Nach Unruhen: Kapitalflucht aus Moskau

Investoren verabschieden sich vom Rubel und ziehen ihr Kapital aus Russland ab. Die russische Zentralbank hat alle Hände voll zu tun, seine Währung auf Kurs zu halten. Grund dafür ist die steigende politische Unsicherheit, die durch die Proteste gegen das Ergebnis der jüngsten Parlamentswahlen ausgelöst wurde.

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Die anhaltenden Proteste in Russland führen nun zu einer Kapitalflucht (Über die Weihnachtsfeiertage blieben die Proteste gut besucht – mehr hier). Nach den ersten Demonstrationen fielen die Devisenreserven Russlands um 13 Milliarden Dollar. Das ist der größte Devisenverlust in einer Woche seit dem Jahr 2009.

Weil Geschäftsleute und Banken nach dem Kursverlust des Rubels nun Dollar horten, ging dem Bankensystem viel an Liquidität verloren. Um diese Entwicklung zu bremsen, erhöhte die russische Zentralbank den Leitzins auf 4 Prozent.

Vladimir Pantyushin, Chefökonom von Barclays Capital in Moskau sagte der Financial Times, ein Hauptgrund für die Liquiditätsprobleme sei, dass die Erträge der Rohstoffriesen zurückgegangen seien. Ihre Exporterträge sind das Rückrat der russischen Liquidität. Sie seien dieses Jahr aufgrund der steigenden politischen Unsicherheit und der weltweiten Wirtschaftslage deutlich zurückgegangen. Viele russiche Banken hätten auch unter den fallenden Aktienkursen gelitten: „Heute hat jede Bank einen Liquiditätsverlust“, urteilte Pantyushin.

Auch wenn ein großer Teil des Devisenwechsels in den relativ schwachen Euro ging und der Goldpreis leicht nachgelassen hat, dürften die Bemühungen der Zentralbank, den Rubelkurs zu halten an die zwei Milliarden Dollar gekostet haben. Das schätzt die Niederlassung der Deutschen Bank in Moskau.

Die weitere Kapitalflucht aus Russland könnte im Dezember Schätzungen der Alfa Bank zufolge 10 Milliarden Dollar betragen. Über das kommende Jahr gesehen, könnte die Kapitalflucht bis zu 90 Milliarden Dollar erreichen.

Die Angst vor politischer Instabilität bringt die Investoren dazu, ihr Geld aus Russland abzuziehen (Sie fürchten arabische Verhältnisse – mehr hier). Viele zweifeln an der Fähigkeit Vladimir Putins, auch nach den Präsidentschaftswahlen im März, das Land weiter unter Kontrolle zu halten. Sein autoritärer Führungsstil und mangelnde Reformbereitschaft lassen auch immer mehr Geschäftsleute an seiner Politik zweifeln.

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Kommentare

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  1. Joseph Breitenbach sagt:

    Welche Weihnachtsfeiertage sind hier gemeint? Wiehnachten wird in Russland bekanntlich am 7. Januar gefeiert, nicht am 24./25./26. Dezember!