VW: Zu Weihnachten klingen die Glocken, nicht der Blackberry

VW will seinen Mitarbeitern das Klingeln des Blackberry nach Dienstschluss ersparen. Damit können die Mitarbeiter ohne Email-„Plings“ Weihnachten feiern.

Vor wenigen Jahren war ein Dienst-Blackberry noch ein Status-Symbol. Heute ist die ständige Erreichbarkeit für viele Mitarbeiter eher eine Last.

Daher hat der deutsche Automobilhersteller Volkswagen gemeinsam mit dem Betriebsrat eine neue Betriebsvereinbarung zur Dienst-Handy-Nutzung verabschiedet, die Tarifmitarbeiter vor Überlastung schützen soll. Die Regelung besagt, dass die BlackBerry-Handys zum Feierabend automatisch abgeschaltet werden, so die Wolfsburger Allgemeine. Eine halbe Stunde vor Beginn und nach Ende der Gleitzeit werden die BlackBerry-Server heruntergefahren. Damit wird der Zugriff auf E-Mails beschränkt. Die Geschäftsleitung sowie Nicht-Tarifangestellte sind von der Regel ausgeschlossen.

Die ab sofort in Kraft tretende Betriebsvereinbarung soll eine klare Trennlinie zwischen Arbeitsplatz und Privatleben schaffen und verhindern, dass Mitarbeiter infolge einer 24/7-Verfügung mit Burnout ausfallen. Die derzeit bundesweit einmalige Regelung betrifft rund 1.000 VW-Tarifmitarbeiter, die durchweg positiv darauf reagieren.

Positiv sind auch die diesjährigen Umsätze des Unternehmens: Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzender, gratulierte in einer Versammlung in Wolfsburg zu 50.000 zusätzlich produzierten Fahrzeugen, die mithilfe von 38 Sonderschichten der Mitarbeiter realisiert wurden. In den ersten elf Monaten konnte der Konzern 7,51 Millionen Fahrzeuge an Kunden übergeben – ein Plus von 13,9 Prozent. Damit ist VW auf dem besten Weg das gesteckte Ziel von acht Millionen zu erreichen.

Die VW-Mitarbeiter werden diesen Erfolg über Weihnachten in aller Stille feiern können: Der Blackberry wird bei den meisten nicht klingeln. Und sollte etwas anderes als der Weihnachtsbaum brennen gibt es ja immer noch das Festnetz.

Kommentare

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  1. patrick sagt:

    Die ganze durchgehende Erreichbarkeit ist nur eine Wichtigtuerei seitens der Betriebe als auch der prestigesüchtigen Mitarbeitern. Kaum ein Projekt wird wohl so wichtig, sein, daß eine sonntägliche Abwesenheit ernste Folgen hätte, denn die Geschäftspartner und Kunden sind sonn- und feiertags meist auch nicht „Gewehr bei Fuss“ am Telefon.
    Vor der Mobilfunkära ist die Wirtschaft doch auch nicht am Krückstock gelaufen,

  2. Livia sagt:

    Es kommt auch daher, daß, wenn ein neues technisches Spielzeug auf den Markt kommt, sich sofort ein Haufen Leute darauf „schmeißt“, es (unbedingt) haben muß, ohne sich vorher über die Konsequenzen im klaren zu sein.
    Ich selber möchte und brauche weder die völlige Erreichbarkeit für Dritte, noch möchte ich jederzeit geortet werden können und damit für Leute – wovon ich es nicht mitkriege – jederzeit als „Bewegungsprofil“ zur Verfügung stehen, noch wünsche ich, daß Termine kurzfristig verschoben oder angesetzt werden. Das macht unzuverlässig und spontan und gehöre noch zu der Generation, denen als Kindern die Spontanität als richtigerweise schlechte Angewohnheit abgewöhnt worden ist. Mit spontanen Menschen kann man nämlich nicht planen – und man kann sich nicht auf solche verlassen.
    Kurzum – ich brauche kein Mobiltelefon! Wenn die Mehrheit der Menschen sich das vorher überlegt hatte und die Dinger nicht gekauft hätten, gäbe es heute all die Probleme nicht!
    Aber es ist wie bei dem Märchen mit dem Besen, der Wasser holt – man wird die Geister, die man einst rief – schwer wieder los!

  3. Mitdenker sagt:
    • Karl Heinz sagt:

      Das Offensichtliche ist nicht für -Jedermannn- offensichtlich.

      Der Welt der universellen Täuschung ist das Offensichtliche verborgen.

      Das Offensichtliche hat den Charakter des Verborgenen angenommen.

      Es wird hinter vorgehaltener Hand weitergegeben, als Gerücht, als Verschwöhrungstheorie.

      Es ist zwar, von weit her, auf einem Berggipfel, für alle sichtbar, aber man könnte sich täuschen.

      Was wenn man sich, über das allen sichtbare Offensichtliche, täuscht?

      Hat jemand Erfahrungen mit Offensichtlichkeiten?

      Ist denn keiner Experte für -sichtbare- Offensichtlichkeiten?

      Was sagt die Presse zu -sichtbaren- Offensichtlichkeiten?

      Darf man überhaupt über Offensichtlichkeiten nachdenken?

      Gibt es -autarke Menschen-, die über Offensichtlichkeiten nachdenken dürfen?

      Was für bekloppte Fragen! – Gibt es überhaupt intelligentes Leben?

      • J. C., geb. Püschl sagt:

        Die Antwort sollte jedem intelligentem Wesen nach Studium ihres Textes offensichtlich sein!
        🙂 🙂 🙂

      • J. C., geb. Püschl sagt:

        28.12.11
        Lieber Karl-Heinz,

        war gerade am „Wiederkäuen“, da warf mein „Gedankentoaster“ das virtuelle Brot heraus:
        Die schwebende Unwirkamkeit des GG wurde schon mehrfach beleuchtet; unbeachtet blieb bisher, dass simultan dazu eine schwebende Wirksamkeit der ratifizierten Reichsverfassung besteht!

        Diese schwebt doch über dem GG, ich meine, die schwebend wirksame Reichsverfassung ist höher zu bewerten als das schwebend unwirksame GG und geht diesem deshalb vor bzw. ist vorzuziehen, oder etwa nicht?

        Was meinen Sie?

        Könnte ein einfacher Gerichtsbeschluss (Gerichtsbarkeit lässt sich hoffentlich finden) nicht mit einem Federstrich die Rechtsstaatlichkeit in Teil-Deutschland wieder herstellen und damit den Schutz der Bürger durch die Reichsgesetze?

        Alle Verwaltungsstruktur könnte einfach übernommen werden, lediglich neu ausgerichtet!
        Dann könnte jeder rechtschaffene Walter wieder Lüftsprünge machen und das Heil würde über uns kommen!

        Oder nicht? Oder doch? Ich denke: doch!

        Bitte antworten Sie mir! Ich bin ganz aufgeregt.

  4. bauagent sagt:

    Durch den schleichenden Prozess haben die meisten gar nicht gemerkt, dass sie sich bereits in einer Art neuen Weltordnung befinden.

    Es bedarf mittlerweile nicht nur bei VW neuer Betriebsvereinbarungen, damit Mitarbeiter nicht auch noch Sonntags in ihren Email-Kästen hängen und verzweifelt darüber nachdenken, wie sie die Umsatzziele des Monats noch schaffen sollen.

    Da haben Generationen von Gewerkschaftlern der ersten Stunde Jahrzehnte dafür gekämpft, dass die Arbeitsbedingungen sich flächendeckend verbessern. Die letzte Generation von Bsirske bis Sommer haben es mit dem Argument der Globalisierung dann geschafft, alles in kürzester Zeit wieder abzuschaffen.

    Die Blackberrys sind nicht die Ursache sondern die Wirkung.

    Eine korrupte Elite von Gewerkschaftlern, Politikern, Hochfinanz und Industrieoligarchie hat es mithilfe der Medien geschafft, dass die Gesellschaften Europas zerfallen und überdies vor allem psychisch krank werden.

    – Gender mainstreaming Abschaffung der Geschlechter ( im übertragenen Sinne )
    zur Bereitstellung möglichst gleichartigen Personals.

    – Abschaffung aller Lebensplatformen wie die Familie als gesellschaftliches
    Fundament, als Ersatz hierfür physischer und psychischer Konsum und “ abfeiern “
    als Lebenssinn, der zu Krankheiten führt.

    – Entwöhnung von der Hilfe durch Selbshilfe zur Steigerung von Umsätzen der
    Oligarchien ( siehe Vorschriften zur Vorsorge, Erschwernisse für Naturheilmittel,
    überzogene Rauchverbote, alle zentralistisch vorgegebenen Regeln, die den
    Tagesablauf des Einzelnen bestimmen.

    Diejenigen die daran im wirtschaftlichen Sinne partizipieren schieben die Schuld auf die „unabwendbare“ Globalisierung und auf die Notwendigkeit, das System mit fortwährenden Umsatzsteigerungen am Laufen zu halten.

    Diejenigen die das Rad drehen müssen, laufen mittlerweile in einem schwindelerregenden Tempo weiter im Hamsterrad. Gegängelt durch Vorschriften, auferlegten Regeln und sinnentleerenden Zielen, um die Zuzahlung für die nächste Vorsorge, die angeblich notwendigen Versicherungen, den neuesten Wagen oder das Eigenheim mit sinnloser Solaranlage finanzieren zu können.

    Nicht die geistige und körperliche Erschöpfung ist das wirkliche Problem. Das Problem sehen wir in den nächsten Generationen, die bereits heute – geistig verkrüppelt – neuen Göttern wie Apple hinterherlaufen und in den Schulen als verhaltensauffälig bereits den überwiegenden Teil darstellen. Ganz so, wie es
    die o.e. Partizipateure brauchen.

    George Orwell war wohl doch ein Prophet.

    • mandelkern sagt:

      Sehr treffend, diese Diagnose einer krankgemachten Gesellschaft.
      Es zeigt aber auch, dass der Kollaps nicht mehr fern sein kann, denn die künstlich verblödete nächste Generation, wird weder die Leistung, noch die geistige Innovationskraft aufbringen können, den zinsbedingten Systemzwang des steten Wachstums erfüllen zu können.

      Die Generation ADHS, die adipösen Diabetiker-Kinder, die Massen von Halb-Analphabeten in den westlichen Industrieländern werden hinter den technischen und kulturellen Leistungen ihrer Vorfahren zurückbleiben.
      Die Schwellenländer haben diesen Punkt der Degeneration noch nicht erreicht, das Durchschnittsalter der Bevölkerung ist auch weit niedriger als bei uns.
      Wenn es irgendwo noch globale Gewinne herauszupressen gibt, dann wird es dort sein.