Europa: Heimliche Bankenrettung hat begonnen

Die europäischen Regierungen haben neue Konstruktionen entwickelt, um Banken-Crashs zu verhindern. Sie stützen die Banken, ohne dass dies in der Öffentlichkeit bemerkt wird. Besonders einfallsreich sind wieder einmal die Italiener.

Aktuell:
Am Mittwoch kommen die Mega-Kredite der EZB

Italien steht vor der Herausforderung, die eigenen Banken mit Liquidität auszustatten und staatlichen Besitz zu veräußern. Hierfür hat sich die Regierung Einiges einfallen lassen. Italiens Regierung ermuntert die Banken, staatliche Immobilien wie Armee-Baracken oder Bürogebäude zu kaufen. Diese mietet die Regierung später von seinen neuen Besitzern, den Banken, und schafft dadurch für die Kreditinstitute einkommensproduzierende Besitztümer. Der Vorteil: Die Banken können diese als Sicherheit für einen Kredit von der EZB hinterlegen. Die italienische Regierung veräußert dadurch einerseits ungewollte, schwer verkäufliche Immobilien, lässt sich die Immobilien mit Staatsanleihen, die die Banken halten, bezahlen und reduziert gleichzeitig die Staatsschulden.

Fast teutonisch spröde nehmen sich dagegen die deutschen Ansätze aus. Die in Schieflage geratene Commerzbank (mehr hier) muss bis zum Sommer nächsten Jahres eine Kapitallücke von 5,3 Milliarden Euro schließen. Um nicht direkt die Steuergelder für eine komplette Verstaatlichung einzusetzen, arbeiten die deutsche Regierung und die Commerzbank an einem Plan: Ein Teil der risikobehafteten Immobilienfinanzierungsgruppe Eurohypo, die zur Commerzbank gehört, oder auch die gesamte Gruppe soll zu einer Bad Bank im Staatsbesitz werden (mehr hier). Zusätzlich dazu erhält die Regierung Zahlungen als eine Art Anerkennungsgebühr oder einen noch nicht genauer bekannten Schutz vor Verlusten. So kann der Anschein einer Bankenrettung vermieden werden.

In Portugal plant man die zukünftig fällig werdenden Pensionsverbindlichkeiten der Banken in die Bilanzaufstellungen der Regierung zu übernehmen und von den Banken im Gegenzug Anleihen, Aktien oder Bargeld im Wert von sechs Milliarden Euro zu erhalten. Dieses neue Geld wird einerseits genutzt, um die Defizitziele Portugals zu erreichen und andererseits staatlichen Unternehmen, die selbst überschuldet sind, Geld zur Verfügung zu stellen. Damit können diese Unternehmen zumindest teilweise die Schulden gegenüber den portugiesischen Banken begleichen. Dies hilft wiederum den Banken. Anders versucht man es in Spanien. Hier nutzt die Regierung 5,3 Milliarden Euro des Einlagensicherungsfonds, um nationale Kreditgeber wie die Caja de Ahorros del Mediterraneo besser aufzustellen und so den Verkauf dieser an die Banco Sabadell SA abzuwickeln. Der Vorteil: Durch die Nutzung des Einlagensicherungsfonds kann Spanien seine Defizitziele einhalten, da der Einlagensicherungsfonds im nächsten Jahr wieder aufgefüllt wird.

Die neuen Tricks der europäischen Banken sind allerdings wieder nur einer Verzögerung der unwiderruflich notwendigen Bankenrettungen. Zudem ist es eine Verlagerung der Schwierigkeiten auf andere Bereiche, die vor allem auch dazu dienen soll, den Märkten ein gesundes Bankensystem vorzuspielen, um niedrigere Zinssätze zu erreichen. „Die meisten dieser Hintertür-Aktionen scheinen in ihrer Größe sehr beschränkt zu sein und nähern sich nicht dem eigentlichen Problem“, sagt Jacques Cailloux von der Royal Bank of Scotland.

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Kommentare

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  1. goldonomic.com sagt:

    Absolutely correct!

  2. marcus regenberg, Krefeld sagt:

    Auf die Bäume ihr Affen, der Wald wird gefegt !

    ;o)

    Und ein frohes neues Jahr allen guten Menschen hier wünscht Euch,

    marcus regenberg, Krefeld

  3. reiner tiroch sagt:

    Ach wie schön, da lassen Banken und Bankverband treuherzig verkünden sie brauchen kein Geld, wollen kein Geld, legen 251 Mrd bei der EZB an, um plötzlich doch mit 489 Mrd gerettet zu werden, obwohl es nur 100 Mrd sein sollten, dann 200, dann 400 ? nebenbei hört man, dass die FED heimlich eine deutesche Bank gerettet hat? Was ist das für eine verlogene dauerretterei ihr Rettungstrottel?

  4. Colella Giuseppe sagt:

    @ N_K

    warum so weit nach Afghanistan?Auf einem belebten Gemüsemarkt in Teharan mit einer gegrillten Schweinshaxe in der Hand würde reichen und die Herrschaften würden dann als die ersten westlichen Selbstmordattentäter gelten.Upps, Denen würde aber Niemand nachweinen.

    MfG

  5. Konrad sagt:

    @freiheitsfreund:

    „Auch Hartgeld (www.hartgeld.com) schreibt ja nun bereits seit längerem permanent von drohender Inflation und Währungskollaps, genau wie die pdv (www.parteidervernunft.de/der_euro_zerbricht.html) ABER nichts passiert!“

    Also 2011 war schon ein Jahr in dem die ganze Sache an Dynamik gewonnen hat. Wir hatten heuer viele Dinge, die noch nie vorher da waren und die plötzliche Bankenrettung Ende November gab es auch noch nie.

    Wenn man sich die deutsche Hyperinflation in den 20ern ansieht, dann merkt man, dass es langsam anfängt aber immer schneller wird:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Inflation_1914_bis_1923#.C3.9Cbersicht_.C3.BCber_die_Geldentwertung

    Die wirkliche extreme Hyperinflation hat 1923 begonnen.

    Ich denke bei uns ist es ähnlich: Heuer hat die Inflation schon merklich angezogen, war aber noch klein genug um sie unter den Teppich kehren zu können. Die Inflation wird exponentiell wachsen, bis irgendwann die Währungsreform der einzige Ausweg ist.

    Wann das sein wird ist schwer zu sagen, es könnte noch ein paar Jahre dauern.

  6. Konrad sagt:

    Die Lösung ist doch so einfach:

    Die Zentralbank druckt uns aus der Krise – und wir werden alle Milliardäre!

    http://ausserdem.info/2011/Zentralbank-gab-den-Banken-heimlich-16-Billionen

    Frag irgendeinen verblödeten Lottospieler auf der Straße, was sein größter Wunsch ist – bald wird er ihm erfüllt werden.