China: Lokale Regierungen kämpfen gegen den Kollaps

In Chinas Regionen ist die Lage offenbar dramatisch: Wegen der gigantischen Infrastruktur-Bauten sind ihre Projektgesellschaften mit fast 800 Milliarden Dollar überschuldet. Auch mehrere Banken könnten in den Strudel geraten.

Die lokalen Regierungen in China sind aufgrund von riesigen Infrastrukturprojekten maßlos überschuldet. Aufgenommene Bankkredite können kaum abbezahlt werden und auch für die Banken stellen diese Kredite ein großes Problem dar. Ohne Eingreifen der chinesischen Regierung könnte diese Krise ungeahnte Folgen mit sich bringen.

Die lokalen Regierungen in China tragen die Hauptlast der Infrastrukturprojekte, die die chinesische Regierung in ihrem 5-Jahresplan bis 2015 vollendet sehen möchte. Das Problem: Die lokalen Regierungen sind maßlos überschuldet, doch sie müssen weitere Kredite aufnehmen, um die großen Projekte zu beenden. Alles in der Hoffnung, dass diese später Erträge erzielen, mit denen die Schulden zurückgezahlt werden können. Yao Wei, Ökonomin der Société Générale SA in Hong Kong schätzt, dass zur Fertigstellung der Infrastrukturmaßnahmen noch weitere 7 Billionen Yuan benötigt werden.

Dem Nationalen Rechungshof Chinas zufolge gibt es insgesamt 6576 so genannte Finanzierungsinstrumente (Finanzgesellschaften) lokaler Regierungen. Diese, so die offiziellen Stellen, seien mit 782 Milliarden Dollar (4,97 Billionen Yuan)verschuldet. Das ist mehr als dem Europäischen Stabilitätsmechanismus zur Verfügung stehen wird (und hier kommen schon Zweifel an dem Instrument auf – mehr hier). Die Nachrichtenagentur Bloomberg kommt jedoch zu ganz anderen Ergebnissen. Aus einer Untersuchung Bloombergs von im Jahr 2011 veröffentlichten Anleihe-Prospekten von nur 231 dieser Finanzgesellschaften der lokalen Regierungen ergab sich eine Verschuldung dieser 231 Finanzgesellschaften von 622 Milliarden Dollar (3,96 Billionen Yuan). So gesehen würden allein die 231 betrachteten Finanzgesellschaften bereits zwei Drittel der Schulden aller 6576 Finanzgesellschaften angehäuft haben!

Eines dieser riesigen Bauprojekte ist Yujiapu in Tianjin, 160 Kilometer südöstlich von Beijing. Hunderte Kräne und dutzende Hochhaus-Stahlskelette lassen nur erahnen, wie die  15,2 Millionen Quadratmeter große Bürolandschaft nach dem Vorbild Manhattens einmal aussehen könnte. Insgesamt rechnen Beamte in Tianjin mit fast einer halben Billion Yuan, die benötigt werden, um Yujiapu zu bauen.

Die 231 Finanzgesellschaften der lokalen Regierungen, deren Prospekte Bloomberg untersucht hat, konnten in diesem Jahr 354,1 Milliarden Yuan durch den Verkauf von Versicherungen aufbringen. Besitzen jedoch gleichzeitig, so Bloomberg, Kreditlinien in Höhe von 2,3 Billionen Yuan, die jetzt abgerufen werden müssen. Die verkauften Versicherungen sind erste Ergebnisse der von der chinesischen Regierung ergriffenen Maßnahmen. China drängt derzeit die lokalen Regierungen dazu, Anleihen zu verkaufen. Dies wird durch ein Pilot-Projekt erleichtert, womit es Städten wie Shanghai und Shenzen neuerdings erlaubt wird, zum ersten Mal Anleihen direkt ausgeben zu können. Aber aufgrund ihrer mittlerweile fragwürdigen Kreditwürdigkeit, haben die lokalen Regierungen der Financial Times zufolge Schwierigkeiten, Anleihen zu verkaufen.

Die Banken, die diese Kredite vergeben haben, sind in keiner besseren Lage. Die China Construction Bank beispielsweise hat bis Ende Juni nach eigenen Aussagen 43 Prozent der 580 Milliarden Yuan, die bei der Bank für diese Kredite vorgesehen sind, vergeben. Charlene Chu von der Ratingagentur Fitch geht allerdings davon aus, dass die Banken hinsichtlich dieser vergebenen Kredite ein viel größeres Risiko angehäuft haben, als sie selbst offenlegen.

Die sinkenden Preise für Immobilien, die vor allem durch den Bauboom ausgelöst wurden (mehr hier), verschlechtern den Wert der verliehenen Kredite und die Banken sitzen auf schlechten Papieren, die kaum Erträge bringen. Die Unterstützung der chinesischen Banken hat bereits unter anderem durch Kapitalzuschüsse, Kürzung der Kreditrücklagen (mehr hier) und durch eine Zinssenkung der People’s Bank of China begonnen. Experten erwarten jedoch eher eine hohe Bankenrekpitalisierung, um diesem Problem zumindest einigermaßen Herr zu werden.

Langsam wird auch einigen Offiziellen diese tickende Zeitbombe deutlich. Xie Duo von der chinesischen Zentralbank sprach in einer Konferenz Ende November in Beijing davon, dass die immensen Schulden der lokalen Regierungen das Wirtschafswachstum negativ beeinflussen werde. Die chinesische Bankenaufsichtsbehörde forderte indes die Banken auf, die risikoreichen Kredite zu kontrollieren, auch wenn dies bedeute, dass vielleicht einige Projekte keine Finanzierung mehr erhalten werden.

Doch mancherorts werden die Entwicklungen mit traditioneller Gelassenheit gesehen: „Das Geld, dass die lokalen, chinesischen Regierungen geliehen haben, ist nicht wie das Geld, dass die Menschen in Europa oder Griechenland geliehen haben“, sagt Huang Jifa von der Industrial & Commercial Bank of China Ltd. „Die von den chinesischen Regierungen geliehenen Gelder werden investiert. Viele Projekte werden Erträge bringen.“

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Kommentare

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  1. Tommy Rasmussen sagt:

    Karl Heinz: “Sie (China) scheinen felsenfest davon überzeugt zu sein, dass die Dollar-Hegemonie sehr bald vorbei ist und das angelsächsische Imperium untergeht.”

    Zusammenfassung :

    29.12.2011 – Straße von Hormuz: US-Flugzeugträger dringt in iranische Manöverzone ein – Die USA warnten, eine Schliessung des Seewegs «nicht zu tolerieren». Teheran hatte für den Fall eines Angriffs oder eines Exportverbots für sein Öl bereits mehrfach mit einer Blockade gedroht. US-und NATO-Einsatzkräfte in den Persischen Golf sind in Alarmbereitschaft, nachdem US-Geheimdienste warnen, dass iranische Marine Commandos darauf vorbereitet werden Minen in der Straße von Hormuz zu verteilen. Der iranische Admiral Mahmoud Moussavi riet ausländischen Streitkräften von außerhalb der Region, die „Warnungen des Iran ernst zu nehmen“ und nicht in das Manövergebiet einzudringen. Sperrung des Persischen Golfs bedeutet Krieg – Eine Sperrung der Straße von Hormus würde die Ölversorgung des Westens empfindlich treffen. Die Blockade des strategisch wichtigen Seeweges käme einer Kriegserklärung gleich – ein regionaler Flächenbrand wäre unvermeidlich. Bei einer Blockade des Wasserweges wäre eine Verknappung der Ölversorgung unvermeidlich, die Preise würden ruinös, besonders für die von der Krise gebeutelten Wirtschaften der westlichen Länder. Wenn die Iraner die Passage sperren und die Amerikaner sie – wie angekündigt – offen halten wollen, bedeutet dies mithin Krieg. Kaum vorstellbar, dass die USA und Israel in diesem Fall darauf verzichten würden, den seit langem erwogenen großen Schlag gegen die Atomanlagen und – mit dem Ziel eines Regimeswechsels – gegen die Infrastruktur Irans zu führen. Die Meeresroute wird von der US-Marine überwacht. Die dort stationierte Fünfte Flotte verfügt über mehr als 20 Kriegsschiffe – darunter Flugzeugträger – sowie Kampfflugzeuge. Die iranische Marine besteht aus 23 U-Booten und etwa 100 vergleichsweise kleinen Schiffen. Peking warnt vor militärischer Eskalation im Golf.
    http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/naher-osten-und-afrika/USFlugzeugtraeger-dringt-in-iranische-Manoeverzone-ein/story/14986398
    http://www.debka.com/article/21606/
    http://www.oe24.at/welt/See-Blockade-Droht-jetzt-ein-Oel-Krieg/51019443
    http://www.sueddeutsche.de/politik/iran-droht-mit-sperrung-des-persischen-golfs-blockade-bedeutet-krieg-1.1245868
    http://www.welt.de/politik/ausland/article13789383/Peking-warnt-vor-militaerischer-Eskalation-im-Golf.html
    http://www.arcor.de/content/aktuell/newsticker_rss/34266450,1,content,Iran+h%C3%A4lt+Seeblockade-Drohung+aufrecht.html

    06.12.2011 – China droht offen mit 3. Weltkrieg
    http://www.seite3.ch/China+droht+offen+mit+3+Weltkrieg+/519800/detail.html

    06.11.2011 – Israel hat Milliarden in Öl-Futures investiert – Wetten auf geheimes Wissen über bevorstehende Ereignisse, die zu Öl-Preissteigerungen führen.
    http://euro-med.dk/?cat=4

  2. Vitalmänchen sagt:

    nur mal einige Artikel, die einen schon dazu bewegen,
    sich Gedanken zu machen, ob unsere Gelassenheit nicht ein Fehler sein wird,
    den wir vielleicht bereuen.

    Vor lauter Angst, uns lustig zu machen, halten wir lieber alle die Klappe.
    Doch, lieber mache ich mich lustig, und verbreite Sachen,
    die vielleicht nicht eintreffen.
    Wenn aber doch, so würde ich mich ärgern, nichts gesagt zu haben.

    1. http://www.news.de/politik/855253251/finanzkrise-papademos-euro-desaster-wie-goldman-sachs-die-welt-regiert/1/

    2. http://www.theintelligence.de/index.php/politik/international-int/3779-der-krieg-gegen-den-iran-ist-beschlossen.html

    3. http://www.mmnews.de/index.php/wirtschaft/9141-gabriel-will-eu-total

    4. http://www.kopp-online.com/hintergruende/deutschland/redaktion/eurocrash-nachrichten-grossbritannien-bereitet-grenzschliessungen-vor.html

  3. Karl Heinz sagt:

    Zitat: „Das Geld, dass die lokalen, chinesischen Regierungen geliehen haben, ist nicht wie das Geld, dass die Menschen in Europa oder Griechenland geliehen haben“, sagt Huang Jifa von der Industrial & Commercial Bank of China Ltd. „Die von den chinesischen Regierungen geliehenen Gelder werden investiert. Viele Projekte werden Erträge bringen.“

    Ich gehe davon aus, dass die Chinesen nicht dumm sind. Sie investieren als ob es kein morgen gäbe. Sie müssen mit einer elementaren Wende im globalen Wirtschaftssystem rechnen und sie bereiten sich unbeirrt vor.

    Sie scheinen felsenfest davon überzeugt zu sein, dass die Dollar-Hegemonie sehr bald vorbei ist und das angelsächsische Imperium untergeht.

    • FDominicus sagt:

      Und natürlich ist bei den Chinesen alles anders. Schulden spielen keine Rolle.

      Sie können von was auch immer überzeugt sein. Bezahlen Sie Ihre Schulden nicht sind sie pleite. Und dann heisst es eben „Rette sich wer kann“..

      China ist eine Diktatur und jeder Diktatur gönn‘ ich nur genau eins: den Untergang.

      • hunsrückbäuerlein sagt:

        warst du schon mal da?
        ich meine in China?

        nein?

        ok, danke

        • FDominicus sagt:

          Danke man muß also die Diktaturen besuchen um darüber schreiben zu dürfen. Das ist interessant.

        • N38001 sagt:

          Sind Sie Banker? Nein? Ok. Danke.

          Es ist ja nicht so, daß keine Nachrichten aus China dringen.

          So gesehen, erübrigt sich auch das Zeitunglesen.

          • hunsrückbäuerlein sagt:

            und über wieviele Filter sind die Nachrichten gelaufen, denen sie glauben?

    • hunsrückbäuerlein sagt:

      gehen wir mal davon aus, dass Intelligenz, Schlauheit, Verschlagenheit, etc. statistisch weltweit gleichmäßig verteilt ist, dann hat China von allem doppelt soviel wie Europa und immer noch 1,5 * soviel wie Draghi´s und bernanke´s heerscharen.

      china forciert nicht erst seit gestern den niedergang des $. es investiert seine devisenreserven (=int. Zahlungsmittel=$) in infrastrukturprojekte in afrika (natürlich nicht selbstlos!) und alle afrikanischen handelspartner erzielen mit chiina handelsbilanzüberschüsse (die deals lohnen sich also) ganz anders die deals mit dem westen!

      china´s letzte große anti-$-coups waren das bilaterale handelsabkommen mit russland mit bezahlung in rubel und yuan; das abkommen mit japan mit bezahlung in jen und yuan.

      china ist stark in asien, nahezu alle länder machen gute geschäfte und profite mit china, anders mit den usa, s. o.

      china kann locker mehrere 100 mrd. us-$ auf den markt werfen um den $ zu drücken und dem ami die hölle heiß zu machen.

      china schränkt den export seltener erden weiter ein……wer nicht spurt kriegt keine mehr….das ist zwar nicht im sinne von liberalen märkten, aber sind die wirklich liberal?

      chinas menschenmassen wurden eine generation lang vom westen als verlängerte werkbank benutzt, ehemalige kolonien von vor 500 jahren sind heute noch der Fußabtreter westlicher sog. Demokratien. Ich kann mich nicht erinnern, dass China jemals Kolonialismus betrieben hat.

      • Holger sagt:

        und wie würden Sie die Besetzung Nepals nennen ? Ist dies keine Kolonie Chinas ? Geschäfte machen kann man mit China, aber zu welchem Preis ? Sehen Sie sich alleine die Katastrophalen Folgen aus dem Bau des Drei-Schluchten-Stausees an; Kulturgüter, Dörfer, Fabriken – einfach geflutet ohne vorher groß zu räumen. Im Endeffekt ist KEINER besser, egal aus welcher Richtung er kommt.

        • hunsrückbäuerchen gemacht sagt:

          betrifft sie das?

          wie?

          haben wir nicht genug Probleme unmittelbar vor der Haustür?
          Räumdienste, STrasseninstandhaltung, die Bahn, Leiharbeit, Zwangsarbeit, Altersarmut?

          aber den Blick in die Ferne schweifen…

      • hap sagt:

        China ist zur Zeit eine der größten Stützen für den Dollar. Bei mindestens 3% Inflation verlieren die Chinesen bei ihren Devisenreserven, sofern sie nicht verzinslich sind, für jede Billion, die sie besitzen pro Jahr 30 MRD $. Das sind direkte Zuwendungen an die Dollarschleudern. Wieviel Zinsen bekommen die Chinesen also im Gegenzug? Ich würde sagen nicht genug um auf einen tatsächlichen jährlichen Wertverlust von „nur“ 3% zu kommen.

        Dazu kommt, dass die Konsumgüterindustrie der Chinesen wahrscheinlich im Falle eines Krieges nichts mehr Wert sein dürfte.

        Es ist das selbe traurige Spiel, dass das „Weltfinanzsystem“ oder der „Industriell militärische Komplex“ bzw. die „Bilderberger“ oder die Gxx (alles dasselbe) ich würde sie die „Korpokratie“ nennen mit Hilfe der von ihnen besetzten Zentralbanken, Regierungen und Gerichte seit hunderten Jahren spielen.

        Wer’s nicht glauben will, sollte sich zumindest einmal diese Dokumentation anschauen: http://www.youtube.com/watch?v=JXt1cayx0hs.

        Es ist die lange Geschichte, wie ein System entstanden ist, welches Freiheiten kontrolliert und Macht konzentriert und nebenbei die Menschen ausraubt und versklavt.

  4. Frank Schmidt sagt:

    Anderes Thema :
    Was ist eigentlich mit der Kreditkartenblase? Wo alleine im Jahr 2008 die Schulden bei 950 Milliarden dollar lag ?
    Man hört davon gar nichts mehr, kann aber doch nur verschlimmert sein und die Blase müsste doch auch bald platzen.

  5. hunsrückbäuerlein sagt:

    jaja,

    die Propaganda-Karawane rollt weiter!

    immer mehr Länder wollen ihren Handel ohne den $ vorantreiben, das forziert die Propaganda, man kann es auch mathematisch ausdrücken.

    der Wert des $ verhält sich reziprok exponentiell zu seiner Propaganda……

    nach der Propaganda und den Kriegen in/gegen Guatemala, Nicaragua, 9/11, Afganistan, IRAQ, Somalia, Sudan, Elfenbeinküste, Tunesien, Egypt, Lybia, Syria, IRAN, Russland, China, ist der $ bald platt.

    so lange müssen wir sie aber noch ertragen.

    • Chris sagt:

      Wer schon den zweiten Satz mit Kleinschreibung beginn und „forziert“ und mathematisch in einem Satz durcheinander würfelt, dürfte kaum verstanden haben, was man im dritten Satz mit reziprok geschweige denn mit exponentiell meint! Da lehnt sich das Bäuerlein etwas zu weit aus dem Fenster!

      • hunsrückbäuerlein sagt:

        chris, du hast es doch verstanden, das alleine zählt doch, der rest ist nur drumrum