Arjo Klamer: „Euro-Crash wäre weniger schlimm als das langsame Sterben“

Der niederländische Ökonom Arjo Klamer hält die Euro-Zone in ihrer gegenwärtigen Form für nicht überlebensfähig. Klamer glaubt, dass die Finanzwirtschaft alles unternimmt, um den Crash hinauszuzögern. Der Euro sei eine Ideologie geworden, an der mit religiösem Pathos festgehalten werde.

Die Niederlande waren einst das Mutterland der EU. Heute sieht die Lage vollkommen anders aus. Der niederländische Wirtschaftsprofessor Arjo Klamer von der Erasmus Universität Rotterdam sagte den Deutschen Mittelstands Nachrichten: „Mehr als die Hälfte der Niederlande sind gegen den Euro, wie jüngste Umfragen gezeigt haben.“ Die Niederländer glauben, „der Euro ist eine Sache des Establishments und nicht des Volkes“. Er stelle fest, dass seine Landsleute langsam aber sicher, „richtig wütend über den Euro werden“. Sie stellen nämlich fest: „Am Ende werden wir die Rechnung bezahlen.“ (Darum fordern sie zumindest mehr Anerkennung – mehr hier)

Klamer glaubt nicht, dass der Euro überleben kann: „Wir haben in Europa nie die Voraussetzungen für eine gemeinsame Währung geschaffen. Voraussetzungen sind eine starke Gesellschaft, ausreichende Solidarität und Demokratie. Darauf aufbauend, muss es ein politisches System geben, welches von den Bürgern legitimiert ist. Erst dann kann man eine gemeinsame Währung einführen. Wir haben es in Europa genau umgekehrt gemacht und mit der Währung begonnen, ohne alle anderen notwendigen Bedingungen. Das kann nicht funktionieren.“

Klamer, der schon Ende der 90er Jahre das Ende des Euro für 2010 prognostiziert hatte, will sich von dieser Prognose nicht abbringen lassen und ist eher erstaunt: „Damals wurde ich für verrückt gehalten, heute will keiner mehr mit mir wetten!“

In seiner gegenwärtigen Form ist der Euro nicht nachhaltig, meint Klamer. Daher werde der Euro zerfallen. Die Frage sei nicht ob, sondern wie. Klamer: „Ein plötzlicher Crash wäre besser als das langsame Sterben. Denn dann haben wir zwar kurzfristig einen sehr schmerzhaften Prozess, können uns jedoch wieder rasch erholen. Das hat man in Argentinien gesehen, wo nach etwa einem Jahr bereits die Erholung eingesetzt hat, nachdem im Jahr 2000 der Peso vom Dollar abgekoppelt wurde.“

Dagegen werden sich die Euro-Eliten so lange als möglich sperren, meint Klamer: „Der Euro ist zu einer Ideologie geworden. Sie merken das am religiösen Wortschatz, der gebraucht wird, an den fast evangelikalen Ausdrücken wie Armageddon, Kollaps mit unvorstellbarem Ausmaß und ähnliches mehr.“ Daher werden die Eliten versuchen, „sich so lange als möglih durchzuschwindeln“. Denn profitiert habe vom Euro vor allem die Finanzwirtschaft: „Die Niederlande und Deutschland haben nicht profitiert. Export-Überschüsse haben wir auch vor dem Euro gehabt. Ich glaube eher, dass uns die Export-Erfolge geschadet haben. Sie haben unsere Handelsnationen nämlich träge gemacht, weil man sich ja ohnehin auf den schwachen Euro verlassen konnte. Da hat dann die Innovation darunter gelitten, und die Eroberung von neuen Märkten ist unterblieben.“

Die Finanzwirtschaft habe dagegen vom Euro erheblich profitiert: „Sie haben Schuldenberge aufgebaut, die die Konsumenten wieder abtragen müssen. Die Banken haben die reale Wirtschaft als Geisel genommen. Wir laufen und arbeiten nur noch für die Banken.“

Klamer sieht verschiedene Szenarien, die das weitere Lavieren in Sachen Euro durchbrechen könnten: „Entweder eine Griechenland-Pleite, denn dort ist noch lange nichts gelöst. Oder ein Bankenkollaps, der bei dem verheerenden Zustand, in dem sich Europas Banken befinden, sehr schnell geschehen kann. Ober aber politische Unruhen im Zuge der immer radikaleren Sparprogramme.“ Der Euro habe in diesem Zusammenhang auch die Solidarität der Völker Europas zerstört: „Noch nie seit der Einführung der EU haben wir derart viele Spannungen und Vorurteile in Europa gehabt.“

Aus Gesprächen mit führenden niederländischen Beamten wisse er, dass sich auch die Regierung in Den Haag bereits ernsthaft mit dem Szenario eines Euro-Crashs beschäftige. Klamer: „Privat sprechen hohe Beamte ganz offen über alternative Optionen.“

Eine Voraussetzung für einen funktionierenden Wirtschaftsraum hält Arjo Klamer für besonders wichtig: „Geschäftsbanken und Investmentbanken müssen getrennt werden. Wir können nicht das Risiko von Spekulationen auf die Gesellschaft abwälzen.“ Diese grundlegende Veränderung sei unabdingbar – und zwar mit und ohne Euro.

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Kommentare

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  1. Alter Knacker sagt:

    Man hat uns erzählt, dass alles besser wird mit dem €. Aber, besser kannes nur werden, wenn mehr produziert wird. Und wer mehr fressen will als er produziert, der muss lügen, betrügen, klauen, räubern, abzocken. Und wenn alles nichts nützt, dann muss ein neuer Krieg angefangen werden. Das Muster hierfür bietet der erste Weltkrieg. Die Völker Europas gegeneinander aufhetzen. Gräuelpropaganda betreiben, wie gehabt. Die Hetzer sind immer die Plutokraten, die Herrscher des Geldes. Nie der arbeitende, der produzierende Teil der Menschen. Diese Menschen müssen durch immer mehr Arbeit immer mehr ausgebeutet werden, solange, dass sie keine Zeit mehr zum Denken haben. Und dem Rest, den Arbeitslosen, gibt man BamS, Bild und Glotze, und ein Bier dazu. Wie geht es uns doch gut. Was habt Ihr eigentlich für Probleme? Selber denken, wo kämen wir denn hin? Uns gehts doch gut, wir haben Dienstleister, die denken für uns. Unsere vom Volk unabhängigen, von Verantwortung freien Abgeordneten. Und die können nicht einmal wegen Politkorruption belangt werden. Die bekommen EHRENSOLD, bis an das Ende Ihrer Tage, wenn sie das Volk besch…. . Die Ursache für all diese schönen Dinge liegt schon in der „Umerziehung“ nach ..45 begründet. „Indirect Rule“, das angloami Systen der Kolonialregierung. Mal informieren. Wacht auf, Leute. Wenn ihr weiterschlaft, wacht Ihr in der Diktatur der Plutokraten auf, und dann Gnade euch, Gott.

  2. H. Friedrich sagt:

    „Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.“
    Diese Worte von Heinrich Heine sollten uns wachsam machen für alle Aktivitäten der Regierenden, die sich immer wieder Extra-Touren leisten, um ihr Schäfchen ins Trockene zu bringen. Die Regierenden haben ja nun so viele Baustellen, Eurokrise,
    Arbeitslosigkeit, Atomausstieg und … und…und. Dabei ist das alles letztlich nur darauf zurückzuführen, dass nicht der Mensch, sondern der Profit im Vordergrund steht. Beim
    Thema Arbeitslosigkeit wird auf Wachstum als Heilmittel gesetzt. Wer soll dann die
    vermehrten Waren kaufen, wenn dagegen immer weniger in der Lohntüte steckt ?
    Ich meine, helfen kann dabei nur schrittweise eine Verringerung der Arbeitszeit mit entsprechenden Lohn- und Gehaltsausgleich. Es muß natürlich untersucht werden, in welchen Berufen das machbar ist. Dann können zusätzliche Arbeitsstellen eingerichtet werden. Nun werden die entsprechenden Leute fragen, wovon das bezahlt werden soll.
    Da kann ich nur sagen, na aus dem erarbeiteten Mehrwert. Wenn sich dann Unternehmer dagegen sträuben, ist es doch ein schlagender Beweis, dass das kapitalistische System ein Hemmschuh bei der Entwicklung der menschlichen Gesellschaft ist. Damit ist auch klar, dass es gesellschaftlicher Änderungen bedarf.
    Die „doofe Masse“ führen sie dabei am Nasenring durch die Manege. Dabei ist Demokratie in ihren Augen nur dann akzeptabel, wenn sie ihnen nützt.
    Was ist das auch für eine Demokratie, wenn der Bundespräsident den Medien einen
    Maulkorb verpassen will. Kaum ist ein derartiges Ei auf der Welt, folgt gleich ein Neues.
    Das Bundesverkehrsministerium verpasst dem Bundesumweltamt einen Maulkorb,
    die Studie über die Lärmbelastung des neuen Flughafens in Schönefeld nicht zu
    veröffentlichen. Über allem schwebt dann noch die ungewisse Zukunt mit dem Euro.
    Die Euro-Krise ist dabei hausgemacht. Der Euro wurde überhastet eingeführt, eine
    feste Basis wäre es über eine gewisse Zeit gewesen, etwa ähnliche Sozialstandards
    in den Euro-Ländern zu entwickeln und zu versuchen, das Niveau der Volkswirt- schaften anzugleichen. Dann hätte eine gute Voraussetzung bestanden, einen
    erfolgreichen Euro zu installieren, der dann gewiß bei Währungsturbulenzen sehr
    viel stabiler gestanden hätte. Aber es gab Leute, denen war die Einführung wichtiger als der Bestand. Dieses ganze Hin und Her beschwört aber dann den Ruf nach Wiedereinführung der DM. Ich befürchte, am Ende wird ein Selbsttor übrig bleiben.
    Schade !

  3. KH sagt:

    Das Eurogeld wird sich in bequemes überwiegend papiergeldloses Zahlungssystem entwickeln mit scheinbaren Vorteilen für alle, für den Staat, für die Hygiäne, für das Handling im Alltag etc. Es wird zu einem Gebrauchsgeld werden das sich langfristig nicht mehr als Wertaufbewarungsmittel eignet, wenn wir die Euro-Nord- und Euro-Süd-Geld-Version nicht wollen. Bei der jetzigen Version profitiert die nördliche Hälfte von besserer Arbeitsauslastung mit dem Nachteil für steigende Transferzahlung in den südlichen Teil. In der Nord-Süd-Aufteilung hat der Süden die Chance seine Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern um so wieder in Eigenverantwortung selbst auf die Beine zu kommen. Wobei jedoch auch viele aus dem Süd-Euro-Bereich lieber bei einem stabileren Euro wie im Norden bleiben würden. Allerdings ginge dies nur mit restriktiven Massnahmen und Haushaltsüberwachung der Zentrale plus einem Aufbauprogramm zur Wirtschaftsbelebung, wie z.B. durch Sonnenergiegewinnung, etc.

  4. Immanuel sagt:

    Herr Klamer hat Recht:“Wir können nicht das Risiko von Spekulationen auf die Gesellschaft abwälzen.“ Diese grundlegende Veränderung sei unabdingbar – und zwar mit und ohne Euro.“

  5. louis-portugal sagt:

    Völlich einverstanden.
    Es isst wie eine Art Religion.der kranken Socialisten.

  6. annadomini sagt:

    Davos am 28. Januar 2005 Gerhard Schröder :”Wir haben einen der besten Niedriglohnsektoren aufgebaut, den es in Europa gibt. Ich rate allen, die sich damit beschäftigen, sich mit den Gegebenheiten auseinander zu setzen, und nicht nur mit den Berichten über die …..

    :DEUTSCHER wOHLSTAND 😉

  7. ivan sagt:

    Merkel: Scheitert der EURO scheitert Europa.
    Ivan: Scheitert der EURO scheitert die BRD-Gmbh

  8. General-Investigation sagt:

    Mir war es schon immer ein Rätsel, wie man so viele völlig unterschiedliche Länder zu einer Währung bringen kann, so das alles klappen könnte. Nicht nur das die Wirtschaften völlig anders sind, jedes Land völlig andere Voraussetzungen hat, sondern auch der Euro aufgezwungen wurde, ohne die zu fragen, die diese Entscheidungen hätten treffen sollen. Das es richtig gewesen wäre die jeweiligen Völker abstimmen zu lassen, bewahrheitet sich doch jeden Tag immer deutlicher. Der Bürger hat schon frühzeitig begriffen, was hochbezahlte und studierte „Experten“ niemals begreifen werden. Jeder private Firma wäre schon lange Konkurs gewesen, jeder Private Haushalt wäre derart in den Miesen gelandet, das man dort nicht mehr heraus käme.
    Aber diese Fachleute wussten ja alles besser; immerhin haben Sie studiert und nur Studierte Menschen können denken.

    Ja von wegen, Sie haben einmal mehr bewiesen das Sie nichts können ausser dummes Zeug reden. Von Wissen sind Sie noch Lichtjahre entfernt, dieser erbärmliche Haufen Theoretiker!

    • Gold ist Geld sagt:

      Genau so ist es! Die Wirtschaft funktioniert genauso wie die Schwerkraft. Durch die Marktteilnehmer (Menschen). Deswegen kann es niemals funktionieren, mit mehr Geld mehr Wohlstand zu schaffen. Mehr Wohlstand kann man nur durch Arbeit und vernünftigen Einsatz des dadurch entstandenen Mehrwerts (Kapital) schaffen. Niemals durch Gelddrucken und schon gar nicht durch Umverteilung und den damit verbunden Kosten einer sich selbst vermehrenden und den Wirt zerstörenden Klasse (Politik/Bürokratie).

  9. Munnie sagt:

    @admin
    Ich bitte doch darum, bevor Links eingestellt werden, diese auf ihren Aussagegehalt zu überprüfen.
    Der genannte Link endet da, wo dem Titel nach Informationen erst anfangen. Außerdem sind in der kurzen Einleitung schon etliche Fehler bzw. Falschinterpretationen enthalten.
    Das ist typisch Kopp. Hauptsache reißerische Titel und Texte.

    Ich habe bisher 2 Mails an Kopp geschickt, um auf eklatante Fehlinformationen bzw. -aussagen hinzuweisen. Reaktion: Null
    Das ist kein guter Stil.

    • redakteur sagt:

      Wir überprüfen alle Links. „Admin“ ist ein User, der sich diesen Namen gegeben hat. Um Verwirrung zu vermeiden, werden wir keine Kommentare von „Admin“ mehr freischalten. Die Redaktion

      • Munnie sagt:

        @Redaktion
        Ja, mir war schon klar, das @Admin ein User ist. Ich meinte auch nicht die Redaktion, sondern genau diesen User.
        (Hatte befürchtet, dass mit diesem Nicknamen Verwirrungen auftreten.)

  10. TT sagt:

    An dieser Stelle einmal einen großen allgemeinen Dank für die Bemühung ihrer Zeitung, aus der Euro-Kakophonie der üblichen Hofpresse auszuscheren und den Finger in die klaffende Wunde zu halten.

    Ihre Berichte dürften beim überwiegenden (Online-Zeitung lesenden…) Teil der Bevölkerung hierzulande sehr plausibel und überzeugend wirken.

    Toll auch, dass bei Ihnen ab und an wichtige Artikel aus Zero Hedge Eingang finden. Andererseits dienen ihre Artikel widerum zahlreichen Bloggern als Quellverweis und dürften dadurch über die „offiziellen Zugriffszahlen“ auf ihre Zeitung hinweg in zahlreichen Bloggs und Foren Eingang finden.

    Hier liefert ifo-Chef Hans-Werner Sinn einen weiteren Beleg der völlig verblödeten Eurokonstruktion: Ab Sommer 2007 kam sämtliches Geld für Griechenland und Portugal aus der Druckerpresse – die „Totalrettung“, so nennt Sinn dies, dauert nunmehr 4 Jahre. Hans-Werner Sinn – rechnet 4 Billionen Schulden vor:

    http://www.youtube.com/watch?v=2IMtloBNxhU&feature=player_detailpage#t=11s

    • Munnie sagt:

      Ein äußerst interessanter Vortrag von H.W. Sinn. Er spricht Klartext. Da gehen Lichter auf.
      Danke !