Italien sagt Steuersündern den Kampf an

Italien gehen jährlich 115 Milliarden Euro durch Steuerbetrug verloren. Geld das zur Sanierung des Budgets dringend benötigt würde. Nun soll eine Einkommensdatenbank Steuerhinterziehung erschweren.

Wie der Radiosender 24 berichtete, gibt es 2,5 Millionen Luxusautos in Italien. Angaben der Finanzbehörde zufolge zahlen hingegen nur zwei Prozent der 41 Millionen italienischen Steuerzahler für ein Jahreseinkommen, das über 200.000 Euro liegt Steuern. Die Hälfte der Yachten mit einer Länge von über 35 Fuß, sei offiziell im Besitz von Menschen mit einem Jahreseinkommen von unter 20.000 Euro, zitiert die New York Times italienische Finanzbeamte. Und auch die Besitzer von Privatflugzeugen würden ein wesentlich geringeres Einkommen angeben, als der Besitz eines eigenen Flugzeuges erwarten lassen würde.

Eine Datenbank wird künftig das deklarierte Jahreseinkommen erfassen: „Wer angibt, 20.000 Euro im Jahr zu verdienen, kann keine Immobilie im Wert von einer Million Euro kaufen“, sagte Attilio Befera Direktor des italienischen Finanzamtes der New York Times. Versucht jemand mit einem scheinbar niedrigen Einkommen derart große Investitionen zu tätigen, wird dies künftig eine Prüfung seiner Finanzen zur Folge haben.

Italien versucht die Steuerhinterziehung stärker zu ächten. Um die enorme Staatsverschuldung (für das kommende Jahr wird auch noch eine Rezession erwartet – mehr hier ) in den Griff zu bekommen und weitere Angriffe von Spekulanten abzuwehren (das Gelddrucken durch die EZB entlastete Italien nur kurz – mehr hier), appelliert Italien nun verstärkt an die Moral seiner Bürger. Jährlich entgehen dem Staat schätzungsweise an die 115 Milliarden Euro durch unversteuerte Einnahmen. Das italienische Amt für Statistik geht davon aus, dass die Schattenwirtschaft etwa 17,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausmacht.

Das Sparpaket, das am Donnerstag endgültig verabschiedet wurde, enthält einige Maßnahmen, um Steuerhinterziehung zu erschweren. Neben der Einführung der Datenbank für das Jahreseinkommen, werden Bargeldzahlungen über 1000 Euro verboten. Die Regierung führt außerdem eine Steuer auf Vermögenserträge wieder ein, die bei einer Amnestie abgeschafft worden war. Sie beträgt 1,5 Prozent und soll für jene noch weiter angehoben werden, die annonym bleiben wollen.

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Kommentare

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  1. Roman sagt:

    Erst Griechenland, nun Italien, bald auch Spanien, Portugal, Irland…

    Wieso braucht es eine Krise um die Verwaltung zu reformieren ?

    Die Antwort liegt wahrscheinlich in der Selbstreferenziertheit der in Politik. Anders ausgedrückt: Wenn Griechenland nicht so korupt wäre könnte es sich auch leichter reformieren. Aber die korrupten Akteure und ihre Helfer sind nicht an mehr Effizienz und Transparenz interessiert da sie damit ihre Geschäftsgrundlage bzw. ihren Job verlieren würden.

    Leider ist in Griechenland das Problem, das es wahrscheinlich auch keinen Pool an gut ausgebildeten Menschen gibt, die für frischen Wind in der Verwaltung sorgen könnten.

    Siehe dazu auch die Meinnung der OECD zur Reformunfähigkeit in GRI: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,802392,00.html

  2. Colella Giuseppe sagt:

    Monti sollte es wie der Vatikan machen,der hat Schweizer Schutz -Finanzsektor ,Banken, Steuereintreibungsunternehmen, Komunen,Finanzministerium unter Schweizer Aufsicht oder zumindest unvorangekündigte Kontrolle durch Schweizer Buchprüferfirma,da würd was rauskommen.Allein die Ankündigung würd reichen.
    Er soll ruhig die tägliche Steuer auf Boote einführen,das wird der Tourismusbranche sicher helfen.Hab den Eindruck die blicken selber nicht mehr ganz durch oder etwa doch zuviel Exorphine.

    MfG

  3. hunsrückbäuerlein sagt:

    wer im glashaus sitzt solte nicht mit steinen werfen…und wer den keler voller leichen hat, sollte die tür nicht nur abschließen, sondern besser zu mauern.

    verbrecher gegen verbrecher zum wohle der bürger, hups, welcher altruist soll denn da an weihnachten geboren worden sein?

  4. G.N. sagt:

    Sehr gut! Bekommen wir das auch hin?
    Hier zahlen doch auch nur diejenigen anteilig immense Steuern, die sich nicht wehren können!
    Allerdings sollte es dann wirklich keinerlei Steuerschlupflöcher mehr geben. Dann würde wenigstens etwas mehr Steuergerechtigkeit Einzug erlangen.
    Und den Politikern würde ich auch sofort eine leistungsorientierte Bezahlung verodrnen. Diese müsste sich am Wachstum des BIPs orientieren!!!!

  5. Kein Eurofan sagt:

    Italien in Richtung des über alles gehenden gerechten Sozialismus-Ueberwachungs- Staates. Im übrigen nicht mehr weit vom deutschen Sozialismus-Staat mit Neidkultur in höchster Vollendung entfernt, wo Steuersünder schlimmer an den Pranger gestellt werden wie Mörder.

  6. kinitalialand sagt:

    Das Überweisungen über 1.000 Euro verboten sind, stimmt nicht, wäre auch
    schlecht für die Wirtschaft in Italien umsetzbar.

    Hingegen gilt nun: Bargeldzahlungen über 1.000 Euro sind verboten.

  7. lowabras sagt:

    Es ist ein Irrwitz dass ausgerechnet diejenigen etwas von den Bürgern erwarten was sie selbst nicht haben, Moral!

    Das gilt aber nicht nur für Italien, das gilt für die politische Klasse weltweit! Ein lächerliches Volk, diese Politiker, einfach zum K….n!