US-Finanzinvestoren auf Schnäppchenjagd in Europa

Inmitten der europäischen Krise nutzen amerikanische Investoren die Gelegenheit, Anleihen und Immobilien zu sehr günstigen Preisen zu kaufen. Auch, wenn sich gerade in den USA die Situation nicht bedeutend besser darstellt.

Die neuen Kapitalanforderungen zwingen die europäischen Banken, vermehrt Anleihen und Immobilienkredite zu verkaufen, um bis Juni 2012 das erforderliche neue Kapital aufzutreiben. Huw van Steenis von Morgan Stanley schätzt, dass die europäischen Finanzinstitute sich in den nächsten 18 Monaten von Anleihen im Wert von bis zu 3 Billionen Dollar trennen werden. Die Not der Banken, Kapital zu beschaffen, senkt die Preise für Anleihen und bringt sie dazu vor allem Immobilienkredite und Anleihen, die mit Besitztümern abgesichert sind, zu veräußern. Die amerikanischen Finanzinvestoren nutzen die Chance und gehen in Europa auf große Schnäppchenjagd (Rabatte sind an der Tagesordnung, viele Assets lassen sich nämlich nur schwer verkaufen – mehr hier).

So stimmte die Blackstone Group zu, der Commerzbank Immobilienkredite im Wert von 300 Millionen Dollar abzukaufen, die unter anderem mit dem Mondrian South Beach Hotel in Florida und vier Sofitel Hotels in Chicago, Miami, Minneapolis und San Francisco abgesichert sind. Während in Europa viele lieber die Finger von diesen Anleihen lassen, aus Unsicherheit über die wirtschaftliche Situation und die Euro-Krise, „denken wir, wir kaufen gute Unternehmen mit sehr gutem Wert“, sagt Stephen A. Schwarzman von der Blackstone Group. „Es gibt eine deutliche Restrukturierung und ein zunehmendes Schrumpfen der Europäischen Finanzinstitute“, sagt Timothy J. Sloan von Wells Fargo, „viele Anleihen, die zu haben sind, befinden sich in den USA. Wir halten unsere Augen und Ohren offen“. Wells Fargo kaufte vergangenen Monat von einer Bank in Irland Immobilienkredite im Wert von 3,3 Milliarden Dollar. Aber nicht nur Finanzinstitut kaufen. Google erwarb beispielsweise das Montevetro Gebäude in Dublin von Irlands National Asset Management Agency, die das Gebäude nach der Bankenrettung erhalten hatte.

Selbst vor Ländern wie Spanien und Griechenland fürchten sich die Investoren nicht. „Wenn keiner willig ist, über die Felsen zu klettern, genau dann macht man außerordentliche Gewinne“, erklärt Nathaniel Zilkha von Kohlberg Kravis. „Die Marktstörung in Griechenland generiert bedeutende Vorteile, die sonst nicht möglich wären“. Ein kleiner Wermutstropfen für die europäischen Banken: Einerseits erhalten sie durch die Verkäufe frisches Kapital und andererseits schrumpfen gleichzeitig ihre Anleihen. Da sich die Kapitalanforderungen auch auf das Anleihevolumen der Banken beziehen, müssen sie im Umkehrschluss insgesamt weniger Bargeld auftreiben.

Doch auch das Handelsgeschäft an der Wall Street, so Christopher Kotowski von Oppenheimer, wird wieder vermehrt Firmen wie JP Morgan Chase, Citigroup und Goldman Sachs anziehen. Was er vor allem darauf zurückführt, dass große europäische Banken sich selbst von diesem Geschäft derzeit zurückziehen. So beispielsweise französische Banken wie Crédit Agricole und Société Générale (sie leiden unter den gekürzten Krediten der amerikanischen Geldmarktfonds – mehr hier).

Die Lust an der europäischen Schnäppchenjagd lässt viele amerikanische Finanzinvestoren ihre eigenen Probleme schnell vergessen. Auch Wells Fargo und JP Morgan leiden unter neuen Finanzmarktregulierungen (nicht einmal die erhoffte Debit-Card Fee hatte Erfolg – mehr hier). Ganz zu schweigen von MF Global, das aufgrund seines großen Engagements in Europa Ende Oktober Pleite ging. „Jeder wird Bestände kürzen und so die Kapitalanforderungen sinken lassen, aber die Europäer werden das mehr tun müssen“, so Christopher Kotowski. Seiner Meinung nach hätten die amerikanischen Finanzinstitute den Vorteil, dass sie aufgrund der Finanzkrise 2008 bereits viel schneller mit höheren Kapitalanforderungen konfrontiert wurden.

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Kommentare

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  1. squarepusher sagt:

    Drauf habe ich schon lange gewartet: die USA kaufen Europa auf, weil man hier nur noch wie ein blindes Huhn agiert. Am Ende gehören dann die wichtigen Konzerne den USA. Prima gemacht, dafür sollte man Barroso und Konsorten herzlichst danken.

  2. Kanzlei Stolpe sagt:

    Wo gibt es denn hier „Immobilien zu sehr günstigen Preisen“? Bin für jeden Tipp dankbar. Bitte keine Sanierungsfälle, keine Kasernen, ohne Maden.

    • FDominicus sagt:

      Rein prinzipiell in weiten Bereichen des Ruhrgebiets. Frage ist natürlich bekommen Sie dort Ihre Immobilien vermietet. Schauen Sie aber mal Richtung, Hagen, Dortmund, Bochum etc und Sie werden extrems günstige Preise finden.

  3. murksel sagt:

    ZItat:
    Die neuen Kapitalanforderungen zwingen die europäischen Banken, vermehrt Anleihen und Immobilienkredite zu verkaufen, um bis Juni 2012 das erforderliche neue Kapital aufzutreiben.

    Was ich ( als absoluter Laie ) nicht verstehe , ist:
    1) dass die EZB die Banken in der EU mit Geld sozusagen geflutet hat.
    2) das diese Banken jetzt pausenlos eintägige Einlagen in Rekordhöhe bei der
    EZB tätigen.
    3) und nun fehlt diesen Banken das Geld für die jetzt höheren geforderten
    Kapitaleinlagen.
    Wer kann mir diesen Widersprüch erklären ?

    • Fridolin sagt:

      1) EZB flutet Banken mit Geld = verzinster Kredit
      2) Die geforderten Kapitaleinlagen z.B. auf zweifelhafte Staatsanleihen sind Eigenkapital, was die Banken nicht haben, und mögen sie noch so viel Kredit bekommen.

  4. tomorrow sagt:

    So wie sich der Artikel liest, sind die Verluste der Einen, die Gewinne der Anderen.
    Wäre das gesundes Unternehmertum, könnte man sich über eine Marktwirtschaft freuen. Weil es aber nur ein Verschiebebahnhof der Finanzindustrie ist, tröstet der Umsatz nicht mal über den nächsten Tag. Im Grunde hat sich diesbezüglich nichts verbessert. Die Geldgeier machen immer noch, was sie wollen und keiner gebietet ihnen Einhalt. Gewinne einstreichen, Verluste sozialisieren, ist die Logik des Finanzgeschäfts.

    Erst qualmt es, dann brennt es und am Ende sollen die Ruinen gelöscht werden.
    Eben nicht um das Haus zu retten, sondern um zu verhindern, dass sich der Brand ausbreitet. Es ist clever, wie einfach man die Leute ruinieren kann. Im schlimmsten Fall zahlt die Versicherung NICHT.

    Das wird fortgeführt, bis den Menschen der Kragen platzt. Grrr.

  5. khaproperty sagt:

    Ja, auch.
    Aber das Grundproblem liegt darin, daß gegenwärtig global umgeschichtet wird:

    – von Staatsanleihen jeglicher Art, die schließlich nichts anderes sind als Blankokredite ohne jede Sicherheit (anschaulich bei PIIGS und etlichen Bundesstaaten in USA)

    – in Asset-backed-Securities wie etwa hypotheken- oder gar kleinkredithinterlegten Anleihen, egal woher.

    Hinsichtlich der anstehenden Volumina bedenke man, daß über 90% der Kapitalmarktschulden in nicht verifizierbaren Bilanzen lokalisiert sind – ohne Sicherheiten, zwei Drittel davon bei den Staaten weltweit.

    Weil sich die überkommenen Gewißheiten umzudrehen beginnen, wonach etwa Staatsanleihen (mindestens wesentlicher Industriestaaten) Prime-Standard genießen, wollen nun mehr hinaus als hinein. Dieser Trend ist seit der Krise 2008 virulent, was naheliegt bei der idiotischen Staatsverschuldung, welche sich bald alle Länder zur Rettung auferlegten, um den Marktgesetzen entkommen zu können. Nun holen dieselben sie erneut ein, was absehbar war.

    • hunsrückbauer sagt:

      wer sagt denn, dass die amtierenden regierungen denen entkommen wollten? die wollten nur ein neues fass aufmachen, damit es weiterhin heißt „fait votre jeux“ bis zum nächsten „rien n´vas plus“…

      es wird alles vertickert, was sich in den händes des volkes befindet….und bevor der mob wach wird ist alles weg……