Investoren nervös: Von Hyperinflation bis Deflation alles möglich

Jeffrey Gundlach von Doubleline bereitet seine Investoren auf alle Extreme vor: Es kann eine Hyperinflation geben, es kann auch zur Deflation kommen. Eine kontrollierte Lösung werde es nicht geben, weil der Geist nicht wieder in die Flasche zurück kann.

Der Chef der Investmentfirma Doubleline, Jeffrey Gundlach, schätzt die Lage auf den Märkten als äußerst gefährlich ein. Die Probleme in der Euro-Zone und jene der USA hätten die Weltwirtschaft an den Rand des Zusammenbruchs gebracht. Beide Regionen stünden vor einer Eskalation in der Schuldenfrage.

Wie sich das Drama weiter entwickle sei vollkommen unklar: „Deswegen bereiten wir unsere Investoren auf alle Extremfälle vor. Es kann zu einer Hyperinflation kommen, es kann zu einer Deflation kommen.“ In beiden Fällen würde es zu erheblichen Verlusten sowohl für die Anleger als auch für die Realwirtschaft kommen.

Die Muster ähneln einander, meint Gundlach einem FT-Bericht zufolge. Die Spannung zwischen Deutschland und den Peripherieländern der Euro-Zone und die Spannung zwischen dem „einem Prozent“ wirklich reicher Amerikaner und „der amerikanischen Mittelschicht sind nur verschiedene Manifestationen desselben Problem: die Lösung der Schuldenproblematik“. Deutschland, so Gundlach, ernte noch die Früchte in Form der niedrigen Zinsraten und der zehn Jahre andauernden Nachfrage aus den Peripherieländern. Und die reichen Amerikaner profitierten noch „von dem um 99 Prozent angestiegenen Konsum, der durch Schulden finanziert wurde“.

Mit Blick auf die Krise in der Euro-Zone ist sich Jeffrey Gundlach sicher, dass die Schaffung des Euros „überraschender Weise nicht der Beginn einer Ära, sondern das Ende einer Ära“ war. Die Eurozone „war das heroischste Beispiel einer Kooperation, aber eine Kooperation auf dem Papier und als Lippenbekenntnis“. Schließlich hätten die Länder in der Euro-Zone gleich nach dem Start die „fiskalischen Anforderungen ihres eigenen Vertrages“ verletzt, so Gundlach. So sind das europäische Bankensystem und der immense Schuldenberg die „Zwillingstürme des Risikos“.

Über die großen Haushaltsdefizite und die Versprechen von Pensionen und medizinischer Versorgung kommt Gundlach zu keinem besseren Ergebnis. „Jeder will es und niemand will dafür zahlen“, aber „Kapitalismus ohne Bankrott ist wie das Christentum ohne Hölle“. In beiden Regionen wäre entweder eine Abschreibung der Schulden oder eine „Monetarisierung durch höhere Inflation nötig“, sagt Gundlach.

Dass die Krise einfach verschwindet ist für ihn keine Option mehr. „Die Leute suchen weiter nach einer Lösung, die es nicht geben kann: Dass der Geist wieder zurück in die Flasche geht.“ Seiner Meinung nach war das 1995, „als wir ein moderates Wirtschaftswachstum, eine geringe Inflation“, eine stabile Steuerpolitik und „Menschen, die über die Runden kamen“, noch möglich – heute jedoch nicht mehr.

Es gäbe noch einen Unterschied zwischen 2008 und heute. „2008 war das Problem ein privatwirtschaftliches Problem“, heute sei es ein Problem, das auf den „Regierungen und der öffentlichen Wirtschaft basiert“. Der „Punkt, der so problematisch ist“, so Gundlach, ist, „dass die Politiker uns nicht die Wahrheit sagen.

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Kommentare

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  1. B-Schmitt sagt:

    Von Hyperinflation bis Deflation alles möglich: Na ja, dann haben diese Leute am Ende das was ges¨n

  2. Mitdenker sagt:

    Aha, der Geist kann also nicht wieder in die Flasche zurück.
    Oder anders ausgedrückt: Pandoras Büchse steht offen.

    Man könnte zwar die Büchse wieder schliessen, doch das Unheil ist ja schon heraus.
    Nur die Gemeinschaftskraft aller Rechtgläubigen kann es noch bezwingen!
    (siehe hier: http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2011/12/33830/#comment-4678)

  3. khaproperty sagt:

    – Letztlich ist das aktuelle Desaster die Folge der Verstaatlichung der aus der Krise 2008 resultierenden privatwirtschaftlichen Risiken.
    Die allgemein verbreitete sozialdemokratisch-verantwortungsscheu kultivierte Furcht vor all den für jene unverständlichen Begleiterscheinungen sich logisch realisierender Risiken führte die prekär orientierten Politiker dazu, den Steuerzahler für alles bluten zu lassen, was irgendwie schief gegangen sein könnte.
    Die Folgen haben nun alle auszubaden, denn es gibt eben doch nichts geschenkt. There is no free lunch.

    – Hinzu kommt die in Europa dilettantisch und komplett falsch aufgezäumte Währungsunion, deren Euro nur noch durch weiteres Ausbluten der Steuerzahler halbwegs am Leben gehalten wird.

    Zwei Katastrophen, welche zeitlich weitgehend zusammen fallen und eine Rettung für jeden nüchternen Betrachter definitiv ausschließen – in EU, USA und global.

  4. so-ist-es sagt:

    „Nichts ist unmöglich“ meinete schon toyota.

    bei den eu-wahnsinnigen ist alles möglich.

  5. tomorrow sagt:

    Solange sich die Eliten mit sich selbst beschäftigen, ist die Einflussnahme der Menschen schwer möglich, weil viele nicht ahnen, worum es wirklich geht; Gegenstimmen werden im Keim erstickt.
    Später wird die Propaganda forciert und Unwahrheiten in die Welt gesetzt, bis zur Geschichtsänderung in Schulbüchern.
    Mit der Gleichschaltung der Massenmedien, beginnt der finale Lauf, die jungen Generationen zu konditionieren, um sie auf Linie zu bringen und zu halten.
    Das ist nicht viel anders, als im Mittelalter, als noch die Herolde ihrer Funktion der
    (Des)-Information nach kamen.

    Heute haben wir Internetverbindung. Aber trotzdem sind viele nicht in der Lage, den richtigen Entscheidungen zu folgen. Dazu braucht man nur sein Smart-Phone befragen. Jeder erhält auf Fragen, sofort eine vorgefertigte Meinung.
    Die unkontrollierte und kritiklose Nutzung dieser Medien erschaffen eine Informationssystematik, der sich kaum jemand entziehen kann.
    Wenn man den wahren Begebenheiten und seiner Intuition folgt, ändert sich in kurzer Zeit das gesamte Grunddenken. Jeder hält und erhält letztlich seine Persönlichkeit.
    Besser ist Persönlichkeit zu gewinnen, denn zu verlieren.

    Den destruktiven Einfluss von außen zu hinterfragen und sich nach Möglichkeit positive Gedanken und Handlungsweisen an zu gewöhnen, ergibt sich dann von selbst. Das geht. Man muss nur nach dem Guten, schönen, wahren streben.
    Alleine der Versuch ist es wert. Frohes Fest!

  6. Papperlapapp sagt:

    Zitat: Der „Punkt, der so problematisch ist“, so Gundlach, ist, „dass die Politiker uns nicht die Wahrheit sagen.

    So ein Schwachsinn, mal ehrlich. Ich kann sowas bald nicht mehr hören oder lesen. Jeder, der wissen will, was auf uns zukommt, kann sich schlau machen. Es sind billige Ausreden wie damals „nach dem Zusammenbruch“: wir haben von dem allen nicht gewusst!

    Pah!

    Und zu der Wahrheit gehört auch, dass jeder Politiker, der ehrlich zugibt, dass die Altersvorsorge futsch ist, der Gürtel massiv enger geschnallt werden muss, rasch weg vom Fenster ist. Und zwar, weil WIR ihn abwählen, weil WIR das nicht hören wollen. Niemand will die Wahrheit hören, auch ich nicht! Alle hoffen, dass es für sie persönlich „noch reichen wird“. DAS ist die Wahrheit. WIR sind am A… und wer ehrlich mit sich selbst ist, weiss das auch. Der Rest ist Heuchelei.

    Ich brauche keinen Politiker, der mich aufklärt.

    • ivan sagt:

      Es ist dem Menschen zu eigen ,der nach höherem strebt ,sich um seinen Verstand zu bedienen um der Wahrheit zu dienen um damit zur grösstmöglichen Freiheit zu gelangen.

      • Amadeo sagt:

        Als wär´s mir aus der Seele gesprochen.

        Danke, Ivan!

        Besinnliche Weihnachten und ein frohes neues Jahr!

      • cashca sagt:

        @ivan Es ist dem Menschen zu eigen ,der nach höherem strebt ……….
        ———
        Der Mensch strebt seit langer Zeit nur noch nach höheren Gewinnen , höheren Einfluss , Macht und Geld.
        Er strebt nicht nach höherem Verstand und größerer Weisheit und Erkenntnis..
        Jedenfalls ist es derzeit nicht erkennbar.
        Das wurde der Menschheit -gerade im letzten Jahrhzehnt – zum Verhängnis.
        Der Geist aus der Flasche ist raus, da gibt es kein Zurück.Es ist egal, ob das jemand wahr haben will oder nicht, da liegt eine Eigendynamik zugrunde, die kann mit normalen Mitteln keiner mehr stoppen.

        @Papperlapapp
        zitat: problematisch ist“, so Gundlach, ist, „dass die Politiker uns nicht die Wahrheit sagen.—
        —–
        So ist es, aber das ist auch gar nicht mehr von Bedeutung.
        1. wissen wir alle – jedenfalls diejenigen, die zugehört haben–längst Bescheid, egal wie sie lügen, intertessiert eigentlich nicht mehr….
        2. ist die Lage soweit eskaliert, dass es ohnehin nur noch im Total-Desaster enden kann.
        Der Endpunkt-wird wie Phönix aus der Asche aufsteigen- auf uns zukommen- plötzlich ist er da–das war es dann..
        Dann beginnt eine neue Spielrunde- Dauer wieder eine Generation-70-80 Jahre- wenn es unter gleichen Regeln stattfindet.

  7. Siggi40.de sagt:

    Nicht ein Entweder/Oder, sondern ein „Beides zusammen“ wird uns beschert. Erst Rezession, dann Deflation in Verbindung mit einer Ketschup-Hyperinflation.
    Nur ein Reset im Finanzsystem und einem Trennbankensystem ermöglicht den westl. Ind.staaten einen Neuanfang bei NULL, und nicht bei MINUS 10, also mit der gigantischen Schuldenlawine, die jeden Keim eines wirtschaftlichen Aufschwungs bereits im Keim erstickt.
    In den letzten 20 Jahren hat sich die Weltverschuldung von 18 Bio. $ auf über 96 Bio. $ vervierfacht. In den letzten 3 Jahren hat die EZB ca. 340 Mrd. und die DBB nochmals ca. 200 Mrd. € an die Zentralbanken der PIIG(F)S überwiesen, damit die unsere Exportrechnungen bezahlen können. Jetzt müssen wir unsere Kredite auch noch selbst zurückzahlen. Mathematisch gesehen haben wir fast alles verschenkt. Das war unser erträumter Aufschwung – eine Fata-Morgana!
    Seit Beendigung der Kreditorgie anno 2007 haben fast alle westl. Ind.staaten kein Geschäftsmodell mehr, adäquat zu unseren Landesbankstern. Wir sehen erst einen Bruchteil der Krise, weil die Krise selbst nicht bekämpft wird, sondern nur die Symptome behandelt, das Armageddon mit immer mehr Milliarden und Billionen hinausgeschoben wird. Und da muss man ja wirklich kein Genie sein, um festzustellen, wohin das führt.
    Nach dem unvermeidlichen Zusammenbruch des Finanzsystems hätten wir ein Jahrzehntelanges Siechtum, mit entsprechenden Auswirkungen auf die Arbeitslosigkeit, Kriminalität und innere Unruhen.
    Nur ein Reset im Finanzsystem würde die Zeit nach dem Armageddon auf ein paar Jahre reduzieren, wo wie wieder einen Wohlstand erreichen könnten, der vielleicht 50% des heutigen entspricht. In Anbetracht der gesättigten Märkte und einer alternden Gesellschaft wäre dies immer noch eine akzeptable Lösung, mit der wir alle leben könnten.

    • exkoelner sagt:

      @Siggi40.de

      Ziemlich genauso sehe ich das auch. Habe neulich mal in wikipedia den artikel über teddy roosevelts „the new deal“ aus den 30er jahren gelesen. die vorgeschichte, der schwarze freitag und alles was danach passierte, liest sich wie ne gegenwartsbeschreibung von heute. nach dem börsencrash von damals haben die staaten versucht ihre staatshaushalte durch sparen in ordnung zu bringen, was dann logischerweise zu massenarbeitslosigkeit führte, amerikanische farmer verloren ihre seit generationen in familienbesitz befindliche farmen, enteignet von den banken, so wurde dort nix mehr produziert und obdachlose enteignete wanderten zu millionen durchs „wunderland des kapitalismus“ – enttäuscht von dem amercan dream, vorher undenkbar, haben dann doch so viele amis den weg zur wahlurne gefunden, die teddy ihre stimme gaben und es gab den new deal. nur kleine auszüge daraus: „öffentliche beschäftigungsprogramme (so enstand der hoover-staudamm) zur eindämmung der arbeitslosigkeit, bis 80% Steuern für Einkommensmillionäre (damals und auch heute wieder wahlweise mal als „kommunismus“ oder „faschismus“ beklagt von den betroffenen millionären), banken abgewickelt, etc.“ und druckten dann geld um das alles zu bezahlen.

      dieses problem war damals weltweit, und die nazis in deutschland wählten den weg des krieges, denn die wirtschaftliche ausgangsvoraussetzung war die selbe. die überfielen die nachbarn und versilberten die beute, um diesen krieg zu bezahlen.

      als dann ganz europa am ende des 2. weltkriegs darnieder lag, hätten die amis den morgentau-plan befolgen können, reparationen, schulden, enteignungen und der ganze blödsinn wäre wieder von vorne losgegangen und wenige jahre später hätte es den 3. gegeben – haben sie aber nicht, sondern entwarfen den marshall-plan.

      man verzichtete auf horrende reperationszahlungen, half westeuropa industriell auf die beine, reformierte währungen, lasten-ausgleichsgesetz mit teilenteignungen von immobilienbesitzern, belies die steuern für vermögende relativ hoch und führte so das „wirtschaftswunder“ nicht nur in westdeutschland ein. dieser reset führte zur verbreiterung des mittelstandes eurasienweit und stablisierte politisch-wirtschaftlich den westlichen teil der welt für jahrzehnte … bis maggy thatcher und ronald reagan beraten durch „andere Lobbyisten“ das wieder änderten in den 80ern. Die Folgen haben wir fast 1 zu 1 heute.

      Teddy Roosevelt war auch derjenige der diesen geschichtsträchtigen Spruch mit der Warnung vor dem „Rüstungs-Industriellen Komplex“ von sich gab … dazu fällt mir spontan der „war against terrorism“ ein (Irakkrieg I + II, Hallyberry, Heckler & Koch, Krauss-Maffay, etc.)

      Und somit ist es für mich logisch, das wir heute wieder da stehen wo wir schon mal standen, unlogisch für mich bleibt warum die 5 bis 18 Leute die noch Geschichtsbücher lesen, nicht lauter in der Gesellschaft gehört werden, bzw. sich deutlicher zu Wort melden … wenn Einigkeit darüber herrscht, das man Krieg oder Hyperinflation als Regulativ des turnusmässigen Zusammenbruchs des mittelalterlichen Zins-und-Zinsessystems, der kreditbasierten Geldschöpfung nicht mehr will, warum bisher nicht durch vernünftige Absprache ganz einfach dem Einhalt geboten werden kann, durch eine mit allen beteiligten abgesprochene Reform der Weltwährungen – denn Krieg oder Hyperinflation um das zu regeln, was nunmal geregelt werden muß ist Mittelalter … ich will endlich raus aus dem Mittelalter!

      Warum spricht man darüber nicht mehr?

      Lieben Gruß!