Russland fürchtet Inflation

Während sich die ersten Investoren aufgrund der zunehmend unruhigen, politischen Lage bereits aus Russland zurückziehen, wächst in Russland die Sorge vor geldpolitischen Verwerfungen. Trotz leicht sinkender Inflation hat Russland seinen Zinssatz für die Refinanzierungsgeschäfte gesenkt

Das derzeit von Protesten und Unruhen bestimmte Russland bewegte vergangene Woche ausländische Investoren dazu, russische Anleihen im Wert von 36 Millionen Dollar abzustoßen (mehr hier). Nun steigt die Angst der Zentralbank vor einer Inflation. Russland hat unerwartet den Zinssatz für die Refinanzierungsgeschäfte von 8,25 Prozent auf 8 Prozent gesenkt und hob gleichzeitig den Zinssatz für Einlagen mit einer täglichen Fälligkeit (overnight deposit) an. Viele Experten rechneten, wenn überhaupt, erst im nächsten Quartal mit einer solchen Maßnahme.

Trotzdem sich die Inflationsrate von 6,8 Prozent im November auf 6,4 Prozent im Dezember verringerte, rechnet die russische Zentralbank mit einer nicht abgewendeten Inflationsgefahr: „Die Entscheidung gründet auf der Erwartung eines Inflationsrisikos und Risiken für die Stabilität des wirtschaftlichen Wachstums.“ Auch die Kapitalflucht macht dem Land zu schaffen. Der Netto-Kapitalabfluss in den ersten elf Monaten des Jahres 2011 betrug 74 Milliarden Dollar. Allein im dritten Quartal waren es 12,3 Milliarden Dollar, die von Privatkonten durch Transaktionen über Ländergrenzen hinweg gebracht wurden, gibt die russische Zentralbank an. Präsident Medwedew warnte ebenfalls am Donnerstag davor, dass eine globale Depression mehrere Jahre anhalten könnte und von Russland erfordere, die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu verbessern.

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