USA: Politiker versorgen Spekulanten mit Insider-Tipps

In den USA herrscht ein reger Informationsaustausch von Beamten und Politikern mit Hedge-Fonds-Managern. Oft erfahren Spekulanten von politischen Entscheidungen, bevor diese überhaupt getroffen wurden. Welche Gegenleistungen es gibt bleibt im Dunklen.

Mittlerweile ist es in den USA gängige Praxis, dass sich Investoren mit Abgeordneten und Beamten treffen, um entscheidende Informationen über Gesetzesentscheide zu erhalten. So können sie früher als andere die richtigen Investitions-Entscheidungen treffen.

Gut zu wissen, dass man sich in Zeiten turbulenter Aktienkurse auf die Informationen von Abgeordneten und Beamten verlassen kann. Darauf vertrauen mittlerweile viele Hedge-Fonds und andere Investoren. Sie haben in Zeiten unsicherer Anleihen und turbulenter Märkte treue Partner in der Politik. Ein Netzwerk von Unterhändlern in den USA, wie auch die New Yorker Firma JNK Securities, arrangieren seit geraumer Zeit private Treffen zwischen Investoren und Abgeordneten, Beamten oder Beratern amerikanischer Politiker. Hier erhalten sie Informationen aus erster Hand und noch vor anderen Anlegern.

Welche Gegenleistung die Staatsdiener erhalten bleibt oft im Dunklen. Allerdings hat eine Studie neulich ergeben, dass die US-Abgeordneten in den vergangenen Jahren durch diverse Beteiligungen im Durchschnitt wesentlich wohlhabender sind als noch vor zehn Jahren. Da liegt natürlich die Vermutung nahe, dass politische Entscheidungen nicht immer ausschließlich zum Wohle der Bürger, sondern nicht selten vor allem zum Wohle der Finanzindustrie getroffen werden.

Am 8. Dezember 2009 beispielsweise, als die Demokraten im Senat endlich einen Kompromiss über das vorgeschlagene Gesundheitsgesetz gefunden hatten, wurde eine Gruppe von Hedge-Fonds-Manager von Politikern empfangen. Stunden vor der Veröffentlichung der Verhandlungsdetails hatte die Investoren alle notwendigen Informationen, um Investitionsentscheidungen treffen zu können. Diese Informationen waren Millionen wert. So waren etwa Manager von den Hedge-Fonds Vikung und Karsch anwesend. Sie erhielten den Hinweis, dass es bald einen Deal geben würde, der den von der Regierung vorgeschlagenen Versicherungsfonds aufhalten wird, so das Wall Street Journal. Die öffentliche Bekanntgabe dieses Deals geschah erst nach Handelsschluss.
Viking kaufte sechs Millionen Aktien der Krankenkasse Aetna in genau diesem vierten Quartal des Jahres 2009. Karsch kaufte in derselben Zeit eine halbe Million Aktien, wie aus den Aufzeichnungen der Aufsichtsbehörde hervorgeht. Die Aktien von Aetna stiegen im vierten Quartal um 14 Prozent. JNK Securities, die dieses Treffen organisiert hatte, organisierte in den vergangenen drei Jahren mehr als 200 Treffen dieser Art. Zunächst verlangte die Firma 10.000 Dollar pro Treffen von ihren Klienten. Heute müssen die Investoren, wenn sie die erhaltenen Informationen nutzen, diese Aktiengeschäfte über den Börsenmakler direkt ausführen. JNK profitiert so von den Vermittlungsprovisionen. Zurzeit organisiert die Firma ein Dutzend Treffen im Monat.

Das lukrative Geschäft ist legal. Einige Abgeordnete wie Demokratin Louise Slaughter versuchen nun jedoch, ein Gesetz durchzusetzen, das Abgeordnete und Beamten sowie Beratern verbieten soll, nicht-öffentliche Informationen, die an der Wall Street genutzt werden könnten, weiterzugeben. Viele Abgeordnete aber verteidigen die Treffen. Die Republikaner sagen, sie nutzen die Sicht der Hedge-Fonds-Manager, um die Gesetze so zu formen, dass sie Investitionen ankurbeln. Und demokratische Abgeordnete behaupten, die Unterhaltungen würden zu einer besseren öffentlichen Ordnung führen, weil die Investoren sie über die Schlupflöcher, Schwächen oder nicht bemerkte Konsequenzen bestehender Gesetze aufmerksam machen.

Kommentare

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  1. Mike sagt:

    ..das haut den größten Verschwörungstheoretiker um – einfach unglaublich.

  2. Brainsworld sagt:

    Ich hab ein Roman von 1990, da gehts genau um das gleiche Thema. Is also seit Jahrzehnten bekannt diese Vorgehensweise, aber is natürlich für Mainstreammedien nicht relevant. Dann doch lieber „Deutschland weint um Johannes Heesters“