Großbritannien: Dem Gesundheitssystem droht Kollaps

Geschlossene Krankenhäuser, fehlendes Personal, endlose Wartelisten für Behandlungen, unzufriedene Patienten – das Ergebnis der extremen Sparmaßnahmen im britischen Gesundheitssystem NHS. Experten fordern eine Generalüberholung.

Die Regierung Cameron hat für das britische Gesundheitssystem NHS eines der radikalsten Sparmaßnahmen der Geschichte eingeleitet. Bis 2015 sollen im Gesundheitswesen über 20 Milliarden Pfund gespart werden. Ein drastischer Einschnitt in das bisher kostenlose – und damit für jeden zugängliche – Gesundheitssystem. In der Realität sind vor allem Patienten die Leidtragenden des Sparkurses, wie die Zeitung Boston.com berichtet.

So ergab ein Bericht des unabhängigen Think Tank King´s Fund, dass besonders Londoner Patienten mit der derzeitigen Versorgung und Leistung der Mediziner unzufrieden seien. Kein Wunder, denn besonders Londoner Krankenhäuser stecken in finanziellen Schwierigkeiten.

Die Sparmaßnahmen betreffen jedoch nicht nur Londoner Krankenhäuser, sondern alle Kliniken des Landes. So kommt es beispielsweise in Krankheitsfällen, die nicht lebensbedrohlich sind, zu erheblichen Wartezeiten für Patienten. Der 69-jährige David Evans berichtet, dass er mit einem Leistenbruch fast ein Jahr auf eine Operation warten musste. Ein Bericht der OECD im vergangenen Oktober ergab, dass 20 Prozent der Krankenhäuser gegen Mindeststandards der Versorgung verstoßen. So bewiesen unangekündigte Kontrollen der Krankenhäuser: Patienten warteten bis zu zehn Stunden auf Wasser und mussten mit lauten Schreien auf sich aufmerksam machen. Die durch die Krise ausgelösten Einschnitte des NHS stellt die Frage der Nachhaltigkeit von sozialen Systemen in den Raum.

Nicht nur Krankenhäuser und Arbeitsplätze werden eingestampft. So schafft die Regierung im Rahmen der Sparmaßnahmen Ämter wie Gesundheitsbehörden ab und hat bereits im Januar erlassen, dass Ärzte das Gesundheitsbudget selbstständig verwalten. Diese Entwicklung sei am besonders beunruhigend, so die Experten von King´s Fund zur BBC. Es bestehe ein sogenannter „Verantwortungs-Vakuum“ – das System benötige dringend eine Generalüberholung, aber es fehlt einfach an einer strategischen Führung, so Chris Ham, CEO. Ein Risiko, die bereits Realität geworden ist: Es entstehen Lücken und Überschneidungen bei der Versorgung der Patienten.

Das seit 60 Jahren existierende System, gehörte bisher zu den meistgeschätzten Instituten des Landes. Nur 11 Prozent der Briten nahmen eine private Gesundheitsversorgung in Anspruch. Eine Zahl, die aufgrund der Krise wohl konstant bleiben wird, wie Experten vermuten.

Jeder in Großbritannien ist mit dem NHS für eine Notbehandlung abgesichert. Briten oder Migranten brauchen weder Versicherungskarte noch Aufenthaltsgenehmigung. Bisher kam lediglich eine Rezeptgebühr von 7,4 Pfund auf 50 Prozent der Briten zu. Ausnahmen sind Studenten, Kinder, Behinderte, Patienten mit chronischen Erkrankungen, Arbeits- und Mittellose usw.

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Kommentare

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  1. Livia sagt:

    Es sind doch hauptsächlich 3 Gründe, die das Gesundheitssystem – was ein Krankheitsverwaltungssystem ist – belasten:
    1.Wenn die Zwangsversicherung einen gewissen Betrag übersteigt fangen die Versicherten an, sich zu überlegen, wie sie sich möglichst viel von dem Geld zurückholen können – und tun es auch!
    2. Hausmittel und „wie helfe ich mir selbst“ ist in den letzten Jahrzehnten den Leuten nicht mehr vermittelt worden. Das wäre ja auch nicht im Sinne der Gesundheitsindustrie! Stattdessen wurden die Leute unter anderem durch die (bunte)Presse geradezu dazu aufgefordert mit jeder kleinen Schramme gleich zum Arzt zu laufen und im Zweifelsfall immer den Notarzt zu rufen. Stattdessen werden in den gleichen Blättern Hausmittel als unwirksam oder gar schädlich angegriffen.
    3. Durch die Zerstörung der Familien und der natürlichen Rollenverteilung der Geschlechter sind die Menschen auch hilflos, wenn sie mal für ein paar Tage das Bett hüten müssen. Die Oma mit in die Wohnung aufzunehmen ist oft schon unmöglich, weil die Wohnungen zu klein sind und oft genug haben Partner ihre Arbeitsplätze nicht nur in getrennten Firmen, sonder auch in getrennten Städten! Hier muß Grundsätzliches geändert werden.
    Natürlich ist das auch eine Frage der Machtverteilung: Wenn der Staat die Aufgaben an die Familien zurückgibt, gibt er auch das Machtpotential über die Menschen auf und an die Familien zurück. Nur – wenn das Ganze unbezahlbar wird, sollte er es aufgeben, ehe es zum großen Knall kommt! Macht muß man auch finanzieren können – das galt schon für Cäsar!

  2. Werner sagt:

    Da die Briten – in noch höherem Ausmaß als andere Staaten – landremde Personen in Unmassen aufgenommen haben, die keinerlei sozialversicherungspflichtiger Tätigkeit nachgehen, aber alle Annehmlichkeiten des Sozialstaates konsumieren, werden sie eben damit leben müssen, mit einem Leistenbruch mal eben ein Jahr zu zappeln.
    Deutschland ist auf dem selben Trip. Auch hier wird die Einwanderung in die Sozialsysteme schrankenlos betrieben. Auch hier werden sich die Einheimischen auf dramatische Einschnitte gefasst machen müssen. Aber darauf sind die Menschen ja dank Sarrazins Buch vorbereitet und wissen, was sie erwartet. Ihre Selbstlosigkeit ist allerdings mindestens so ausgeprägt, wie die der Briten: Man leidet gerne, wenn man sich bloß nicht asl fremdenfeindlich bezeichnen lassen muss. Nun denn…

  3. Chris sagt:

    Nirgenswo auf der Welt sind Gesundheitssysteme „kostenlos“. Es ist nur eine Frage wie groß der Teil der Steueraufkommen ist, der für das Gesundheitssystem aufgewendet wird. Viel wichtiger ist aber, was die Prioritäten im Haushalt sind, die die Politiker setzen. Da Gesundheit, das wohl wichtigste Gut der Menschen ist, stellt sich die Frage, in welcher Höhe andere Ressorts betroffen sind.

  4. powli sagt:

    Das ist ein völlig falsch gezeichneter Titel. Es wird als Gesundheitssystem bezeichnet um den Menschen zu suggerieren,dass es etwas in dieser Art ist. Das Gegenteil ist der Fall-es ist ein Krankheitssystem was existiert und das sollte wirklich zusammenbrechen. Recht so,wenn dann noch die ,,Nahrungsmittel entgiftet und das Wasser wieder sauber ist ,wird man sehen ,wie alt die Menschen ohne das System werden , und das ohne Geld für diese Geldschluckmaschine ausgeben zu müssen.
    Preisfrage : warum gibt es eigentlich keinen wirklichen längeren Ärztestreik(es geht denen ja angeblich so schlecht) ?
    Antwort: weil dann die Menschen merken würden wie gesund sie bleiben.

    • lowabras sagt:

      Zehntausende von Jahren lebten Menschen und entwickelten sich zu dem, was sie vor etwas mehr als einhundert Jahren waren, ohne Chemie, Pharmazie und Apparatemedizin! Seither werden sie systematisch vergiftet, mit Medikamenten, die spezifische Nebenwirkungen hervorrufen und somit alle zu permanenten Kunden dieses Krankheitssystems werden lassen mit wechselnden Krankheiten! Und das Volk ist offensichtlich so bescheuert, dass es auch noch mitmacht!

      Ein tolles Beispiel haben wir noch auf der Welt, welches zeigt, dass der Mensch ohne Pharmazie und Apparatemedizin gesünder lebt, das sind die ländlichen Gebiete in China! Fragt sich nur, wie lange man dort noch die Krankheitskrake daran hindern kann, sich auch noch dieses Reservats zu bemächtigen!

      • Wlad sagt:

        genauso war es, vor zehntausend jahren lebten noch die menschen. was wir heute haben ist wieder ein system was an allen ecken krank ist und dient nicht der menschheit sondern dem system, banken, ellite, usw. und sie nennen chemie als arznei, verrückt und bescheuert, was !

        • Happymoonlight sagt:

          @ Wlad da kann ich dir nur recht geben, mit Chemie kann man nicht heilen, allerhöchstens die Symptome kontrollieren, aber nicht mehr. Ich erinnere mich noch, dass ein Politiker offen zugab, dass die Kontrolle der Pharmaindustrie schon lange nicht mehr da ist.
          Irgendwo hab ich mal gelesen, wer das Gesundheitssystem kontrolliert, der kontrolliert das Land und hat somit wirkliche Macht.
          Esa ist leider so in UK. das Otto Normalverbraucher wirklich keine Ahnung von seinem Körper hat und es in diesem Land so gut wie keine Präventionsmaßnahmen gibt, das Wort Kur so wie wir es in D Land kennen , gibt es hier nicht. Der Mensch ist hier nur noch Werkzeug das man bei Bedarf ersetzt. So viel zum Thema Sozialdarwinismus.

    • Happymoonlight sagt:

      @ Powli ich weiß genau wovon du sprichst, da ich selbst in UK wohne , wer sich hier beschwert, der darf lange warten bis er einen Termin beim so called specialist bekommt und selbst wenn man den Termin privat bezahlt , dauert es immer noch sehr lange bis man einen Termin für nen Test bekommt.
      Den engischen Ärzten geht es vergleichsweise zu deutschen Kollegen sehr viel besser, am Freitagnachmittag packen viele ihre Taschen und überlassen ihre Patienten den jungen zum Teil unerfahrenen Kollegen.
      Wen wundert es also, weshalb die Sterberate in englischen Krankenhäusern weit höher ist als beispielsweise in Deutschland.
      Der Arbeitnehmer Anteil für den NHS liegt in etwa bei £ 2.70 und der Rest fließt in die Staatskasse und wird anderweitig ausgegeben. Zugegeben, dieser Beitrag von £ 2.70 ist geradezu lächerlich und würde der NHS besser organisiert sein, wären wir auch bereit mehr zu bezahlen.

      Ich habe z.B. für meine OP 7 Monate gewartet und wӓre fast gestorben, weil wichtige Untersuchungen mir ganz einfach verweigert wurden.
      Der NHS wird hier bereits national hell service genannt und das nicht zu unrecht.

  5. Martin sagt:

    hier ein Versuch einer Persiflage einer UK-Klinik.

    http://www.youtube.com/watch?v=OFj2qpIA_M0

    Es klingt wie ein Witz aber es handelt sich um die „normale“ Warteschlange der Ambulanz. Drei Stunden Warten, um ein Pflaster zu wechseln. Die Rentner werden zwar gratis behandelt aber das ist ein lächerlicher Service dafür, daß man sein Leben lang exorbitante Steuern bezahlt hat.

  6. Kein Eurofan sagt:

    Die Zeiten des immer währenden Ausbaus des Sozialstaates sind vorbei und zwar nicht nur in Grossbritannien. Dieser ist schlicht und einfach nicht mehr finanzierbar und über mehr Schulden machen geht es auch nicht mehr. Und zum Eintritt im Spital gibt es erstmals einen zünftigen Klistier. Da wird sich mancher zweimal überlegen, ob er diese Dienste unbedingt beanspruchen will.

    • Alexander Illi sagt:

      Ohne die Ausbeutung durch die „Finanzmärkte“ könnten wir uns locker leisten, sozial zu sein – wie wir Menschen nun mal sind.
      Sozialstaat ist ein i.d.R. abfällig gebrauchter Begriff, der darüber hinwegtäuschen soll, dass jeder Staat und jede Gesellschaft inhärent sozial sind. Auf der Erde gibt es genug für alle in Fülle.
      Aber eben nicht für Gier, Mißbrauch und krebsartigen, exponentiell-explosiven Wucher und einseitige Verteilung.

      Auch ich halte es im Übrigen für übertrieben, dass die Deutschen z.B. Arztbesuch-Weltmeister sind, mit 18x pro Jahr im Durchschnitt – aber so werden sie ja auch indoktriniert – „wegen allem konsultieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker“ – versuchen Sie ja nicht, mittels Gebeten, Kräutern, Übungen etc. sich selbst zu helfen und Eigen-Diagnosen zu erstellen, denn das alles soll und kann angeblich nur der ‚Halbgott in Weiß‘.

      • Werner sagt:

        „…sich selbst zu helfen und Eigen-Diagnosen zu erstellen, denn das alles soll und kann angeblich nur der ‘Halbgott in Weiß’.“
        Diese Aussage ist nur dumm. Denn immerhin hat ein deutscher Arzt eine hervorragende Ausbildung genossen und wird in vielen Fällen tatsächlich mit sinnlosen Wehwehchen davon abgehalten, sein Wissen für die wirklich wichtigen Fälle zur Verfügung zu stellen. Das Übel ist ganz anders gelagert: Die meisten Medikamente sind nur auf Verschreibung erhältlich, auch solche, deren Wirkung jeder Laie nachlesen und nachvollziehen kann. Damit will der sozialistische Nanny-Staat die Menschen gängeln. Das geht von Hustensaft bis zum Flohmittel für Hunde! Hauptsache der Bürger muss sich schön an das System wenden, wenn er in seiner Dummheit etwas will.
        Also muss man sich zum Artz begeben, erhält von diesem eine Verschreibung (meist ohnehin nur mehr ein EU-genehmigtes Nachahmer-Präparat aus Indien oder China), darf dann seine Daten bei der Krankenkasse lassen, sich in der Apotheke gegen Gebühr (für deren Abrechnung wieder Kohorten von Angestellten in den Kassen sorgen, die solcherart völlig unproduktive Verwaltung leisten) das Medikament holen – um es in den meisten Fällen ohnedies ungeöffnet zum Sondermüll zu geben…
        Die Kritik sollte sch hier nicht gegen die Ärzte richten, sondern gegen den sozialistischen Staat. Last den Menschen ihr Geld, sie sollen sich selbst besorgen, was sie als mündige Bürger für gut erachten, die Krankenkassen sollten nurmehr bezahlen, was lebensnotwendig ist. Staat halbieren heißt Steuern halbieren!

      • Happymoonlight sagt:

        Meine eigene Diagnose hab ich hier in Uk gestellt und weil der Arzt angeblich keine Ahnung hatte, sagt man mir, sorry darf ich nicht behandeln. Also was ein durchlässiger Darm ist, das sollte zumindest ein so called specialist UK wissen, ansonsten würde ich sagen er ist schlecht ausgebildet. Manchmal frage ich mich, ist es Ver…, wenn sie behaupten sie wüssten nichts, oder sind sie tatsächlich so schlecht ausgebildet?
        Es ist eine absolute Frechheit, Frauen über 40 zu sagen, sorry deine Krankheit ist nur eingebildet, aber nach ihrem Tod wird Mitleid geheuchelt. Und es sind nicht wenige die nach dieser Diagnose hier schon gestorben sind. Die wirklich psychisch Kranken sitzt beim NHS hinter dem Schreibtisch und nicht davor 😉

  7. Systemaussteiger sagt:

    So führt die „Elite“ einen Genozid mit Finanzmitteln durch und die meisten raffen es nicht mal. Die wollen mit aller Gewalt die in Ihren Augen „Nichtsnutzigen Esser“ loswerden. Ich hatte 2008 was den Film Endgame von Alex Jones angeht immer große Zweifel, ob er nicht übertrieben ist oder aus vielen durchaus nachvollziebaren Fakten falsche Schlüsse präsentiert. Heute kommt er mir tatsächlich vor wie ein Drehbuch für die NWO.