Spanische Staatsanleihen profitieren von EZB-Bazooka

Die Zinssätze für kurzfristige spanische Staatsanleihen sind bei der heutigen Auktion stark gesunken. Es herrschte rege Nachfrage. Die EZB hatte angekündigt, den Banken unbegrenzt Liquidität zum Kauf von Staatsanleihen zur Verfügung zu stellen.

Nach den ersten konkreten Verlautbarungen zum Sparprogramm Spaniens schlugen die Zinsen für kurzfristige spanische Staatsanleihen einen deutlichen Weg ein. Die Staatsanleihen mit einer Laufzeit von drei Monaten wurden bei der heutigen Auktion für Zinsen in Höhe von 1,735 Prozent gekauft. Vor rund drei Wochen lagen diese bei 5,11 Prozent. Ähnliches zeigte sich auch bei den sechsmonatigen Anleihen, deren Zinsen von 5,227 Prozent auf 2,435 Prozent fielen. Die Nachfrage war fast drei Mal so hoch wie das Angebot.

Damit zeigt sich erneut, dass die Bazooka der EZB wirkt: Einen Tag, bevor die EZB nun langfristige Kredite von drei Jahren vergibt und angekündigt hat, möglichst unbegrenzte Liquidität zur Verfügung zu stellen, folgen die Banken der offenbar dem unwiderstehlichen Angebot. Sie kaufen vermehrt Staatsanleihen. Das Konzept im Hintergrund: Die EZB gibt Kredite, die Banken kaufen die Schrottpapiere und verkaufen sie anschließend zu besseren Zinsen auf dem Zweitmarkt wieder an die EZB (mehr hier).

Die spanischen Anleihen mit einer Laufzeit von zwei Jahren hatten diesen Trend bereits angekündigt (mehr hier). Der Chef der französischen Notenbank Christian Noyer sprach in einem Interview offenherzig darüber, was der EZB gar nicht gefiel (mehr hier). Schließlich will man bei der EZB nicht wie in die FED in den USA mit dem Gelddrucken hausieren gehen – schließlich ist die EZB unabhängig (je öfter dies gesagt wird, umso unglaubwürdiger ist es – mehr hier). Die Kredite der EZB werden sich am Mittwoch vermutlich ebenfalls großer Beliebtheit erfreuen. Händlern zufolge werden die europäischen Banken am Kredite in Höhe von weit mehr als 250 Milliarden Euro aufnehmen, berichtet Reuters.

Der Vorteil für die europäischen Regierungen: Die Schuldenkrise verliert an Explosivkraft. Wenn die Staaten durch die gezielten Aktionen der EZB wieder in der Lage sind, sich nach und nach zu refinanzieren, fällt es leichter, die Sparmaßnahmen durchzusetzen. Auch der neue spanischen Premierminister Mariano Rajoy hat angekündigt, in Spanien einen radikalen Sparkurs durchzuziehen. Für die Bürger ist diese Entwicklung dagegen weniger erfreulich (mehr hier).
Die Strategie, die die EZB verfolgt, ähnelt dem IWF-Plan der Regierungen (gegen den sich die Bundesbank jedoch noch stemmt – mehr hier). Auch hier werden von den nationalen Zentralbanken Gelder an den IWF abgegeben, damit dieser durch die Hintertür wieder die Euro-Zone unterstützen kann. In dem Fall müssen allerdings auch Spanien und Italien in den IWF einzahlen (mehr hier). Also genau die Länder, die ja gerade aufgrund ihrer Größe nicht allein durch die Euro-Zone gerettet werden können (mehr hier).

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Kommentare

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  1. C-M-C sagt:

    „Feuerkraft…Bazooka…“ Den Martial-Worte-Geschwurbel-Erfinder gehen wohl die Ideen niemals aus?!
    Vorschläge noch von mir:

    – SupermanCatwomanMegaBooster
    – KalaschTomahawkCrawler

    Bischen ent-denglischt:

    – PensionAbsaugApparillo
    – EnteignungsTotalendsiegkanone

    • klimperkasten sagt:

      Haha! 😉 Sehr schön! Angesichts des täglichen Wahnsinns bleibt einem zwar das Lachen meist in der Kehle stecken, aber andererseits kann man sich manchmal nur noch durch Ironie retten.

  2. BleierneLethargie sagt:

    Die Aktion erfüllt mit Sicherheit den Tatbestand der Umgehung. Hoffentlich klagt Prof. Schachtschneider gegen diesen Wahnsinn!
    Für jeden, der meint, dass sich der Zusammenbruch nun nur um ein paar Monate hinauszögert: Nein, vergiss es, es wird nicht passieren. Genau dieses Mittel hält die US-Wirtschaft seit Jahren am Leben. Die Krise ist vorbei, und verbessert hat sich nichts. Die Reformen werden verwässert, da die internen Widerstände in den GIPS zu groß sind. Dafür hat aber Deutschland die DM hergegeben, die bundesbankähnliche EZB verloren und eine stabile Währung nicht zurückgewonnen.
    Das Schlimmste ist aber nicht, dass Geld gedruckt wird und Inflation entstehen könnte. Es wird keine nennenswerte Inflation geben. Aber: Es ist sicher, dass die Südländer durch die Aufkäufe der EZB gewinnen und die Nordländer verlieren. Es ist sicher, dass die deutschen Arbeitnehmer nicht zu den Gewinnern gehören werden. Die PPP der GIPS sind stark gestiegen, die der Deutschen weniger. Der Bevölkerungsanteil in Deutschland, der unter der Armutsgrenze lebt, hat sich von 11% (2001) auf 15,5% (2010) erhöht. In Frankreich, Irland etc. war das nicht so. Wow, haben wir vom Euro profitiert!!!
    Und Merkel lügt uns voll ins Gesicht. Nur das Problem ist, das die SPD in ihrer grenzenlosen Naivität von den Franzosen innerhalb weniger Tage mehrfach über den Tisch gezogen würde.
    Mein Gott, alles wahre Europäer!

  3. Milton sagt:

    Ich kann nur immer wieder das Gleiche sagen:

    Was ist zu erwarten, wenn 5/6 des EZB-Direktoriums aus „Pleitestaaten“ kommt. Natürlich wird das Geld der anderen ausgegeben um sich damit noch ein bischen über Wasser halten zu können. Wie bei Ertrinkenden ist es dabei völlig egal, ob man damit andere unter Wasser drückt. Hauptsache überleben. Gut, das Ganze ist aus deren Sicht ja noch irgendwie zu verstehen und legitim.

    Aber die Nichtexistenz der anderen Perspektive macht Angst. Just in diesen Wochen wird gerade das letzte Schäfchen geschoren, das es noch gibt in Europa. Und in Deutschland findet dieser Hochverrat am deutschen Volk in den Medien überhaupt NICHT statt. Zugegeben, das Thema ist komplex, aber zumindest die Wirtschaftsjournalisten sollten doch mitbekommen, was da gerade läuft. Aber wenn der Arbeitgeber natürlich in der City angesiedelt ist, hält man wohl besser den Mund.

    So schaut Deutschland ungläubig nach Frankfurt, wo das letzte Tafelsilber verschleudert wird. Es ist nicht zu verstehen.

    • Steffen sagt:

      Ist doch schön, dass man endlich eine vernünftige Lösung gefunden hat. Alternativen gibt es auch, aber in Demokratien sind die nicht umsetzbar. Wer den Euro immer noch zum sparen fürs Alter nimmt tickt eh nicht ganz richtig. Verantwortung muss jeder selbst für sich übernehmen und kann sie nicht auf Politik/Andere abschieben.

  4. Gast sagt:

    Den Finanzmärkten ist dies schon bekannt, daß die europäische FED so vorgeht. Dem entsprechend sind solche Meldungen uninteressant für die Märkte. Solange dies gut geht muß sich die europäische FED keine Gedanken machen um Geldstabilität. Ob am Ende die Schulden dann auch wirklich weniger werden wird sich zeigen. Wozu braucht man eigentlich noch EFSF, IWF und ESM wenn es über die Schattenbanken auch funktioniert? Achso, daß sind dann die offiziellen Schattenbanken mit dem von der EZB gedrucktem und von Landesbanken geliehenem Geld.

    Die USA machen sich schon lustig über daß ESM Projekt, welches ja in ähnlicher Form in den USA schon mal gescheitert ist. Wie hieß daß doch gleich ……..

  5. inderpampa sagt:

    Der schiere Wahnsinn. Es bleibt einem nur noch die Spucke weg. Das endet in einer gewaltigen Katastrophe.

  6. Pessimist sagt:

    Das ist alles nur Verschleierungstaktik. In Wirklichkeit geben die Zentralbanken den Banken einfach nur Geld, damit alles noch ein paar Monate so weiterlaufen kann.

  7. khaproperty sagt:

    Das ist (beinahe) lupenreine Monetisierung der Staatshaushalte aller schwächelnden Euro-Südstaaten bis hin zu demnächst Frankreich und Belgien, dann auch Deutschland.
    Das ist kriminell.
    Soweit sind wir nun gekommen mit dem Euro-Schwachsinn von Merkel und Schäuble.
    Jede von denen kriminalisierte Steueroase ist da um Dimensionen besser, ehrlicher und seriöser.

  8. goldhamster sagt:

    Die EZB gibt Kredite, die Banken kaufen die Schrottpapiere und verkaufen sie anschließend zu besseren Zinsen auf dem Zweitmarkt wieder an die EZB.

    Prima dingens. EZB unabhängig. Selbst Ameisen durchschauen das.