EZB öffnet das Füllhorn: Banken erhalten Mega-Kredite

Um Geld zu drucken braucht man keine Druckerpresse: Die EZB wird heute, Mittwoch, dreijährige Kredite an Banken mit Schwierigkeiten vergeben. Es wirkt ein wenig wie die Verteilung von Flammenwerfen an Pyromanen.

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Die Bazooka der EZB wird immer größer: Heute, Mittwoch, wird die Banken all jenen Banken Kredite gewähren, die Probleme haben. Die letzte vergleichbare Aktion, im Jargon 3-Jahres-Tender genannt, gab es 2009. Damals betrug das Kreditvolumen 442 Milliarden Euro. Während sich manch ein Beobachter fragt, was eigentlich mit all dem Geld geschehen ist und warum es trotz dieser Geste der EZB zwei Jahre später schon wieder um Leben und Tod geht, erwarten die Analysten diesmal einen noch größeren Ansturm. 300 Milliarden mindestens, vielleicht sogar 500 Milliarden Euro werden in den Finanzsektor gespült, so die Analystenerwartungen. Etliche klamme Staaten haben bereits angekündigt, zugreifen zu wollen – allen voran Italien und Slowenien.

Diese Kredite (sogenannte „longer-term refinancing operations“ oder LTROs) sollen den Banken eigentlich ermöglichen, ihre normalen Geschäfte ordentlich zu finanzieren.

Aber das einzig normale Geschäft ist im Moment der Kampf ums Überleben. Dies betrifft Staaten ebenso wie Banken. Daher werden die Banken – obwohl sie öffentlich das Gegenteil behaupten – auch Staatsanleihen für das Geld kaufen. Die Auktion der Spanier heute gab schon mal einen Vorgeschmack (mehr hier) – selbst die FT staunte nicht schlecht. Und es ist die unbestrittene Intention der EZB, dass dies geschieht (dank Christian Noyer, dem französischen Notenbankpräsidenten, wissen wir das – mehr über die Plaudertasche hier). Und die EZB wird nicht zögern, die Schrottpapiere dann auf dem Sekundärmarkt zu erwerben (Mario Draghi ließ keinen Zweifel aufkommen – hier).

Schon 2009 wurde nach Einschätzung der Deutschen Bank etwa die Hälfte des Kreditvolumens von 442 Milliarden Euro aus der LTRO-Aktion für den Kauf von Staatsanleihen verwendet. Es gibt daher wenig Zweifel, dass es diesmal anders sein wird. Auffällig ist, dass die Politik in fast allen europäischen Staaten ihre Banken mehr oder weniger dezent dazu drängt, die Papiere zu kaufen. Logische Folge: Ein Boom der Kreditausfallversicherungen (CDS – mehr hier).

Die größeren Banken dürften zögern, sich wie gewünscht einzudecken. Hohe Kosten und das Problem von Sicherheit sind technische Faktoren, die dazu führen, dass sich die Begeisterung bei den Großbanken in Grenzen hält.

Vor allem die kleinen Banken brauchen die Schrottpapiere dagegen wie einen Bissen Brot: Sie müssen bei der EZB Sicherheiten deponieren, um an neue Kredite zu kommen. Die FT berichtet von Händlern, die sagten: Viele kleine spanische Banken haben die Staatsanleihen gekauft, um sie als Sicherheiten bei der EZB zu hinterlegen.

Daher wird die Aktion der EZB aller Voraussicht nach weitere Linderung am fragilen Markt der Staatsanleihen bringen. Sie ist aber zugleich als Strohfeuer und Schwelbrand zu sehen: Denn ob die europäischen Staaten die von der EZB geforderten und beim EU-Gipfel vage in Aussicht gestellten radikalen Sparprogramme wirklich umsetzen können, weiß heute niemand. Die Zeitbombe (mehr hier) tickt also weiter, und ab dem Mittwoch etwas schneller.

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Kommentare

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  1. christi sagt:

    Wir werden von der Regierung und allen Politikern doch nur betrogen und belogen.
    Die wirliche Wahrheit erfahren wir nie, damit wir schön ruhig gehalten werden. Das ist unser System und das gilt es zu durchbrechen. Wenn ich dann noch von Frau Merkel,
    das Wort – neue Weltordnung – aus ihrem Munde höre, dann läuft es mir kalt den Rücken runter. Das heisst nichts anderes wie D I K T A T U R. Die Gier nach Geld und Macht wird immer größer. Wir müssen alle aufpassen, das das nicht geschieht. Freiheit und Frieden sind Menschenrechte. Wir werden doch schon lange nicht mehr gefragt, was
    wir eigentlich möchten. Ein gesundes und erfolgreiches 2012 für alle

  2. maya2012 sagt:

    Die „Bankenfeirtage“ werden erst kommen, wenn genügend Kohle an der Spitze der Pyramide angekommen ist, denn dort thronen Jene, die;
    – erstens das Geldsystem besitzen und steuern;
    – zweitens die Kohle, die jetzt wieder von der EZB, der FED und anderen Geldschöpfwerken in den unteren Etagen der Pyramide reingschaufelt wird, über verschiedene Transportbänder oben angekolmmen ist;
    – und mit der dann viertens, die Oligarchen im Geldhimmel alles, was lebensnotwendig ist aufkaufen und in ihr Eigentum überführen !

    Dann, erst dann haben sie Jene, die am Fuße der Pyramide rumkrakseln, also DICH und MICH, so fest im Griff, dass es kein Entrinnen mehr gibt.

    Die Lösung; Die da unten am Fuße der Pyramide, also DU und ICH, müssen genau das Gleiche tun, nämlich alles Geld den Oligarchen entziehen, in Sachwerte anlegen, zusammenschließen und eine eigene Gesellschaft aufbauen.

    Ist zu schwer, zu mühselig, zu unsicher ? Na dann, auf in die „Freiheit“ der modernen Sklaven, Orwell 84 lässt grüßen ! ,

    Mit galaktischen Grüßen

    maya2012

  3. fishman sagt:

    Über Eurobonds kann man sich nicht einigen . Aber hier geschieht doch genau das . Woher Geld kommt ist doch egal. Haften müssen alle Länder dafür mit ihrem wirtschaftlichen Gewicht. Auch die Pleitestaaten. Nur die haben kein Geld mehr. Wer wird also zahlen müssen.? Wer haftet mit echtem Vermögen? Vor dem Wähler wird die Vergemeinschaftung der Schulden abgelehnt. Die EZB ist unabhängig! Wirklich? Wenn man so wollte wie man den Anschein gibt, flöge uns der Laden EURO schon lange um die Ohren. Und die Fiskalunion hätte nicht den Hauch einer Chance. Was besser wäre, bestimmt die Politik, nicht die volkswirtschaftliche Vernunft. Wenn Kredite die Geldmenge ausweiten i s t das Inflation. Die steigenden Preise werden folgen. Und damit auch die Entwertung der Kaufkraft des Geldes. Die ersten Empfänger der Geldschöpfung werden die Gewinner sein. Sie haben die 1. Chance ihr Geld gewinnbringend anzulegen. Den Letzten beißen die Hunde. Erst wenn diese auf die Barrikaden gehen wird der Hebel umgelegt. Schuldenschnitt – und das heißt gleichzeitig Vermögensschnitt – Abwertung aller Geldvermögen. Wie schon so oft! Die sogenannte notwendige Übergangszeit, die wir oder die klammen Staaten und Banken benötigen um wieder gesund zu werden, für diese ist die Zeit verstrichen. Der Point of no return ist überschritten. Ab jetzt gilt: Die Vermögen werden unweigerlich aufgezehrt, Rette sich wer kann! Einziger Trost: Es kann noch eine Weile dauern.

  4. Waltraud Schlimm sagt:

    Jetzt haben die Banken wieder Spielgeld gekriegt,
    jetzt kann wieder ordentlich spekuliert werden. Ich glaube nicht, das die sich mit Staatsanleihen eindecken wie gewünscht. Die Blase wird jetzt richtig groß. Nächstes Jahr müssen wir wieder die Banken „retten“.
    Es ist wie mit der Henne und dem Ei. Die Regierungen dienen den Banken und die Banken den Regierungen.
    Bezahlen müssen wir die Suppe.

    Alles Schmocks

  5. Astrid Matejka-De Jonghe sagt:

    Wulff ist gegen Anleihekäufe der EZB, zB FAZ 24.08.2011
    „Euro-Rettung / Wulff kritisiert Anleihekäufe der EZB
    Wulff mischt sich ein: Der massive Aufkauf von Anleihen durch die EZB sei rechtlich bedenklich…“.
    Das steht auch in der Bogenberger Erklärung S.3