Italien: Staatsanleihen schon wieder mit Horror-Zinsen

Die massive Kreditschwemme der EZB hat nichts genutzt: Die Zinsen für italienische Staatsanleihen stiegen am Freitag wieder auf 7%. Nun erwarten die Märkte, dass Mario Monti harte strukturelle Maßnahmen rasch durchsetzen muss.

Aktuell:
Banken testen Systeme für alte europäische Währungen

Obwohl italienische Banken am Mittwoch Kredite in der Höhe von 40 Milliarden Euro bei der Europäischen Zentralbank (EZB) aufgenommen haben, stiegen die 10jährigen italienischen Staatsanleihen am Freitag zeitweise wieder auf 7%. Damit scheint die Wirkung der Weihnachtsaktion der EZB schon nach wenigen Tagen verpufft zu sein (mehr zum großen Gelddrucken – hier).

Damit wird immer deutlicher, dass Italien mit Sparhaushalten allein nicht durchkommen wird. Stephen Lewis von Monument Securities in London sagte dem Nachrichtendienst Bloomberg: „Die Strukturreformen werden von den Märkten als wichtiger angesehen als die Haushalte. Weil diese Reformen die Interessen von einzelnen Gruppen unmittelbar betreffen, wird sich Monti starkem Widerstand gegenüber sehen. Dies wird vielleicht zu Protesten auf der Straße führen, ganz sicher aber von den politischen Vertreter der Interessensgruppen.“ Monti wird nun mit größerem Druck versuchen, die Rentenreform umzusetzen und die Steuern zu erhöhen. Damit wird sich natürlich die Rezession in Italien verschärfen.

Manche Investoren finden es gar nicht schlecht, dass die Zinsen wieder steigen. Nicola Marinelli, Fondmanager bei Glendevon King Asset Management, sagte: „Je stärker die Zinsen steigen, desto höher ist der Druck, den Monti auf die Parteien ausüben kann. Die Aussicht auf einen gescheiterte Auktion engt deren Spielraum erheblich ein.“

Monti selbst appellierte an die Italiener, Staatsanleihen zu kaufen. Italien müsse der Welt beweisen, dass es an sich glaube.

Auf dem Umweg des europäischen Finanzsystems Target 2 sind das natürlich auch keine guten Nachrichten für die deutsche Bundesbank: Beobachter schätzen, dass Italien nun bereits mit 1 Billion Euro bei Deutschland in der Kreide steht (mehr zu dem System – hier).

Kommentare

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  1. Widerspruchsgeist sagt:

    Was ich nicht ganz verstehe: das vielgerühmter Experiment von Wörgl basierte auf einem „Schwundgeld“, das man sofort ausgeben sollte: diesem Zustand nähert sich auch der € zunehmend an, da seine Werterhaltungseigenschaft immer fraglicher wird. Also müssten eigentlich alle ziemlich zufrieden sein.

  2. für meine kinder sagt:

    http://www.youtube.com/watch?v=j4794RjAWLQ&feature=player_embedded

    ein sehr interessanter Vortrag über Regionalgeld. Empfehlenswert.

    Grüsse an alle und frohe weihnachten.

  3. isoldekron sagt:

    die italiener werden sich nicht dem spardiktat unterwerfen, sie werden den euro fliegen lassen und murksel ist mitsamt der deutschen wirtschaft am a….

  4. Colella Giuseppe sagt:

    Es gibt auch neuerdings von der ital.INPS(ital.statl.Rentenversicherung) Bons bei der ital Post zu kaufen damit allein nur darf ein Flüchtling bezahlt werden,für seine Dienste.Die Inps hat sich anscheinend selbst das Gelddrucken erlaubt.

    Mfg

    p.s. sollte ein paar kaufen,steigen vielleicht bald im wert?

  5. G.N. sagt:

    >Beobachter schätzen, dass Italien nun bereits mit 2 Billionen Euro bei Deutschland in der Kreide steht.<
    Hab ich mich da verlesen? Ist nicht unsere eigene Verschuldung gerade bei knapp 2,5 Billionen Euro angekommen?
    Was soll das werden?
    Hinzu kommen die Milliardengarantien des EFSF und demnächst des ESM für verschuldete Euro-Staaten? Was ist das für ein dreckiges Spiel unserer Bangster und Politiker?

  6. andy sagt:

    Kennt jemand funktionierende Regionalgeldkreisläufe mit Vorbildfunktion?
    Das würde einen Anstoß zur Aktivität geben 😉

    …falls das bunte €-Papier (Schon gesehen das da keine Definition drauf steht? Geld… Currrency… Banknote… etc. …) problematisch wird könnte das vielleicht ein echtes Rettungsnetz sein!?

    Danke!

    • redakteur sagt:

      Es gibt das Rheingold oder den Chiemgauer. Beide Modelle versuchen, in regionalen Zusammenschlüssen mit unabhängigen Zahlungsmitteln zu experimentieren. Wir werden darüber demnächst berichten. Die Redaktion

      • andy sagt:

        …danke vielmals, wäre spannend den Sinn der „Umlaufsicherung“ dort auch genauer nachvolziehen zu können.

        MfG

        • andy sagt:

          nachvollziehen

          • Andi sagt:

            Googelt mal Alpenparlament TV und den Beitrag über Neudeutschland.Das geht noch viel weiter als eine Komplemäntärwährung, Frohes Fest an alle

      • Sennebueb sagt:

        Die Schweiz kennt seit Jahrzehnten das gut funktionierende WIR-Zahlungssystem.

      • N_K sagt:

        “ 24.12.11 um 01:24 redakteur sagt: Es gibt das Rheingold oder den Chiemgauer.“

        Das wäre zu begrüßen, – ABER:

        – Bleibt es weitgehend geheim, kann es in einem / für einen ganz kleinen Kreis sicher funktionieren. Die Nichtinformierten hätten halt das Nachsehen.
        – Bleibt es nicht geheim, könnte es für kurze Zeit auch in einem / für einen größeren Kreis funktionieren, würde aber
        – sofort unter einer geballten Ladung fauler Eier aus Brüssel begraben. Und selbst unsere „Heilige Dreifaltigkeit“ (Präsident, Kanzler/in, Finanzminister) würde vermutlich noch Schippen helfen.

      • Mister10K sagt:

        …es gibt auch den Wiesloch Taler… eine Zusammenkunft aus mindestens 20 Geschäften bis jetzt… 😉

      • Charly sagt:

        Ja bitte um Info
        Lg
        W.Zach

    • Lackmaier sagt:

      Googeln sie mal nach „Das Wunder von Wörgl“. Meine Stadt hatte auch mal eine Regionalwährung gehabt. Hatte ich vor 3 Jahren mal recherchiert und in BWl vorgetragen, alle haben mich damals für einen Spinner gehalten als ich von möglichen ausufernden Staatsverschuldungen und anschließender Währungsreform sprach. Die meisten wollen und werden auch nicht das Geldsystem verstehen. Entweder man lässt das Geld für sich arbeiten (Zinses-Zins Effekt) oder man ist ein Sklave, wie die meisten, ich auch, im System.

      • Alexander Illi sagt:

        Es ist lobenswert und außergewöhnlich, dass Sie sich so einen Weitblick bewahren konnten, OBWOHL Sie BWL studiert/gelernt haben.

        Wahrscheinlich werden die, die Sie damals für spinnert gehalten haben, bald die Gelackmaierten sein.

        Ich wünsche Ihnen ein frohes Fest.

    • Chris sagt:

      Regionalgeld??? Ich hab selten so gelacht!!! Wenn der Bürgermeister XY, seines Zeichens Fliesenlegermeister, eine Währung für sein Dorf, seine Gemeinde oder seine Stadt einführt, wird das in einer Katastrophe enden. Der Bürgermeister Sauerland aus Düsseldorf war noch nicht mal dazu in der Lage die Loveparade auszurichten, andere sind noch viel dümmer. Wer glaubt denn, daß solche Leute etwas von Geld verstehen! Selbst in Sparkassen hat keiner Ahnung von soetwas.

      Einfaches Beispiel: In der vorletzten Ausgabe der WiWo hat man sich daran abgemüht, einen Eurocrash zu simulieren. Das Ergebnis war, daß man gerade mal an der Oberfläche gekratzt hat. Faktisch gibt es keine wissenschaftlichen Publikationen über die Auswirkungen eines Crash auf die deutsche Volkswirtschaft under Einbezug der TARGET 2 Salden!

      Ich würde keine beruckten Papierzettel akzeptieren, die von Laien aus irgendwelchen Rathäusern ausgegeben werden. Noch ein Hinweis: 90% der Bundestagsabgeordneten sind völlig damit überfordert die Finanzkrise zu verstehen, obwohl sie sie verursacht haben!

      • Alexander Illi sagt:

        Ein gesundes Finanzsystem ist die einfachste Sache der Welt.
        Alle großen, tiefen Wahrheiten sind einfach.
        Ein funktionierendes Geldsystem basiert einfach auf Mitgefühl, Ehrlichkeit und Trauen.
        Die Menschen weltweit haben jahrtausendelang erfolgreich mir Kauri-Schneckenschalen bezahlt.

        Die kartenhausartige Hyper-Komplexität des gegenwärtigen Finanzsystems ist einfach eine Erscheinung der totalen Dekadenz, Korruption und Verschleierung; mehr nicht.

        Ökonomen sind i.d.R. keine Wissenschaftler, sondern Schein-Wahrsager und Blender.
        Die können die einfachen Wahrheiten nicht mehr aufnehmen, aus Überspezialisierung, d.h. einseitige Konzentration auf’s Kleinste – vor lauter analytischem Zerschnippseln kleinster Blättchen sehen sie den Wald nicht mehr.