US-Notenbank unterstützt EZB diskret beim Gelddrucken

Durch Euro-Dollar-Tauschgeschäfte (Swaps) erwirbt die Europäische Zentralbank bei der amerikanischen Notenbank Dollar-Kredite, die sie den Banken zur Verfügung stellt. Über diesen Umweg können die Banken wieder vermehrt Staatsanleihen kaufen – was die niedrigen Zinsen bei den italienischen Papieren erklären könnte. Dies ist ein gefährliches Spiel - ohne jede politische Legitimität.

Über die relativ niedrigen Zinsen der italienischen Staatsanleihen haben sich viele Beobachter gewundert (mehr hier); schon beim plötzlichen Silberstreif für spanische Papiere (mehr hier) musste man sich fragen, woher der Wind weht. Die Rahmendaten haben sich in den unter Druck geratenen Ländern ja nicht über Nacht geändert. Zwar gab es entschiedene Sparpläne (in Spanien – hier; in Italien – hier). Aber deren Durchsetzung muss erst gelingen (und daran zweifeln nicht wenige – hier).

Immerhin hat das vorweihnachtliche Kreditgeschenk der Europäischen Zentralbank (hier) mit Sicherheit die Spielräume der Banken erleichtert. Und der höchst abstrakte Fiskal-Pakt hat der EZB gewissermaßen die Tür zum Gelddrucken aufgestoßen (wie das geht – hier).

Nun stellt sich jedoch heraus, dass auch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) der EZB tatkräftig beim Gelddrucken hilft. Dies hat bisher noch für wenig öffentliche Furore gesorgt (die FAZ als einzige deutsche Zeitung erwähnte die Aktion, jedoch eher beiläufig – hier). Ein Artikel des ehemaligen Präsidenten der Federal Reserve von Dallas, Gerald O’Driscoli im Wall Street Journal lenkt den Blick jedoch auf diese diskrete Partnerschaft.

O’Driscoli hält den Vorgang für „moralischen Hasard“. Denn es sei unzweifelhaft nicht die Aufgabe der Fed, europäische oder japanische Banken zu retten. Vergleichbare Vereinbarungen gibt es auch mit der japanischen, der kanadischen, der britischen und der Schweizer Notenbank.

Die Konstruktion sind sogenannte Swaps: Also Tauschgeschäfte, bei denen die EZB Dollar-Kredite von der Fed erhält und diese wiederum an die Banken weiterreichen kann. Damit wird es möglich, dass die Geldmenge erhöht wird, ohne dass die Bilanzen belastet werden. Denn diese Swaps gelten bilanzrechtlich nicht als Kredite. Per 21. Dezember hatte die Fed bereits Swap-Geschäfte in der Höhe von 62 Milliarden Dollar zu berichten. Hinzu kommen noch 33 Milliarden Dollar für die europäischen Banken, die aber nur in den Berichten der EZB auftauchen – weil sie von der EZB erst am 22. Dezember gebucht wurden. Dies geschah praktischerweise nach der Berichtswoche der Fed.

Den Europäern sind diese Swap-Geschäfte bestens bekannt: Als 2009 auf das Bohren von Eurostat bekannt wurde, dass Griechenland tatsächlich viel höhere Schulden hatte als gemeldet, konnte die Differenz auf genau solche Swaps zurückgeführt werden. Erfunden wurden diese Deals von Goldman Sachs. Die Investment-Bank hatte Griechenland bei der blitzsauberen Darstellung seiner Staatsfinanzen beraten. In der fraglichen Zeit wirkte an führender Stelle für das Europa-Geschäft ein gewisser Mario Draghi. Er ist heute Chef der EZB.

Das Beispiel Griechenlands illustriert, dass die Swaps vor allem einem Zweck dienen: Der Verschleierung des tatsächlichen Schuldenstands in einem Haushalt. Genau dort setzt auch die Kritik von O’Driscoli an: Es gäbe keine Transparenz, und die Fed überschreite damit bei weitem ihre eigentliche Aufgabe. Diese bestehe nicht in der Rettung von anderen Volkswirtschaften oder internationalen Banken. Der ehemalige Notenbanker ist daher auch erstaunt, dass Fed-Chef Ben Bernanke den amerikanischen Kongress über diese Aktivitäten im Dunklen gelassen hat. So habe Bernanke republikanischen Senatoren am 14. Dezember ausdrücklich gesagt, die Fed habe weder „die Absicht noch die Autorität, Europa zu retten“. Just in dieser Woche waren die Swap-Linien von 2,4 Milliarden Dollar auf 54 Milliarden angestiegen.

Für die EZB hat die Methode den kurzfristigen Vorteil, dass sie das europäische Bankensystem und einige europäische Staaten aus der unmittelbaren Gefahrenzone eines Kollaps‘ bugsieren kann. Langfristig freilich ist das ein riskantes Spiel: Es belastet die Bilanz der EZB (mehr hier) und kann, wenn das Geld am Ende doch nicht reicht, den europäischen Steuerzahlern zum Verhängnis werden. Offenbar ist die EZB jedoch zu solchen Manövern gezwungen, weil die Bundesbank am Ende ihrer Möglichkeiten zur Rettung Europas angekommen ist (mehr hier).

Den geplagten europäischen Regierungen kann der Trick dennoch ganz gelegen kommen: Es ist zweifelhaft, dass viele das Spiel überhaupt durchschauen. Und manch ein ratloser Europäer mag erleichtert sein, dass das Finanzsystem weiter funktioniert (die Franzosen befürworten ohnehin alles, was ihnen wirklich einschneidende Reformen erspart – mehr hier).

Darin besteht vermutlich die größte Gefahr der heimlichen Geldmengenvermehrung: Dass die Methode nämlich zur Gewohnheit wird und alle Beteiligten in der trügerischen Sicherheit wiegt, dass die „Krise“ nur ein Spuk sei, der auch diesmal wieder so schnell verschwinden würde wie er gekommen ist.

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Kommentare

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  1. Sakrihittn sagt:

    Man kann es drehen und wenden wie man will. Das Finanzsystem funktioniert nicht mehr und gehört total umgeschrieben…Die Schulden sind nicht mehr in den Griff zu bekommen, Steuern usw. steigen, sprich Inflation, die Wirtschaft bricht langsam aber sicher ein und dann können sie den kleinen Mann auch nicht melken. Das absolute Wirtschaftswachstum gibt es nicht und wird es nie geben, irgendwann ist Schluss und da unser ganzes System darauf aufgebaut ist bricht es mit ein. Oder man ändert es nach dem Crash oder fängt danach wieder von vorne an…es gibt nur diese zwei Varianten, die Frage ist nur ob die Menschen verstehen wer mit diesem jetztigen System immer draufzahlt und ob sie bereit für eine Änderung zu kämpfen.

  2. Richter sagt:

    das Geld wird immer weniger. Es scheint als ob ein großer Zauberer am Werk ist – aber dem ist nicht so. Die Vermögen über eine Million wachsen schwindelerregent. Eigentlich müssten die Regierungen die Vermögen ersatzlos einziehen. Aber wir können den Mitgliedern der Regierung das nicht selbst überlassen, sie sind ja keine Selbstmörder. Die völker müssen erst die demokratische Diktatur der Reichen(Vermögen über 500000) beenden. aber darauf können wir bei einer sogen. christlichen Regierung lange warten. Sie haben ja noch nie die Bibel ganz gelesen. Da wurden schon nvor vielen Jahren die Geldwechsler aus dem Tempel geworfen und Staat soll nur den Zehnten als Steuer von seinen Untergebenen nehmen und nicht fast 50%.

  3. N38001 sagt:

    Es gibt keinen bedeutsamen Bereich, wo die Wirtschaften der Eurozone und des Dollarraums noch Wachstum generieren könnten. Auch die Rationalisierung hat im Westen ihren Endpunkt erreicht. Das weiß jeder, der in der Privatwirtschaft arbeitet.

    Da steht der asiatische Raum erheblich besser da, und das Wachstum ist nach wie vor dynamisch mit Chinas 9 Prozent. Doch die westlichen Konzerne finden da keinen Tritt.
    Das wirtschaftliche Epizentrum verschiebt sich mit Gewalt, und das schafft die Unruhe.

    Digitalisierung, Deregulierung der Finanzmärkte und Öffnung der Binnenmärkte für Chinaprodukte waren der Turbo bei der Fahrt gegen die Wand.

    Deshalb hängt der Moloch nun am Kapitalmarkt wie an einem Tropf.

    Burnout!

    • Chrissy sagt:

      na das ist aber eine sehr oberflächliche Sicht der Dinge. Es wird immer klarer, dass Manipulatioin dahinter steckt. Mit einem gewissen Zweck.

      Mittlerweile darf man den fast schon nicht mehr nennen, man wird sofort abgekanzelt.

  4. N38001 sagt:

    Es gibt keinen bedeutsamen Bereich, wo die Wirtschaften der Eurozone und des Dollarraums noch Wachstum generieren könnten.

    Auch die Rationalisierung hat im Westen ihren Endpunkt erreicht.

    Das weiß jeder, der in der Privatwirtschaft arbeitet.

    Da steht der asiatische Raum erheblich besser da und das Wachstum ist nach wie vor dynamisch mit Chinas 9 Prozent.

    Doch die westlichen Konzerne finden da keinen Tritt.

    Das wirtschaftliche Epizentrum verschiebt sich mit Gewalt und das schafft die Unruhe.

    Digitalisierung, Deregulierung der Finanzmärkte und Öffnung der Binnenmärkte für Chinaprodukte waren der Turbo bei der Fahrt gegen die Wand.

    Deshalb hängt der Moloch nun am Kapitalmarkt wie an einem Tropf.