Studie: Euro-Krise wird Schweiz 2012 voll treffen

Eine Studie zeigt: Das Jahr 2012 wird für die Schweiz ein Krisenjahr. Unternehmen, die nicht auf den Export setzen, werden besonders betroffen sein. Einzig die Textil-Industrie dürfte verschont bleiben.

Die Auswirkungen der schlechten wirtschaftlichen Entwicklung in Europa und der starke Franken wirken sich zunehmend auch auf Unternehmen aus, die selbst nicht direkt exportieren. Zulieferer und Transportunternehmen leiden unter den schlechten Bedingungen für ihre Kunden. Sie haben ein erhöhtes Risiko, Konkurs anmelden zu müssen. Das hat das Wirtschaftsprüfungs-Unternehmen Dun & Bradstreet (D&B) herausgefunden.

Unternehmen der Logistik-Branche haben ein 50 Prozent höheres Risiko in Konkurs zu gehen, als durchschnittliche Unternehmen. „Wir haben uns das Verhältnis der Insolvenzen von Januar bis November dieses Jahres zum Bestand an Unternehmen in dieser Branche angesehen“, beschreibt Christian Wanner von D&B im Gespräch mit den Schweizer Mittelstands Nachrichten die Vorgehensweise. Dabei fällt auf, dass einige Branchen ein extrem erhöhtes Risiko haben, zahlungsunfähig zu werden.

Noch stärker gefährdet als Transportunternehmen sind Handwerker und das Baugewerbe. Im laufenden Jahr gingen bereits 560 Handwerksbetriebe in Konkurs. Mit einem durchschnittlich fast zweieinhalb Mal größeren Risiko Konkurs zu erleiden, ist die Gastronomie die gefährdetste Branche. Hier waren es sogar 578 Betriebe, die dieses Jahr in Konkurs gingen.

Lange war auch die Textilbranche ein gefährdeter Wirtschaftsbereich. Die Umstrukturierungen der vergangen Jahre dürfte sich aber bezahlt gemacht haben: Bei der aktuellen D&B Untersuchung, wiesen sie das geringste Risiko auf, in Konkurs zu gehen.

In den vergangenen elf Monaten wurden in der Schweiz rund 5.900 Konkursverfahren eröffnet. Knapp 4.000 davon wurden durch Zahlungsunfähigkeit verursacht. Das ist ein Spitzenwert, der nur in den Krisenjahren zwischen 2003 und 2005 übertroffen wurde. Alleine im November wurden 444 Unternehmen zahlungsunfähig. Das entspricht einem Plus von zwölf Prozent im Vergleich zum November des vergangenen Jahres. Über das Jahr gesehen gab es um drei Prozent mehr zahlungsunfähige Unternehmen.

Zwischen den Region gab es deutliche Unterschiede bei der Entwicklung der Insolvenzen. Die Genferseeregion war das einzige Gebiet, in dem weniger Zahlungsunfähigkeit zu beklagen waren. Hier ging die Zahl der Insolvenzen um vier Prozent zurück. Im Tessin hingegen nahmen sie um ganze zwölf Prozent zu.

D&B geht davon aus, dass die Zahl der Konkurse im kommenden Jahr noch steigen wird. Grund dafür ist die Krise in der Eurozone und der – im Vergleich zum Franken – schwache Euro. Die Reserven der Betriebe neigen sich dem Ende zu und eine Lösung der Eurokrise ist bisher nicht in Aussicht.

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Kommentare

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  1. Durchblicker sagt:

    Würde jedes Land seiner Binnennachfrage nachkommen und weniger exportieren, dann wäre die Abhängikeit einer Währungsschwankung gering, was eine Erpressung wie es jetzt die EU-Bankster tun stark unterbinden könnte. Viele Exportartikel werden von dem Steuerzahler subvensioniert, d.h. manche Waren sind im Ausland oft billiger wie im Produkionsland. Darum steht die Frage im Raum :wem nützt es? (qui bono) Ein starker Franken ist den Eurkraten mit ihrer Totwährung ein Dorn im Auge. Für die Schweizer gilt nur die Parole “ Durchhalten“ bis der Euro tot ist. Der schweizer Franken hat schon mehere Währungen überlebt und er überlebt auch denEuro.

  2. Samwell sagt:

    Mal ehrlich. Die Baubranche war und ist zur zeit das am besten Laufende. Ich kenne einige, die ihr Haus Renovieren oder Bestandteile ersetzen müssen. Was die derzeit für Wartezeiten haben, ist schon fast surrealistisch. Ich kenne einen Gerüstbauer, der immer mehr Aufträge ablehnen muss weil auch er überlastet ist.

    Ich glaube ja, die Konkurse in dem Bereich stammen von Neugründungen, die zu wenig Erfahrungen im Kosten Management haben oder sich zu sehr von leicht verdientem Geld blenden haben lassen.

  3. Chris sagt:

    Das Beispiel Franken ist ein gutes, um zu veranschaulichen welche Vorteile ein großer und starker Währungsraum hat. Die Externalitäten des Euro sind beachtlich. Leider haben die deutschen und französichen Politiker mit dem Aufweichen des Stabilitätspaktes das Fundament und damit das ganze Gebäude des Euro zerstört.

    • nemoX sagt:

      Wo hat der Euro denn bitte ein Fundament gehabt?
      Das ist nur Papier, Schuldgeld, durch nichts gedeckt, in einem Zins und Zinseszins System, der mehreren Ländern unterschiedlicher Wirtschaftlicher Stärke und unterschiedlicher Gesetze übergestülpt wurde. Es war von vornherein klar, das es so ausgehen muss….
      Der Franken war da noch relativ stabil und Gewann gegenüber dem Euro immer mehr an Wert – aus dem Grund haben die Schweizer den Franken an den Euro gekoppelt, jetzt macht der die selbe Talfahrt mit

      • Meinungsfreiheit sagt:

        Ja, die Bindung des CHF an den Euro war ein großer Fehler. Denn der Euro hat einen Systemfehler, den die Euro-Fanatiker durch Verordnungen und Regeln beseitigen wollen. Dies wird nicht gelingen, da über den Euro die Schwachen und die Starken an einander gekettet sind, und der freie Kräfteausgleich über eine Währung nicht möglich ist.

        Es wird irgendwann knallen, darauf kann man wetten. Es ist nur die Frage: wie viel dann kaputt ist. Die Schweiz hat immerhin noch die Möglichkeit sich rechtzeitig aus der Fesselung mit dem Euro zu trennen.