europäischen Banken ihre Niederlassungen nicht mit genügend Liquidität ausstatten oder gar versuchen, sie zu verkaufen (einige Banken haben schon begonnen, ausländische Niederlassungen zu verkaufen – mehr hier). Zurzeit sieht es so aus, als kämen hauptsächlich russischen Banken als potentielle Käufer in Frage. Eine Aussicht, die den Polen Bauchschmerzen bereitet. Jeglicher Käufer „sollte eine bekannte, europäische Bank mit nicht so vielen Problemen sein“, wünscht sich Andrzej Raczko von der polnischen Zentralbank.

Die Probleme der polnischen Banken spüren auch die Mittelständler: Obwohl es offiziell noch keine Kreditklemme gibt, ist es für den Mittelstand mittlerweile äußerst schwierig einen Kredit zu erhalten. „Kleine mittelständische Unternehmen kriegen keine Finanzierung, wenn sie nicht eine 10-jährige Geschichte und eine Fabrik haben“, sagt Anna Katarzyna Nietyksza, Präsidentin von Eficom, eine Beratungsfirma in Warschau die Firmen darin berät, wie sie sich für EU-Kredite bewerben können oder an der Warschauer Börse notieren. „Wenn du keine Absicherung hast, etwas Konkretes, kriegst du keine Finanzierung“

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Kommentare

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  1. Albert Albern sagt:

    Wir nähern uns wieder einem kollektiven Leid…

  2. hunsrückbäuerlein sagt:

    liebe freunde östlich der oder und der neisse,

    laßt die banken, so es töchter ausländischer heuschrecken sind, verrecken und die anderen verstaatlicht und bleibt dem € fern, egal was man euch verspricht!