Krise erreicht europäische Pharmaindustrie

Viele Krankenhäuser der hochverschuldeten EU-Staaten können ihre Arzneimittel-Rechnungen nicht bezahlen. Mit dem Andauern der Krise wächst nun auch das Misstrauen der Pharmaunternehmen, die sich mit Liquiditäts-Polstern oder einem Liefer-Stopp absichern.

++Aktuell: Drohung treibt Ölpreise in die Höhe++

Die Schuldenkrise drückt auf die Margen der Pharmaunternehmen, denn in Schuldenstaaten wie Griechenland, Italien, Spanien und Portugal hat sich die Zahlungsmoral massiv verschlechtert (auch in deutschen Unternehmen wird eine Abkühlung der Zahlungsmoral erwartet – mehr hier). So haben sämtliche Krankenhäuser der verschuldeten Staaten aufgehört ihre Rechnungen für Arzneimittel zu zahlen, berichtet FiercePharma. Einige sind mit ihren Zahlungen über drei Jahre im Rückstand. Bayer-Chef Marijn Dekkers spricht von Außenständen im dreistelligen Millionenbetrag.

Besonders in den Krankenhäusern Griechenlands ist die Lage infolge der Krise dramatisch (mehr hier). Um die Zahlungsrückstände auszugleichen hat Griechenland daher begonnen, Rechnungen mit Nullkuponanleihen zu zahlen. Für die Pharmaunternehmen ein schlechtes Geschäft, das ihnen immense Verluste einbringt. So haben unter anderem das australische Unternehmen CLS sowie Roche Anleihen akzeptieren müssen. Roche verkaufte die Anleihen mit einem Verlust von 26 Prozent. Doch wie CEO Severin Schan erklärt, hatte der Konzern keine andere Wahl – nun hätten sie das Geld zumindest in bar.

So verbreiten sich Unsicherheit und Misstrauen in der gesamten Pharmaindustrie. Einige Unternehmen haben daher mit einem Stopp der Medikamenten-Versorgung reagiert. Neben Roche hat auch Nycomed die Belieferung der Krankenhäuser, die mit ihren Zahlungen im Rückstand sind, eingestellt. Bayer hingegen sichert sich mit einer massiven Aufstockung seiner liquiden Mittel ab. Mit einem derzeitigen Liquiditätspolster von etwa 3,8 Milliarden Euro ist der Puffer nun fünfmal so hoch wie in Nichtkrisenzeiten.

In Spanien haben die unbezahlten Rechnungen so hohe Ausmaße angenommen, dass selbst Pharma-Chefs den Vorschlag die Schulden zu verbriefen unterbreitet haben. Viele Regierungen wie Frankreich und Deutschland reagieren mit Preissenkungen. Spanien hingegen hat zusätzlich eine Politik eingeführt, die Ärzten vorschreibt nur noch Rezepte mit generischen Medikamenten-Namen zu verwenden, um die Verkäufe der teuren Marken-Medikamente herabzusetzen.

Mehr zum Thema:
Britischem Gesundheitssystem droht Zusammenbruch
Griechenland: Krise in Textilbranche angekommen
2012 steht nun auch Schweiz Krise bevor

Kommentare

Dieser Artikel hat 36 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Werner sagt:

    Ach und Karl-Heinz:
    Nichts kopieren, damit blamiert man sich heutzutage meistens.

  2. sara sagt:

    Ich habe oft gegrübelt, warum in Deutschland so viele gegen die Pharmaindustrie wettern. Ich lande immer wieder bei 2 Gründen:
    1) Futterneid, weil dort sehr viel Geld vermutet wird
    2) ein völliges Unverständnis dafür, was die Natur ist und wie sie funktioniert.
    (ein Baum ist Chemie, ja, ja)
    Wer auch nur eine kleine Vorstellung davon haben möchte, wie weit man ohne moderne Medikamente käme, soll mal den Krimi „Icecold“ von Tess Gerritsen lesen. Die Autorin ist Ärztin und weiss somit, wovon sie redet, wenn sie die Situation nach einem Unfall ohne zur Verfügung stehende Medikamente beschreibt.
    Aber die hier entsprechend Wetternden werden bei einem Unfall sicher auch die Anwendung sämtlicher Produkte der Pharmaindustrie strikt ablehnen. Wäre ja sonst komplett heuchlerisch. Viel Spaß beim qualvollen Dahinsiechen.

  3. squarepusher sagt:

    Unglaublich, was da noch auf uns zukommen kann und vermutlich auch wird. Vor wenigen Wochen hätte man nicht vermutet in welche „Täler“ (hier Pharma) die Krise mäandert. Man denkt meistens an Banken und ähnliche Institue, Finanzagenturen und an die allgemeine sichtbare Wirtschaft. Ich denke uns allen ist klar geworden ist, dass dieser Zustand bald auch hier krassieren wird. Was dann? Seltsam still ist es geworden, die Menschen, die ich kenne, glauben an garnichts mehr und sich sehr vorsichtig geworden. Sie schaffen Vorräte an, lassen sich Öfen bauen und suchen händeringend nach Agrarland. Dabei machen unsere Altvorderen auf positive Stimmung, malen einen Auschwung an die Wand, die Arbeitslosenzahlen sinken, usw. A propos Arbeitslosenzahlen: ich las, dass angeblich tausende von Arbeitsplätzen im Finanzbereich abgebaut werden/worden sind. Die Gesamtbeschäftigtenzahl der dt. Bank- und Finanzindustrie ist in 2011 um mindestens 120.000 gefallen. Quelle soweit ich noch weis war FAZ.net. Und wo ist der Niederschlag in der Statistik? Gibt es nicht! Wegmanipuliert? Man riecht es förmlich, dass die Zeit reif ist für den grossen Krach. Und der kommt in diesem Jahr ganz bestimmt. Es gibt kein zurück!!

  4. Marc sagt:

    Es wird heiter werden, schlimmer noch…..

  5. ahnungsloser sagt:

    Ich wäre nicht so schadenfroh, vielleicht sind die Deutschen Mittelstandsnachrichten auch bald an der Reihe !

    • redakteur sagt:

      Wir sind nicht schadenfroh, sondern berichten, was Sache ist. Wir sehen unsere Aufgabe als Dienstleistung am deutschen Mittelstand. Jeder kann sich dann seine Meinung bilden, unser Job besteht darin, die Nachrichten zu überbringen. Die Redaktion

      • ahnungsloser sagt:

        Ich muss leider noch etwas dazu los werden, ihr hattet vor kurzem einen Artikel über Nachforderungen von griechischen Parlamentariern eingestellt.
        Diesen hatte ich im Griechenlandblock verlinkt und musste mich anschließend von diesem Block belehren lassen dass dies nur ein Teil eines längeren Artikels war, aus welchem auch hervorging wo die einzelnen Klagen der Parlamentarier anhängig sind und mit welchen Aussichten auf Erfolg. Also bitte nicht die beleidigte Leberwust spielen. Durch Kürzen eines Artikels kann nun mal ein ganz anderer Sinn entstehen.

        • redakteur sagt:

          Danke für den Hinweis, wir haben den Griechenland Blog jetzt auch als Quelle in dem Artikel verlinkt. Die Redaktion