EZB hat offenbar mit dem Gelddrucken begonnen

Ein plötzlicher signifikanter Rückgang der Zinsen für spanische Staatsanleihen deutet darauf hin, dass das diskrete Konzept der EZB aufgeht. Über den Umweg einer Kreditschwemme an die Banken soll die Staatsschuldenkrise gelöst werden. Langfristig bedeutet dies: Die Inflation kommt.

Aktuell:
EZB kauft weiter Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt
Draghi: Wer die Eurozone verläßt bekommt Inflation!

Beobachter rätseln über den plötzlichen rapiden Rückgang der Zinsen für spanische Staatsanleihen (Chart am Ende des Artikels). Irgendetwas habe sich in den vergangenen Tagen verändert, mutmaßt Joe Weisenthal vom Business Insider. Er geht sogar so weit zu fragen: Ist die Krise vorüber? Als Argument führt er an, dass Krisen niemals mit einer Ankündigung enden, sondern dadurch, dass bestimmte Maßnahmen greifen.

Die Entwicklung der Zinsen für zweijährige spanische Papiere ist in der Tat bemerkenswert: Denn an den volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen hat sich in Spanien nicht geändert – im Gegenteil: Viele Regionen stehen am Rand einer Liquiditätskrise (mehr hier).

Daher gibt es eigentlich nur eine Erklärung: Die Europäische Zentralbank (EZB) macht Ernst und beginnt mit dem Gelddrucken. Dafür braucht die EZB keine Druckmaschine. Bei ihrem letzten Direktoriums-Meeting hatte die EZB beschlossen, den Banken Liquidität in unbegrenztem Maß zur Verfügung zu stellen (eine Zeitbombe – mehr hier). Die Banken müssen mit dem Geld Staatsanleihen kaufen. Dies scheinen sie nun offenbar zu tun. Sie halten die Papiere jedoch nicht lange. Die EZB kauft die Papiere am Sekundärmarkt zurück. Dies darf sie tun. Durch das billige Geld, welches die Banken von der EZB bekommen, können sie auch Sicherheiten stellen. Ein Kommentator auf Business Insider nennt den Vorgang „Geldwäsche vom Feinsten“. Der französische Notenbank-Chef Christian Noyer hatte bereits öffentlich angekündigt, dass die Krise damit gelöst sei (mehr hier) und war daraufhin von seinen Kollegen in der EZB geprügelt worden (mehr hier).

Vermutlich bezog Noyer die Prügel jedoch nicht, weil er etwas Falsches gesagt hatte, sondern weil er überhaupt etwas gesagt hatte. Denn der Plan der EZB funktioniert nur, wenn er möglichst diskret umgesetzt wird. Anders als die US-Notenbank Fed hat die EZB wenig Spielraum, im Dialog mit der Politik unabhängige Geldpolitik zu machen. Sie muss sich ihr Geld bei den nationalen Notenbanken leihen – was spätestens vergangene Woche schwierig wurde, als die Bundesbank offenbar keine Assets mehr hatte und damit als geldpolitisch neutraler Finanzier der Euro-Zone ausfiel (mehr hier). Die Federal Reserve druckt seit Monaten ohne Ende Geld, und die Auswirkungen auf die amerikanischen Staatsanleihen sind unübersehbar: Trotz Downgrade durch eine Ratingagentur haben die Amerikaner nicht die geringsten Schwierigkeiten, sich zu refinanzieren: Die Zinsen für ihre Staatsanleihen sind, trotz miserabler Fundamentaldaten, weiter moderat.

Kurzfristig mag die EZB also für eine Atempause gesorgt haben – angesichts des tobenden Wirtschaftskriegs der USA gegen Europa ist das keine schlechte Nachricht (mehr hier). Denn immerhin ist die akute Staatsschuldenkrise das größte Problem. Wird sie nicht gelöst, ist ein Euro-Crash fast unausweichlich. Ob die Banken das Spiel lange mitspielen können, ist eine andere Frage.

Langfristig ist ebenfalls kein Problem gelöst. Daher versucht die Goldman Fraktion (Draghi und Monti – mehr hier), in Europa ein dauerhaftes, radikales Sparprogramm zu etablieren. Konkret bedeutet dies: Den Finanzmärkten werden Möglichkeiten für neue, kurzfristige Profite eröffnet. Die Völker Europas werden jedoch die Rechnung bezahlen – nicht zuletzt wegen der Politiker, die gegenüber Draghi und Monti nicht den ausreichenden Sachverstand besitzen, um gegenzuhalten. Dass sie für ihre Unfähigkeit von den Goldmännern nun auch noch öffentlich gescholten werden, ist eine bizarre Notiz am Rande (mehr hier). Dass Europa dagegen ein verlorenes Jahrzehnt droht, verdient schon mehr Beachtung (warum es dazu kommen dürfte – hier).

Mehr zum Thema:

EU will zwischenstaatliche Verträge an sich ziehen
Starbatty: Wenn die EZB eingreift, wird es eine Inflation geben (Interview)
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Kommentare

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  2. Michele sagt:

    Aha, jetzt wird es offensichtlich: Staatsschuldenabbau durch Geldmengenvermehrung und Geldentwertung.

    Das heißt: Die Bürger mit Geld- und Sachrücklagen bezahlen grundsätzlich die Zeche von Schuldnern gemacht. Ein systematisierter Kopfstand. Bei dem Prinzip will doch keiner mehr sparen. Langfristig wird es so nicht funktionieren, obwohl die Bürger Rücklagen bräuchten. Sie werden in Sachanlagen ausweichen, soweit sie dazu überhaupt in der Lage sind.
    Nach und nach wird es für die Bürger sehr schwierig und für Finazhaie schwieriger, sich durch höhere Zinsen über Wasser zu halten.

    Das Prinzip ist verkehrt, man darf nicht Schuldenmachen fördern, man muss das Rücklagebilden fördern. Inzwischen nur noch Theorie. Der momentane Leitzins der EZB entfaltet diese Entwicklung. Abbau folgt.

    Ohne Rücklagen lebt man von der Hand in den Mund. Das lähmt die Beweglichkeit durch echte und nutzbringende Investitionen.

  3. Durchblicker sagt:

    Die Europäer machen es wie die Amis und das war vorhersehbar, dass die Druckmaschinen auf Höchstleistung gefahren werden. Das Ziel ist doch, dass der Dollar mit der Totgeburt dem Euro sterben muss um eine neue Währung und ( oder den bargeldlosen Geldverkehr ) einzuführen. Wer das Spiel noch nicht durchschaut hat, den wird es irgendwann kalt erwischen. Gewinnen werden dabei nur die, die Sache steuern und wer da dahinter steckt, wird von den Qualitätsmedien natürlich verschwiegen.
    „Ordo ab Chao“

    • Jupp sagt:

      Nur eine Frage der Zeit, dann dürfen wir den Reichs-Euro (Teuro) mit der Schubkarre von der Bank abholen und eine Milliarde für ein Brötchen bezahlen. Ähnliches hatten wir ja schon einmal… :(

      • doci sagt:

        und das Wichtigste ist, dass man die Schubkarre nicht vor der Bäckerei stehen lässt, :-)sonst fährt ein Anderer zum Brötchen kaufen und der letzte wahre Wert ist perdue

        Leute, empört euch !!!

    • Uri125 sagt:

      Richtig, deshalb war ja Geithner bei Draghi um weiter den Dollar als Leitwährung zu stärken und den Euro durch weitere Inflationäre Bezüge zu schwächen. Da hat er natürlich dem guten Draghi geraten es wie die FED zu machen und einfach Geld zu drucken. Scheiss auf die Stabilität.
      Erfolg die Anleger gehen wieder in den desolaten Dollar, somit war dieser als Leitwährung gerettet. Denn man erwägte schon in den OPEC Staaten den Euro als Richtwert für den Ölpreis zuzulassen, damit wäre der Dollar ja noch weiter in die Bedruille gekommen, dass ist jetzt endlich vom Tisch für die USA.

  4. Gast sagt:

    Dies dürfte die Ursache dafür sein:

    (dpa-AFX)“Die EZB hatte die umstrittenen Käufe von Staatsanleihen angeschlagener
    Euro-Staaten in der vergangenen Woche wieder ausgeweitet. Man habe für insgesamt
    3,361 Milliarden Euro Anleihen erworben, teilte die Notenbank in Frankfurt mit.“

    Ja,sonst ist die EZB ganz seriös und macht nichts was sie nicht machen darf. Geld druckt sie ja auch nicht, den Staatsanleihen für 3,361 Milliarden Euro werden in Kieselsteinen bezahlt und diese werden ja nicht bedruckt. Wenn die EZB keine Geldpresse hätte, könnte man vermuten das die EZB pleite ist – was ja zum Glück nicht geht wenn man das Gelddruckmonopol hat.

    Aber wir sehen daß alle Sparmaßnahmen große Wirkungen zeigen und die Beschlüsse des EU-Gipfels schon umgesetzt sind. Man könnte glauben das der EU-Gipfel beschlossen hat der EZB das Zepter zu übergeben, den Draghi war heute der einzigste EUler welche Zuversicht, Hoffnung und „Pfeif auf das Rating“ öffentlich verbreitet hat – ohne greifbare Grundlagen natürlich. Nun rechnet Draghi schon aus wie es mit der Druckkapazität steht wenn dann endlich die Ratingverluste kommen, welche ja nichts weiter als ein Sack Reis in China sind.

    • Michele sagt:

      Hat Draghi den „Goldesel“ vom Ami ausgeliehen!?

      Kieselsteine wären ja auch wirklich aufwendig zu transportieren, die europäischen Lastkraftwagen würden nicht ausreichen und zusammenbrechen.

  5. Karin Jürgens sagt:

    Hat Angela uns da eine Kleinigkeit verschwiegen?

    • Michele sagt:

      Das ist eine gute Frage.

      Wahrscheinlich glaubt man nicht an die beschlossene „Schuldenbremse“.