Monti: „Merkel soll den Deutschen die Vorteile des Euro erklären“

Der italienische Ministerpräsident Mario Monti erwartet weitere Turbulenzen an den Finanzmärkten. Die Lösung der Euro-Krise könne nur durch die EU geschehen. Der EFSF müsse erweitert werden. Über weitere Sparpläne in Italien hielt er sich bedeckt.

Bei der jährlichen Pressekonferenz zum Jahresende präsentierte der italienische Ministerpräsident Mario Monti das Programm „Wachstum für Italien“. Es sei nach Einsparungen von 30 Milliarden Euro im Haushalt nun vordringlich, dass Italien wieder auf Wachstumskurs komme. Dafür möchte Monti weitere Reformen des Arbeitsmarktes. Vor allem junge Italiener müssten wieder Jobs bekommen. Derzeit wird dies durch traditionelle gewerkschaftliche Vereinbarungen behindert, aufgrund derer Arbeiter in bestimmten Branchen praktisch eine Arbeitsplatzgarantie auf Lebenszeit haben.

Italien habe sich deutlich von „Griechenland weg und zu Brüssel hinbewegt“, sagte Monti. Daher erwarte er auch, dass die EU energische Schritte zur Lösung der Euro-Krise unternehmen werde. Er hält eine signifikante Aufstockung des Rettungsschirms EFSF für unerlässlich (schwer zu sagen, wer dafür zahlen wird – viel mehr dazu hier). Die Auffassung, dass es Italien allein nicht schaffen können, wird auch von einer Analyse der Intesa Sanpaolo gestützt. Italiens größte Bank, deren Chef noch bis vor kurzem der neue italienische Entwicklungsminister Corrado Passera war, schreibt: „Italiens Chancen, der Krise zu entkommen, sind mehr und mehr an die Entscheidungen gekoppelt, die auf der Ebene der EU getroffen werden.“ (Passera ist durchaus pessimistisch – mehr hier).

Monti zitierte bei der Pressekonferenz die „Süddeutsche Zeitung“ und sagte, er fasse es als großes Lob auf, dass man ihm in Deutschland ein deutsches Wesen nachsage, weil er „wenig in der Öffentlichkeit rede, seriös auftrete und keine Gerüchte verbreite“. Er wisse von der Skepsis der öffentlichen Meinung in Deutschland gegenüber Italien und habe daher Bundeskanzlerin Angela Merkel „gebeten, der Deutschen die Vorteile des Euro zu erklären“.

Ziemlich bedeckt hielt sich Monti denn auch im Hinblick auf weitere, noch härtere Sparmaßnahmen für Italien. Er scheut vor allem die Auseinandersetzung mit den Rentnern. Die Pensionsreform müsse so durchgeführt werden, „dass es zu keinen Spannungen“ kommt.

Er selbst erklärte dann den Italienern anhand eines Charts die Entwicklung der italienischen Staatsanleihen und interpretierte die Entwicklung so, dass „sich die Zinsen wieder nach unten entwickeln“ (bei der Auktion der zehnjährigen Papiere musste man allerdings schon genau hinsehen, um einen solchen Trend zu erkennen – mehr hier). Monti hält die hohen Zinsen jedoch für ungerechtfertigt. Es sei nicht zu begründen, dass Italien gleich hohe Zinsen zahlen müsse wie Spanien (mehr von der Pressekonferenz beim Corriere (italienisch) – hier).

Mehr zum Thema:
Euro-Länder müssen sich selbst retten
EFSF: Italien und Spanien bürgen für eigene Rettung
Monti will Eurobonds durchsetzen

Kommentare

Dieser Artikel hat 88 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  1. Margrit Steer sagt:

    Mit welcher Arroganz erdreistet sich der Banker Monti denn usnr Geld zu wollen?