Europa muss Regulierung von Spekulationsgeschäften verschieben

Weil die amerikanische Aufsichtsbehörde durch den MF Global Skandal überlastet ist, muss die Einführung der Derivaten-Regulierung verschoben werden. Die EU nützt die Zeit und streitet intern.

++Aktuell: Spanische Staatsanleihen profitieren von EZB-Bazooka ++

Das Programm EMIR (European Market Infrastructure Regulation) muss verschoben werden. Das von den G20 groß angekündigte Regulierung der Finanzmärkte ist damit auf den St.Nimmerleins-Tag bis Februar verschoben worden.

Hauptgrund ist nach FT-Informationen offenbar die Arbeitsüberlastung der amerikanischen Commodity Futures Trading Commission (CFTC). Die Aufsichtsbehörde ist mit den Aufräumarbeiten nach dem Kollaps von MF Global so überfordert, dass sie die notwendigen Papiere nicht fertigstellen konnte. MF Global ist eine Investment-Firma, die von einem ehemaligen Goldman-Sachs Partner Jon Corzine vor die Wand gefahren wurde. Weil Millionen von Anlegern auf unerklärliche Weise verschwunden sind, wurden in den USA zahlreiche Hearings vor dem Kongress abgehalten.

Corzine gab dabei recht überzeugend den reuigen Betroffenen und versicherte, nicht die geringste Ahnung zu haben, wo das Geld geblieben sein könnte.

Die verschiedenen EU-Gremien streiten unterdessen und konnten sich nicht auf einen Vertragsentwurf einigen. Zwischen der Kommission, dem Rat und dem Parlament gibt es unterschiedliche Auffassungen, wie die sogenannten Over the Counter (OTC) Derivate reguliert werden sollen. Insbesondere die Rolle der europäischen Clearingstelle Esma ist unklar.

So können sich die Spekulanten über ein Weihnachtsgeschenk freuen, mit dem sie mindestens bis ins Frühjahr weiter spielen können. Vielleicht gelingt in der Zwischenzeit ja wieder ein Pleite, um sich in die nächste Verlängerung zu retten.

Mehr zum Thema

EZB: Eine Bilanz wie Lehman vor dem Crash
Europa: Heimliche Bankenrettung hat begonnen
Draghi: EZB wird weiter Staatsanleihen kaufen

Kommentare

Dieser Artikel hat 18 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  1. Euro sagt:

    Der Zwischenstand der BuBa Target2-Forderungen

    beträgt 495.164.155.000 Euro (Stand Nov. 2011, so die Angaben der BuBa im Internet ). Im Dezember wird es mehr als eine halbe Billion Euro sein, mit welcher der liebe Michel die Exporte aus seinem Land in die Zone finanziert und den Bestellern ein nettes Leben gönnt.
    Allerdings war der Zuwachs im November moderat (nur ca. 30 Milliarden Euro). Im September waren immerhin ca. 60 Milliarden hinzugekommen.
    Da freut es die rot, schwarz, grün und blau/gelb lackierten Kollektivisten, dass sie einen BP haben, der ihnen bei den nötigen Ablenkungsmanövern, wenngleich ungewollt, so hilfreich zur Seite steht.

    Ob es in 2012 noch um die Regulierung von Spekulationsgeschäften gehen wird oder ob dann nicht gänzlich andere Fragen auf der Tagesordnung stehen, wäre noch zu beleuchten. Vielleicht kommt Michel ja doch noch auf die Idee – natürlich erst, wenn Gottschalks Nachfolge geklärt sein wird- die Tagesordnung einmal selbst zu bestimmen?

    • Michele sagt:

      495.164.155.000 Euro sind wirklich ein Menge Stoff.

      Die Buba reicht scheins das Moos den Exporteuren. Un woher nimmt die Buba den riesigen Stoff?

      Als Michel rätselt man weiter. Hat wirklich der Michel das Moos vorgestreckt? Oder hat man dazu den Goldesel eingeschaltet?

      Jedenfalls hoffe ich, daß die Forderungen irgendwann realisiert werden können. auch zugunsten des Michels, von dem man immer mehr an Arbeitsleistung abverlangt.

      • Euro sagt:

        @ Michele

        Sie haben das noch nicht ganz verstanden. Auf der Seite des Ifo-Instituts finden Sie umfangreiche Infos. Oder Sie lesen erst einmal Prof. Sinns Beitrag „BBK Target: Ausverkauf mit der Druckerpresse“ vom 01.12.2011 zu diesem Thema in MMnews.

        • Blickensdörfer sagt:

          Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union Artikel 282 (3) „Die Europäische Zentralbank besitzt Rechtspersönlichkeit. Sie allein ist befugt, die Ausgabe des Euro zu genehmigen. Sie ist in der Ausübung ihrer Befugnisse und der Verwaltung ihrer Mittel unabhängig. Die Organe, Einrichtungen und sonstigen Stellen der Union sowie die Regierungen der Mitgliedstaaten achten diese Unabhängigkeit.“ Und dann verfügt die EZB nicht nur über kein eigenes Rechnungssystem, sondern ihr fehlt auch ein Maßstab anhand dessen sie die „Ausgabe des Euro“ begründet genehmigen kann. Und so lässt sich auch deshalb fragen, wovon sie denn unabhängig sei. Denn die Genehmigung der „Ausgabe des Euro“, ohne zu wissen, was für eine Menge gleicher Euro-Einheiten die Realwirtschaft (wenigstens) der EURO-Länder bedingt, bedeutet Abhängigkeit. In „BBK Target: Ausverkauf mit der Druckerpresse“ weist Prof.Sinn zwar überzeugend auf die Zusammenhänge und vor allem auf die Folgen hin. Doch leider setzter weder das Definieren scheinbar nicht weiter hinterfragbarer Worte, Sachverhalte fort, die er mit Wollmershäuser in der Auseinandersetzung mit TARGET 2 begonnen hatte, noch setzt er sich (auch deshalb) nicht mit üblichen, Ursachen verschleiernden Aussagen auseinander, wenn er sie lediglich zu seinen macht: „Diese Schulden sind das Gegenstück zu den neuen Forderungen der Bundesbank. Wann wacht die Politik endlich auf und beschäftigt sich mit diesem Vorgang?“
          Schulden sind nur scheinbar „das Gegenstück“ zu Forderungen. Und aus einer Beschäftigung „mit diesem Vorgang“, ohne die Realität in einer Trennung von „Finanzwirtschaft“ und „Realwirtschaft“ zu kennen (das „analytische Rahmenwerk hat viele falschen Dinge“), gleicht diese Beschäftigung dann der der EZB mit der Genehmigung der Ausgabe des Euro.