Spanien: Ex-Lehman Banker wird Wirtschaftsminister

Die europäische Politik begibt sich immer mehr in die Hände der Investmentbanker. In Spanien übernimmt nun ein ehemaliger Top-Manager der Pleite-Bank Lehman Brothers das Wirtschaftsministerium.

Die europäische Politik wird zum attraktiven Betätigungsfeld für ehemalige Investment-Banker. In Spanien wurde das Kabinett von Mariano Rajoy angelobt. Als Wirtschaftsminister wird Luis de Guindos, der ehemalige Spanien-Chef von Lehman Brothers, als Kontrolleur über die Sparprogramme tätig werden. Guindos hatte schon unter dem früheren Premier José Maria Aznar gedient. In der neuen Regierung wurde das Ministerium neu zugeschnitten: Guindos soll sich um die Wirtschaftspolitik, also im besonderen um die Sparprogramme kümmern. Cristóbal Montoro, ein politischer Veteran, wird sich um die Finanzpolitik kümmern. Es ist unzweifelhaft, dass Guindos die wirtschaftspolitische Nummer 1 der neuen Regierung ist. Er wird in der Presseerklärung von Rajoy ausdrücklich als Schlüselbesetzung bezeichnet. Medienberichten zufolge hat Guindos den neuen Premier in die Geheimnisse des Wirtschaftslebens eingeführt.

Damit setzt sich fort, was in Griechenland seinen Anfang genommen hat: Premier Papademos war früher Zentralbankchef. In Italien regiert – ohne gewählt zu sein – Mario Monti von Goldman Sachs. In den USA war Hank Paulson, vorher Goldman, als Finanzminister zuständig für die milliardenschwere Bankenrettung. Gleichzeitig schlitterte Amerika in die nächste Wirtschaftskrise (mehr hier).

Das Problem der Investmentbanker: Sie haben in der Regel nicht die geringste Ahnung von der Realwirtschaft. So hat Goldman in den USA erst kürzlich als Berater der Solarfirma Solyndra zwar geholfen, Fördergelder und Investoren zu gewinnen. Die Marktlage haben die Banker jedoch komplett falsch eingeschätzt. Daher kam es zur einer Mega-Pleite, bei der auch Präsident Barack Obama keine glückliche Rolle spielte. Zum Zeitpunkt der Pleite hatte sich Goldman freilich längst aus dem Staub gemacht.

Dass Senor de Guindos bei der Skandalbank Lehman war, kann man ihm nicht zum Vorwurf machen. Allerdings: Das einzige Geschäft, das die Investmentbanker wirklich verstehen, ist jenes der virtuellen Geldschöpfung in geschlossenen Gesellschaften. Externe Faktoren spielen in ihrem Konzept nur die Rollen von „leverage“ und „collateral“. Auf Deutsch: Sie wissen, wie man vorhandene Werte dazu verwendet, sie abstrakt so zu multiplizieren, dass andere dafür zahlen. Obwohl der Name es nahelegen würde: Kaum jemals verwendet eine Investmentbank ihr eigenes Geld für ein Investment. Und sie wissen, wie man Realwerte als Pfand für besonders riskante Wetten hinterlegt. Auch als Pfand verwenden sie am liebsten Wertgegenstände von anderen.

Die Leverage für die nun in Europa nach dem Ruder greifenden Banker ist fantastisch. Denn mit den Staaten kaufen die Investmentbanker gleich die Bank (EZB – wo mit Mario Draghi praktischerweise auch ein Goldman-Manager sitzt – mehr hier) mit. Das Collateral sind jedoch die Völker Europas. Sie werden, wie jetzt in Spanien, von vollständig überforderten Politikern an die Investmentbanker übergeben. Man hat ihnen intensiv eingeredet, dass das System alternativlos sei. Das nennt man dann im Jargon der Investmentbanker eine sichere Wette.

Kommentare

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  1. Olaf sagt:

    Interessant oder?

  2. Grauber sagt:

    Ui, wie kommts ?

    Dieser Artikel ist sehr mutig, da er nicht aus dem newsticker der Rockefeller kontrollierten „presse-tituierten“ stammt.

    Vielen Dank DMN – für den Mut zur Wahrheit.

  3. Marcus sagt:

    Agenda 21 ick hör dir tapsen.

  4. mueller sagt:

    liebe deutsche mittelstandsnachrichten
    ich liebe euch! vielen herzulichen dank für diesen und viele andere klartext-artikel, super, spitze, famos!!!
    lasst euch bloss nicht aufkaufen und mundtot machen, ich wäre ziemlich aufgeschmissen ohne euch.
    und dies von einer schweizerin ;)!

  5. Gauber sagt:

    “ First we take Manhattan – than we take Berlin “

    Die Kapitulation der Politik Europas vor dem Welt-Kapital beschert der Bevölkerung Europas undemokratische Verhältnisse.

    Es war ein gravierender Fehler der Demokratie, “ interne Wettschulden “ der Banken zu bezahlen – der Ertrinkende zieht nun den Retter in die Tiefe.

    Wenn die Politik nicht korrigiert, sind Dinge denkbar, die an Europa um 1930 erinnern.