Spanien: Obdachlose werden zu Hausbesetzern

Wegen der Schuldenkrise gab es in Spanien in diesem Jahr eine Welle von Zwangsräumungen. Die Obdachlosigkeit in Madrid stieg sprunghaft an. Nun wollen die Leute nicht länger auf der Straße bleiben und besetzen leerstehende Häuser, Supermärkte und Hotels.

Hausbesetzungen in Spanien erfahren mit der Zuspitzung der Wirtschaftskrise eine Renaissance. In den 1990ern oftmals noch rein politisch motiviert, sind es jetzt überwiegend hilfsbedürftige Spanier, die nach einer Bleibe suchen. Die anhaltende Krise hat viele Haushalte schwer getroffen: erst der Verlust der Arbeit, dann das Haus. Allein in Madrid wurden rund 5.225 Zwangsräumungen in der ersten Hälfte dieses Jahres vorgenommen, weil die Besitzer ihre Hypotheken nicht zahlen konnten (mehr hier).

„Alle Spanier haben das Recht auf menschenwürdige Unterkünfte“, heißt es im 47. Artikel der spanischen Verfassung. Nach diesem Leitsatz handeln spanische Aktivisten der 15-M-Bewegung oder Okupas, die mit der Organisation von Hausbesetzungen gegen die Missstände protestieren. Leer stehende Wohnblöcke, verlassene Hotels oder pleitegegangene Supermärkte – täglich findet mindestens eine Besetzung  statt, berichtet die spanische Zeitung El País.

Mit dem Regierungswechsel im November hat sich jedoch auch die Reaktion von Seiten des Staates auf Hausbesetzer verändert. So kommt es vermehrt zu härteren Übergriffen durch die Polizei und zahlreichen Verhaftungen – selbst Gebäude, die seit Monaten für Hunderte als Schlafplatz dienten, werden nun geräumt. Anschließend lässt die Regierung solche Gebäude versiegeln oder Türen und Fenster zumauern.

Typischerweise verfolgen die Protestler in Spanien mit den Bestzungen ein Ziel:  Das Errichten sozialer und kultureller Einrichtungen. In der Vergangenheit waren sie deshalb durch soziale Netzwerke oder Informationsbüros für Hausbesetzer äußerst gut organisiert. Doch der derzeitige Zulauf aus allen Schichten überfordert selbst die Organisatoren. Neben dem hohen Anstieg an Hausbesetzungen zeigt sich ebenso ein erhöhter Ansturm in den sozialen Zentren wie dem Patio Maravillas oder Casablanca in Madrid. Dort nehmen immer mehr Spanier Kultur- und Dienstleistungen wie die Rechtsberatung in Anspruch.

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Kommentare

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  1. Hola,

    Sinceramente hemos encontado tu entrada del blog
    verdaderamente útil. Esperemos que siga redactando este tipo de entradas!

    Volveremos en breve a su blog para ver las novedades

  2. franz sagt:

    Ich find recht so,früher glaubten sie auch das da alles gut läuft,jetzt kommt die Wahrheit ans Licht

  3. Mel, Vita sagt:

    10.Januar 2012 Orihuela Costa -Alicante
    Es muss aufhoeren , Menschen auf die Strasse zu setzen, quasi ueber Nacht obdachlos zu machen und grosses Leid ueber diese Menschen zu bringen.
    Keine Menschenrechte und im Winter auf der Strasse. +5 C Wahnsinn !!!

    Uns ist es vor 3 Tagen auch so ergangen das wir unserer Haus wo ich,
    11 Jahre lang viel Geld in Spanien investiert habe, verloren haben. Nun leben wir mit viel Glueck in einem Appartement, haben nur das was wir greifen konnten und Leben aus Kartons. Alles andere im Haus, Moebel, Betten Werkzeug, etc. ca. 100.000 Euro Investition weg, gehoeren jetzt der Bank. Eine monatlich Zahlung von voruebergehend 500,– wurde abgelehnt.
    Es sollen alle Rueckstaende auf einmal plus Gerichtskosten beglichen werden. Das kann ja keiner. Grausam und unmenschlich.
    Und es hilft uns niemand. Alle sehen weg. Eine Schande.
    Wir haben nun Angst, wissen nicht wie es weiter geht und meine Frau arbeitet auch noch ohne Vertrag fuer 3,– bei einem China-shop. Grausam.
    Wir sind nette Leute haetten uns in 3-4 Monaten nur noch um die weitere Haus-Abzahlung kuemmern muessen , jetzt haben wir keine Basis und Existens mehr. Alles weg,ein Alptraum.
    Wie soll man da wieder ohne Hilfe, ohne Existens, ohne Telefon/Internet und bei dem Arbeitsmarkt raus kommen ??
    Und das Winter ist, nachts 5 Grad interessiert auch keinen.
    Um ein Haar haetten wir auf der Strasse gesessen, krank geworden.
    Wer uns helfen moechte, spenden moechte, etc. melde sich bitte, wir haben auch vielen Leuten immer geholfen, jetzt sind wir selber in sehr grosse Not geraten und das wuenschen wir keinem.

    Haben sie ein Herz fuer eine Familie die das Grauen vor sich hat…,
    ueber Nacht am Abgrund steht.
    Wir wollen nicht betteln sondern Bitten um Hilfe.
    Danke
    (03189 Orihuela Costa – Cabo Roig)

    PS.: Wir sind erst 2 Jahre verheiratet haben 2010 mit 1,50 Euro Weihnachten gefeiert
    und nun 2011/2012 die Zwangsraeumung. Schlimmer geht es nicht !!!
    Helft uns bitte, bietet uns was an, wir sind voellig fertig, werden alles verlieren
    was wir je besessen haben, denn niecht einmal die Kartons aus denen wir leben
    koennen wir je wieder abtransportieren. Wohin auch ????? Kleidung alles ……
    grausamer und schlimmer geht nicht mehr !
    0034- 96532-3995
    Gebt uns unser Haus – ein normales Leben wieder……

  4. NO GEZ sagt:

    Die Leute die all ihr Erspartes in eine Immobilie gestckt haben
    sitzen jetzt auf der Strasse.
    Nach der Krise werden sie wieder drin wohnen,
    als Mieter.
    So funktioniert die Connection zwischen Banken und Bonzen.

  5. Petra sagt:

    Mono & Nikitaman – Tausend
    http://www.youtube.com/watch?v=QzJ_YGOUge8

    Ich kann bei solchen Meldungen immer erst einmal nur kräftig schlucken kann, und es fehlen mir regelmäßig die Worte für das selbst fabrizierte Elend in dieser Welt fehlt – doch vielen Dank an DMN, dass Sie auch diese wichtigen Nachrichten immer wieder veröffentlichen.

  6. hunsrückbäuerlein sagt:

    hallo du braver tumber deutscher michel, guck hin, guck genau hin, das wird dir auch passieren!!!!

    • Michel sagt:

      Unsinn, Bäuerchen, Du kennst mich gar nicht und weisst nicht, wer mich antreibt.
      Aber was Du mir wünschst, soll Dir selbst widerfahren, darum unke nicht und steh´ mir lieber bei!
      Das wär dann mal was Gescheites!

  7. Kein Eurofan sagt:

    Eine sozialistische Regierung soll so viele Obdachlose hinterlassen haben? Einfach unmöglich, das kann doch nicht wahr sein. Wo ist denn da die hochgepriesene soziale Verantwortung der Genossen geblieben?

    • Michael Jelnikar sagt:

      Sozialismus war noch nie wirklich sozial, weil Planwirtschaft so etwas nie erreichen kann. Wenn das Individuum nichts mehr zählt sondern die gewissenlose Masse, dann kann das nie gutgehen.