Osteuropa droht Bankenkrise

Osteuropas Banken geraten durch den Rückzug westlicher Banken unter Druck. Morgan Stanley empfiehlt den betroffenen Staaten, sich rechtzeitig nach Rettern umzusehen. Offenbar sind außer Tschechien alle Staaten betroffen.

Osteuropäische Länder könnten schon bald auf mehr Geld vom Internationalen Währungsfonds und anderen Ländern angewiesen sein. Sollten sich die westlichen Banken noch stärker aus den Kreditgeschäften in den zentral- und osteuropäischen Ländern zurückziehen, könnte das ein großes Finanzierungsloch hinterlassen.

80% des Bankenwesens in Osteuropa sind unter der Kontrolle westlicher Banken, die sich wegen neuer Kernkapitalquoten aus dem Gebiet zurückziehen. Österreich, dessen Banken in Osteuropa lange Jahre marktbestimmend waren, machte beispielsweise die Kreditvergabe im Osten von den Geschäften und Gegenwerten am österreichischen Markt abhängig. (mehr dazu hier)

Länder die aktuell zur Absicherung von Krediten kein Geld aus dem Ausland beziehen, sollten solche Vereinbarungen nun schließen, raten Pasquale Diana und Jaroslaw Strzalkowski von Morgan Stanley in einem Bericht des Nachrichtendienstes Bloomberg. Dies solle das Vertrauen der Märkte in Osteuropa soweit wieder herstellen, dass der schlimmste Fall gar nicht erst eintritt, meinen sie.

Würde sich das Finanzierungsloch durch den weiteren Rückzug westeuropäischer Banken noch vergrößern, müssten alle osteuropäischen Staaten – ausgenommen Tschechien – bestehende Hilfsfonds anzapfen. Die Aufstockung der Unterstützung durch den Währungsfonds wäre ebenfalls eine Möglichkeit, das abwandernde Kapital zu ersetzen.

Demnach würde Ungarn um die zwölf Milliarden Euro vom internationalen Währungsfonds benötigen, um das Vertrauen wieder herzustellen. Rumänien (das sich durch den Rückzug Österreichischer Banken verraten fühlte – mehr hier) hat vorsorglich bereits über fünf Milliarden Euro Kredite mit internationalen Geldgebern vereinbart. Dies könnte aber noch zu wenig sein, warnen Diana und Strzalkowski.

Auch wenn derzeit noch kein konkreter Anlass besteht, einen „Big Bang“ zu befürchten, halten es die Experten von Morgan Stanley für hilfreich, würde sich der IWF und die Europäische Kommission in Zentral- und Osteuropa verstärkt engagieren.

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Kommentare

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  1. Karl-Heinz sagt:

    Zitat:“Osteuropäische Länder könnten schon bald auf mehr Geld vom Internationalen Währungsfonds und anderen Ländern angewiesen sein.“

    Haben wir doch gerade ein paar DMN-Artikel vorher gelesen, dass Italien und Spanien große Teile ihrer benötigten Hilfe selbst beim IWF einzahlen müssen, weil der nix mehr hat.

    Watt nu? Welchen Finanzzaubertrick wird man hier anwenden?

    • J. C., geb. Püschl sagt:

      Zurücklehnen, lieber Freund!

      Es heisst ja „die Länder könnten …“.
      Ja, wenn sie könnten, dann könnten sie können, und wenn nicht, nicht.