Draghi: EZB wird weiter Staatsanleihen kaufen

In Brüssel bestätigte EZB-Chef Mario Draghi, dass die EZB weiter Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt kaufen wird – und zwar ohne Limits, wenngleich nicht in alle Ewigkeit.

Mario Draghi sagte am Montag vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss der Europäischen Parlaments in Brüssel, dass die Europäische Zentralbank (EZB) nicht wisse, wie viele Staatsanleihen die Banken mit dem von der EZB dafür zur Verfügung gestellten Geld kaufen wird (wie das funktioniert und woher die Banken auf einmal das Geld haben – hier). Er sagte zugleich, dass die EZB weiter Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt kaufen wird. Und zwar „unbegrenzt“, wie Draghi auf Nachfrage sagte. Am Primärmarkt werde die EZB nicht tätig werden, weil ihr dies ihr Statut verbiete.

Zugleich sagte er, die EZB werde auf dem Sekundärmarkt „nicht ewig und nicht unbefristet“ tätig werden. Die EZB werde so lange kaufen, solange es nötig sei, um die Marktturbulenzen zu überwinden.

Damit bestätigte Draghi indirekt, dass die EZB zum Gelddrucken übergegangen ist (mehr dazu und den Folgen – hier). Gelöst sei das Problem erst, wenn in den verschiedenen Staaten harte Sparprogramme umgesetzt wurden. Zugleich müssen die Volkswirtschaften wieder wachsen. Die Zinspolitik der EZB könne nur flankierend helfen. Denn es gäbe Staaten, die kein Wirtschaftswachstum aufwiesen, als die Zinsen niedrig waren, und die auch kein Wachstum bei hohen Zinsen hatten.

Tatsache sei, dass die Einkommen der jungen Leute heute faktisch niedriger seien als vor zehn oder fünfzehn Jahren. Dieser Generation zu helfen sei das Anliegen der EZB.

Im übrigen gehe er davon aus, dass der erweiterte Rettungsschirm EFSF in der Lage sein werde, für allfällige Rettungsaktionen für in Not geratene Staaten zu bewerkstelligen. Wie dies genau geschehen solle, sagte Draghi indessen nicht.

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Kommentare

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  1. lost sagt:

    Krieg der Roboter

    Eine fundamentale Ursache der Bankencrashs und Wirtschaftsdepression wird meines Erachtens völlig ausgeblendet. Der Abzug von Milliarden per Mausklick in Lichtgeschwindigkeit.
    Die Kapitalmobilität hat eine phantastische Geschwindigkeit erreicht seit dem Aufbau des Internets nach dem Mauerfall. Die meisten Fonds werden heute von Computern gesteuert, welche in Sekundenbruchteilen minimale Schwankungen ausnutzen, um Aktienpakete zu kaufen und verkaufen. Diese Server treiben vor allem die Volatilitäten in die Höhe, wirken verstärkend auf die ohnehin erratischen Charts, weil sie ja nicht nur von einem Betreiber, sondern von vielen gleichzeitig benutzt werden und dabei sehr ähnlich Stop-Loss justiert sind. Jeder will dem anderen beim Verkaufen zuvor kommen, was Trends exorbitant verstärkt, Börsenbeben auslöst und Banken crashen lässt.

    Gut, manche sind damit reich geworden, aber die grosse Masse wird damit arm. Natürlich glaubt ein jeder, er könne die Masse überlisten, wahrscheinlich ist das aber nicht.

    http://www.trading-strategy.de/Bilder/NEU_dax_langzeitchart.jpg

    9/11: Reagieren, bevor etwas passiert

    http://futurezone.at/netzpolitik/4892-9-11-reagieren-bevor-etwas-passiert.php

    „Recorded Future hat dieses Prinzip aus dem Bereich der Börse in den Sicherheitsbereich übertragen und bietet basierend auf semantischen Auswertungen ein prognostisches „Terrorismus-Analysewerkzeug“ an. “

    Wenn das „Prognose-Tool“ genauso toll funktioniert wie die Börsensoftware mit den millionen interdisziplinären Statistiken, verwirrenden Periodeneinheiten und Trendformationen, die man immer erst erkennt, wenn’s zu spät ist – gute Nacht.

    Der Goldcrash könnte genau diese Ursache haben. Das es „gedrückt“ wird, klingt mir zu sehr nach einer Scheinerklärung. Wie gesagt. Wahrscheinlich. Gehört man eben doch zu den Verlierern.

  2. Brainsworld sagt:

    „Tatsache sei, dass die Einkommen der jungen Leute heute faktisch niedriger seien als vor zehn oder fünfzehn Jahren. Dieser Generation zu helfen sei das Anliegen der EZB.“

    *augenwisch* WIE BITTE? Seit Jahrzehnten wird da nur nach oben in die Taschen gewirtschaftet und dann so ein Coment? Die glauben doch nicht wirklich das wir ihnen noch einen Rest vorhandener Menschlichkeit abkaufen, oder etwa doch?

    Dat is als ob nen Vampir vor mir steht und sagt: „Ab heute hör ich auf Blut zu trinken“ !!!

  3. Adept sagt:

    Zitat: „ohne Limits, wenngleich nicht in alle Ewigkeit.“

    Draghi ist ein Dummkopf, sonst könnte er das nicht sagen – denn es ist ein Widerspruch.

    ohne Limits = in alle Ewigkeit

    mit Limits = sofortiger Stopp

    Aber als E(rster) Z(entral) B(ubi) bemerkt man dergleichen Kleinigkeiten nicht.

    Wahrscheinlich im Dauerdilirium verhaftet, träumend vom Girly No.Five oder ähnliches.
    Verstand im Nirwana verschwunden….

  4. Lamberto sagt:

    Goldman Sachs !!

  5. khaproperty sagt:

    Das kann auch nicht die Lösung sein – nicht mal mittelfristig, vielleicht nicht einmal kurzfristig:

    – Die neue Form von Geldzirkulation, nämlich die von der EZB neu erschaffene Liquidität, welche die Banken stante pede wieder bei der EZB als Überschußreserve anlegen, kann nicht funktionieren, solange die Banken die Kreditvergabe verweigern, welche sie sich nicht leisten können, denn sie sollen und müssen ihre Bilanzen verkürzen. Wegen Basel III und dem verfallenden Markt ist Delevering angesagt, nicht das Gegenteil, wie es Draghi gern hätte.

    – Außerdem ist das Verhalten der Banken natürlich von höchster Unsicherheit und mangelndem Vertrauen geprägt. Kein Wunder bei den nutzlosen Eskapaden der Euro-Nationen.

    – Schließlich würden die Banken sich zusätzliche Risiken aufladen, denn trotz anderslautender Äußerungen aus dem Euro-Raum ist damit zu rechnen, daß sie bei allfälligen Haircuts um so mehr Geld verlieren müßten, je mehr Anleihen sie erwürben.

    – Nebenbei müssen sie auch damit rechnen, daß der Euro rückabgewicklet wird, was zu einer weiteren Steigerung der Verluste der Banken führte.

    – Und die Aktionäre sehen es gar nicht gern und kommunizieren das auch an Vorstände und Aufsichtsräte, daß ihre Bank bei diesem EZB-Roulette mitmachte.