Banken misstrauen einander: Rekordeinlagen bei der EZB

Montagnacht erreichten die eintägigen Einlagen der europäischen Banken bei der EZB ein Rekordhoch von fast 412 Milliarden Euro. Ein Indiz dafür, dass die Finanzinstitute einander weiter stark misstrauen und der EZB-Langzeit-Kredit bisher keine Sicherheit schaffen konnte.

In der Nacht von Montag auf Dienstag deponierten die Finanzinstitute bei der EZB 411,8 Milliarden Euro als eintägige Einlagen – ein Allzeit-Rekordhoch! Vergangenen Donnerstag lagen diese Einlagen bei 346,99 Milliarden Euro. Selbst der Rekordwert von 384,3 Milliarden Euro im Juni 2010 ist damit deutlich durchbrochen worden. Zwar sanken die eintägigen Ausleihen von 6,3 Milliarden Euro auf 6,1 Milliarden Euro, doch selbst diese Zahl ist noch immer sehr hoch.

Die extrem hohen eintägigen Einlagen zeigen, wie hoch das Misstrauen der Banken untereinander weiterhin ist. Statt sich beispielsweise gegenseitig im Interbankenmarkt Kredite zu vergeben, parken die Finanzinstitute lieber ihr Geld bei der EZB, auch wenn dort kaum Gewinne zu erzielen sind. Erst vergangene Woche vergab die EZB fast 500 Milliarden Euro in 3-Jahres-Krediten – eine Aktion, die ihres gleichen in der Geschichte der EU sucht (mehr hier). Experten gehen davon aus, dass ein Großteil dieser Kredite nun bei der EZB über Nacht geparkt wird. Dies und die Höhe der Einlagen verdeutlichen die nicht schwindenden Zweifel der Finanzinstitute, die neuen mehrjährigen Kredite der Europäischen Zentralbank könnten wirklich den Finanzsektor stabilisieren.

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Kommentare

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  1. Jochen sagt:

    Jetzt hatte die EZB mit ihrer dicken Geldspritze gehofft, dass die Banken die Schrottanleihen aufkaufen. Na, das ging ja mal wieder voll daneben.

    Dem Dax gefällt das auch nicht

    http://www.bwinvestment.de

  2. Charlotte sagt:

    So ein Unsinn, das hat doch nichts mit Misstrauen zu tun. Die EZB haut unbegrenzt Geld an die Banken raus, so ca ne halbe Billion in kürzester Zeit, die brauchen sich gegenseitig dann natürlich nicht mehr.
    Hätte diese unseelige EZB das nicht getan, hätten wir die EU schon hinter uns. Das wäre schlimm gewesen, hätte uns aber Schlimmeres erspart.