Investoren wenden sich von Staatsanleihen als Anlageform ab

Die wachsenden Zweifel über die Sicherheit der Staatsanleihen veranlasst zunehmend mehr Fonds-Manager zur Entscheidung für Alternativen. Das Vertrauen in die Staaten ist grundsätzlich erschüttert.

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Die Krise in der Euro-Zone und die hohe Staatsverschuldung der USA (die 100 Prozentmarke ist bereits durchbrochen – mehr hier) wird den Managern von Währungsreserven zu riskant. Sie überlegen, einen Teil ihrer in Staatsanleihen investierten acht billionen Dollar abzuziehen und in höher verzinste Sachanlagen wie etwa Eigentum zu investieren. Ein Vorreiter ist das neue, von China geplante Investitionsinstrument (mehr über den allgemeinen Trend in China – hier; und das erste konkrete Investment in Portugal – hier).

Normalerweise bevorzugen die Manager der Währungsreserven sichere und meist nicht viel Gewinn abwerfende Anlagen wie Staatsanleihen. So hat China beispielsweise große Teile seiner Währungsreserven in amerikanische und europäische Staatsanleihen angelegt. Doch die zunehmende Unsicherheit selbst gegenüber Anleihen von Triple-A-Staaten (S&P stellte bereits ein Downgrade der Kernländer Europas in Aussicht, und die Japaner ziehen ihre Gelder bereits ab – mehr hier) und dem EFSF zwingen zum Umdenken. „Die europäische Krise ist ein Katalysator“ für das Abwenden von diesen Anleihen hinzu Sachanlagen, sagt Andrew Rozanov von Permal. JP Morgan schätzt, dass die Manager von Währungsreserven Staatsanleihen der europäischen Triple-A-Länder im Wert von 900 Milliarden Euro halten.

Zudem fällt es den Investoren immer schwerer die Durchführungskosten zu rechtfertigen, die beim Kauf harter Währungen in Form von niedrig verzinsten Staatsanleihen in Übersee anfallen. “Die grundsätzlichen Durchführungskosten haben in vielen dieser Länder eine wirkliche Auswirkung“, Kosten die zu Lasten der nationalen Bilanzen gehen, sagt Cynthia Sweeney Barnes von HSBC.

Wahrscheinlich werden die Manager der Währungsreserven den Pensionsfonds folgen, die zunehmend Anlagen in Infrastruktur, Eigentum etc. bevorzugen. In diesem Bereich gelten die USA und Europa noch immer als Top-Anlagen. Der Beratungsfirma Tower Watson zufolge entfallen immerhin 83 Prozent der Investitionen von Pensionsfonds auf diese Anlagen: Das sind 83 Prozent von fast einer Billion Dollar. Auf den asiatischen Markt entfallen nur 13 Prozent dieses Geldes. So liegen etwa die Zinsen für kommerzielles Eigentum in London zwischen drei und vier Prozent. Zum Vergleich: Die Zinsen für deutsche Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren, die immerhin noch als relativ sicherer Hafen im Vergleich zu Spanien oder Italien gelten, liegen derzeit unter zwei Prozent.

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Kommentare

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  1. hunsrückbauer sagt:

    wäre mir auch zu riskant, da parke ich das geld doch liber bei der ezb und kriege risikolos 3% dafür, halte mein pulver trocken bis es wieder aufwärtz geht…….

  2. B-Schmitt sagt:

    Investoren wenden sich von Staatsanleihen ab: de Staaten sollten sich von diesen Investoren und Kurzzeitzockern abwenden : am besten besteuern, egal wo die Finanzen in Europa auftauchen. Direkt am Konto, leicht machbar.

  3. B-Schmitt sagt:

    Kapitalflucht
    Investoren wenden sich von Staatsanleihen ab: Aber Investoren gehören auch im Sekundentakt besteuert,Diese Organisationen verdienen im Sekundentakt, dann müssen sie auch im Sekundentakt Steuern zahlen. Diverse Modalität können noch geklärt werden. Aber zahlen müssen sie.

    • Gold ist Geld sagt:

      Investoren sind die beauftragten Anleger von Kapital an den Kapitalmärkten. Dafür, daß die Politiker, um wiedergewählt zu werden, den Banken außerordentliche Rechte zugesprochen haben, können die jedoch nichts, auch wenn sie sich aus der Sicht eines Michels unverhältnismäßig bereichert haben.
      Die Gesetze dafür (Federal Reserve Act) konnten nur Politiker/Regierungen festlegen.
      Legen Sie ihr kindisches, gehirngewaschenes Rechts/Links Weltbild ab. Sonst werden Sie niemals erfahren, wie das wirkliche Spiel funktioniert.

  4. Munnie sagt:

    „Wahrscheinlich werden die Manager der Währungsreserven den Pensionsfonds folgen, die zunehmend Anlagen in Infrastruktur, Eigentum etc. bevorzugen. In diesem Bereich gelten die USA und Europa noch immer als Top-Anlagen.“

    Kommse näher, kommse ran, hier werden se genauso beschissen, wie nebenan!

    Europa jetzt zu Ausverkaufspreisen !

    • Gold ist Geld sagt:

      Ja, mit gedrucktem Geld. Ist das nicht fantastisch! Wenn ich das könnte, dann würde mir heute auch die ganze Welt gehören!
      Diese betrügerische Welt wird jedoch niemand von allein abstellen. Das können nur wir, indem wir diese Papierzettel schnellstens loswerden und uns ein Parallelsystem aufbauen.

  5. khaproperty sagt:

    Länger bereits verlagert sich das Investitionsinteresse von Staatsanleihen und Aktien auf Unternehmensanleihen, interessanterweise auch niederer Qualität.
    Auch zeigt sich umgekehrt bereits eine Verstärkung der Unternehmensfianzierung am Anleihemarkt, fort von Aktien und Bankfinanzierungen.

    Das ist ein Ergebnis schwindenden Vertrauens in Staaten und Finanzinstitutionen, welche beide nicht in der Lage waren, seriös zu agieren.
    Im globalen Dorf sprechen sich Alternativmöglichkeiten vergleichsweise schnell herum, wenn Vertrauen in bestimmte Institutionen und Administrationen verloren geht.

    Damit ist das Ende derer besiegelt, welche bisher nicht oder nur vergeblich versuchten, ihre Finanzlage in Ordnung zu bringen: Die Währungsgemeinschaft der Euro-17 sowie etliche auch systemische Banken.

    USA sind zwar auch unseriös, haben jedoch die eigene Währung, die führend ist und manipulieren zu Lasten ihrer eigenen Bevölkerung sowie anderer Nationen die notwendigen Konsequenzen. Die Kollegen in GB machen es zwar auch, austerisieren dabei aber brutal – was richtig ist und bereits wieder Vertrauen schafft.

  6. Steffen sagt:

    Habe ich vor 3 Jahren auch gemacht: Öl, Agrar, Silber und Gold. Wobei damals echte Schnäppchen möglich waren und bis Januar 2011 konnte man Papiergeld 1:1 bei der Bank noch gegen Silberzehner tauschen.
    ABER verkaufen würde ich derzeit nur gegen sehr viel Papiergeld. Dies werden die Kaufinteressenten bald feststellen, wer zu spät kommt…