China-Crash: Erste Provinzen und Unternehmen pleite

In China gibt es erste Anzeichen für den Crash: Mehrere Regionen und Unternehmen haben angekündigt, die Bezahlung der Zinsen für ihre Kredite zu „verschieben“. Die Behörden in Peking sind alarmiert.

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Zwei der größten Kreditnehmer chinesischer Provinzen haben angekündigt, ihre Zinsen für aufgenommene Kredite verspätet zu bezahlen. Das Unternehmen zum Bau von Schnellstraßen in der Provinz Hunan und ein Kommunikationskonzern werden den Forderungen ihrer Kreditgeber nicht rechtzeitig nachkommen.

Gemeinsam mit zwei weiteren der größten Schuldner haben sie 24 Milliarden Euro Schulden. Alleine die nun aufgeschobene Zins-Zahlung würde über 4 Milliarden Euro ausmachen. Erst vor zwei Monaten trat ein Gesetz in Kraft, das eine verspätete Rückzahlung von Krediten durch Unternehmen und regionale Regierungen erlaubt.

Das Problem der Zahlungsverzögerungen ist, dass sie einer Insolvenz gleich kommen: „Wenn Unternehmen beginnen, ihre Schulden hinzuziehen und Banken sich ihr Kapital nicht mehr holen, verhindert das die Ausgabe von neuen Krediten. Das ist ein Problem, das im nächsten Jahr schlagend wird“, sagte Patrick Chovanec, Professor an der Tsinghua Universität in Peking dem Nachrichtendienst Bloomberg.

Auch regionale Regierungen sind mit ihren Zahlungen für beauftragte Projekte im Verzug. Diese waren im Jahr 2009 angestoßen worden, um die Wirtschaft zu stimulieren und eine Rezession abzuschwächen (Dennoch steht eine Rezession bevor – mehr hier). Ende vergangenen Jahres hatten die regionalen Regierungen über eine Billion Yuan Schulden, 70 Prozent davon bei Banken.

Die Rückzahlungen der Regierungen fehlt nun den Banken, um neue Kredite vergeben zu können. Die Regionen schulden also auf der einen Seite den ausführenden Unternehmen Geld – die auch deshalb ihre Schulden bei den Baken nicht bezahlen können. Auf der anderen Seite schulden sie den Banken auch direkt Geld.

Um den Banken trotzdem Kapital zu verschaffen – das diese dann in Form von neuen Krediten weitergeben sollten – hält die chinesische Zentralbank den Leitzins bei über 6 Prozent. Zum Vergleich: Nationalbanken in den USA und Japan beispielsweise halten ihren Leitzins schon seit mehr als drei Jahren bei nahezu 0 Prozent, um Anleger zu Investitionen zu bewegen.

Durch die Verschleppung der Kredite könnte das Kreditwesen in China nun endgültig zusammenbrechen (Fonds Manager fürchten die China-Blase bereits mehr als den Euro-Crash – mehr hier, ausländische Investoren ziehen sich bereits zurück – merh hier). Die verantwortlichen wollen das Problem allerdings nicht sehen: Der stellvertretende kommunistische Parteisekretär, der für eine der vier höchst verschuldeten Unternehmen verantwortlich ist, hat keine bedenken. Trotz der bisher nicht erfolgten Rückzahlungen behauptete er Anfang Dezember in einem Interview: „Unser Unternehmen kann die Zinsen und Raten ohne Probleme bezahlen.“

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Kommentare

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  1. Sarrazin-Fan sagt:

    Und wieder sind die Blöden eines Besseren belehrt worden!

  2. Jürgen Kunz sagt:

    Ich glaube das chinesische Problem mit den Immobilien ähnelt dem der USA, Englands und Spaniens vor zwei Jahren. Mit dem Unterschied, dass China auf knapp zwei Billionen Dollar Papierwerten sitzt. Wenn davon 1/3 in Landeswährung umgetauscht wird, steigt zwar die Geldmenge in Landeswährung, aber die Schuldenkrise bei Immobilien ist behoben. Zusätzlich könnte die Regierung die im Vergleich zu USA niedrigen Rüstungsausgaben erhöhen, das sichert Produktion und Beschäftigung.
    Daran wird China sicherlich nicht zerbrechen.
    Natürlich, die hohen Wachstumsraten sind vorerst passe‘.

  3. Margrit Steer sagt:

    Na so was. China wollte doch gerade erst noch Europa aufkaufen. Und einige Europäer haben doch geradzu um Hilfe aus China gebettelt, die waren doch bereit, Europa zu verkaufen. Und nun das. Na wer hätte das denn gedacht?
    Aber da wird unsere sozialistischen Merkel sicher die Entwicklungshilfe die China ja ohnehin bekommt (wofür eigentlich?) ganz sicher noch ein bißchen erhöhen
    Der Crash wird kommen und das dauer auch sicher nicht mehr lange.
    Leute kauft schon mal Vorräte, so lange es noch halbwegs geht.
    Habe gerade festgestellt, dass die Lebnesmittelpreise gesteigen sind und nicht zu knapp.

  4. tomorrow sagt:

    China hat sich mit billigen Kreditlinien, vergeben an „Investoren“, vorwiegend im Bausektor verkalkuliert. Die hoch gerechneten, neuen Urbanisierungsprojekte, Städtebau für Millionen Einwohner und städtische Infrastruktur, sind eine Investition in eine Zukunft, die jetzt noch gar nicht stattfindet.
    Was davon bleibt, sind fertig gestellte und bezugsfertige Neubauten ohne Bevölkerung.
    Alle Planung war auf exorbitantes Wachstum ausgerichtet. Das rächt sich jetzt.
    Aus diesem Traum wurde ein Alptraum mit zig aus der Retorte gehobenen Geisterstädten. Die Unsummen verschwendeten Kapitals hätte man sinnvoller in moderne Landwirtschaft und Bergbau investieren können.
    Leider ist nachhaltige Investition von Mitteln, ein Fremdwort für Spekulanten.

    Wenn man diese Immobilien Investitionen für die kommende Boom-Phase retten will, sind wieder Milliarden an Unterhalts- und Sanierungskosten fällig. Denn wenn man nicht heizt und die Infrastruktur nicht entsprechend benutzt, wird sie in kurzer Zeit marode.

    China als „Werkbank“ der Welt hat viele eigene strukturelle Probleme, die ohne die Finanzkrise nicht so augenfällig wären. Aber an der allgemeinen Situation in Bezug auf Welthandel und Finanzen gesehen, sind sie sowohl Opfer und Täter zugleich.

  5. Gerhart Becker sagt:

    Wer geglaubt hat, China könne immer mit 10 % Wachstum pro Jahr weitermachen, bis es ihnen so gut geht wie uns im Westen, hätte sich sowieso mal die absoluten Zahlen reinziehen müssen. Unabhängig vom Kapital gibt es einfach nicht genug Energie.

    China steht nun kurz vor gewaltigen Problemen im Inneren:

    1. Wird das Volk nicht mehr ruhig gehalten werden können, wenn es das üppige Wachstum nicht mehr gibt, und sie werden nicht zurück aufs Fahrrad wollen, sondern um sich schlagen.

    2. Werden die USA die Gunst der Stunde nutzen und den Iran erobern. Das von manchen erwartete Eingreifen Chinas wird sich als leeres Gebell erweisen, da sie vollkommen überschätzt werden. Ein Flugzeugträger ohne Flugzeuge nur mal als Beispiel.

    Es wird also aus mindestens diesen beiden Entwicklungen große Unruhen in China geben, was den Absturz dann nur noch beschleunigt.

    Russland wird ruhig bleiben, so eine interessante Einschätzung in einem englischen Forum gestern, weil sie sich mit den USA gut arrangieren können. Russland hat mehr als genug eigenes Öl und Gas, und USA hat nach der Eroberung des Iran das gesamte Nahost-Öl für sich.

    Der lästige Störfaktor China ist dann ausgeschaltet, und es bleiben USA und Russland als Supermächte, die alles für sich aufgeteilt haben und damit zufrieden und glücklich sein werden.

    Alle anderen sind dann unbedeutend und müssen sehen, wo sie bleiben. Einzig Deutschland kommt in dieser Darstellung gut weg, weil es nach der Auflösung der EUR wieder kraftvoll wirtschaften wird und den beiden Großen viel Nutzen bieten.

    Rohstoffe hat Russland dann selbst genug und USA bekommt die aus Australien, das nach dem Wegfall seines bisherigen Geldgebers China über die Wupper geht und froh über jeden Frachter mit Erz ist, den die USA ihm abkaufen.

    Die neue Welt somit: USA und Russland ganz groß, Deutschland als von beiden gern geduldeter Helfer mit seiner Wirtschaftskraft und seinen technischen Fähigkeiten.

    Der Rest der Welt klein und unbedeutend

  6. PITderAdler sagt:

    Ja, es können Wetten aufgegeben werden. Wo beginnt der Crash? Europa, Amerika, Cina? Dass er bald kommt ist gut. Seid ihr vorbereitet?

  7. lowabras sagt:

    Es scheint vielen sehr gut zu tun, sich mit Problemen Anderer zu beschäftigen.
    Doch ohne jegliche Kompetenz macht das Aufzählen irgendwelcher Probleme wenig Sinn. Schon gar keinen Sinn macht der Versuch die möglichen Auswirkungen zu diskutieren.
    Es ist also sicher sinnvoller, sich weiterhin mit den Problemen zu beschäftigen, zu denen zumindest eine entsprechende Nähe besteht, obwohl auch hier oft die Kenntnisse über die Dinge hoffnungslos unzureichend sind um sinnvoll diskutieren.

    • tomorrow sagt:

      Aber so ein kleines Bisschen kommentieren dürfen die restlichen 99,9% der Leser der DMN nocht, oder?

      Manche Leute beschäftigen sich besser mit sich selbst und tun gut daran, dann ist die maximale Nähe zu den Problemen gewährleistet.
      Vorausgesetzt man kennt sich selbst und ist nicht hoffnungslos unzureichend, um sich sinnvoll zu reflektieren.

      Im Übrigen enthält Ihr Kommentar auch keine neuen, vernünftigen Vorschläge zur Verbesserung der Gesamtsituation. Hmm?.

  8. Kein Eurofan sagt:

    Ueberall auf der Welt stinkt es immer mehr gewaltig zum Himmel. Pleite USA, EU-Pleitiers, Russen hauen mit ihren Kohlen auch ab, China hat eine Eiterblase, die arabischen Mittelalter-Staaten haben keine Perspektiven ausser beten und das Erdöl geht auch mal aus. Das ist mir alles langsam Wurscht und nach mir die Sintflut.

  9. Hans sagt:

    Niedrigere Zinsen helfen China jetzt auch nicht mehr weiter. Die Verluste aus den Kreditausfällen dürften die Gewinne der Banken vollständig auffressen. Die Banken werden jetzt jegliche Risikogeschäfte meiden, wie der Teufel das Weihwasser. Die Zeit wo jeden die Kredite hinterhergeschmissen wurden ist jetzt auch vorbei.

    Eher früher als später wird die Zentralregierung die Bailouts der Provinzen starten müssen. Sonst vergeben die Banken keine Kredite mehr an Provinzen. Und Pleite Provinzen können ein großes Problem bei der Inneren Sicherheit werden.

  10. ASTRO-WOLF sagt:

    Dieser „Credit-Crunch“ wird sich nicht nur in China heftig auswirken.

    Um an Devisen zu gelangen, ist die BOC gezwungen, US-Bonds im größeren Ausmaß abzustoßen – für die USA ein Fiasko. Europa wird wegen der „Euro-Dollarseilschaft“ mit in die Tiefe gerissen.

    China wird sich nach außen wieder abzuschotten versuchen – ob dies gelingen wird, wird sich weisen. Denn zu viele Provinzen wollen diesen KORRUPTEN Zentralstaat nicht mehr = Revolution + Zerfall?

    Die erste Dominosteine fallen hörbar – die nächsten folgen meist deutlich schneller….