Italien: Auch Katholische Kirche muss Steuer-Privilegien aufgeben

Mario Monti kämpft mit strengen Sparmaßnahmen gegen das Haushaltsdefizit Italiens an. Mit der neuen Grundsteuer soll jeder seinen Beitrag leisten. Auch die katholische Kirche wird zur Kassa gebeten.

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Die Grundsteuer in Italien kommt wieder – einer der Sparmaßnahmen von Premier Mario Monti, um Italiens Schuldenkrise in den Griff zu bekommen. Unter Berlusconi 2008 abgeschafft, soll die Wiedereinführung und gleichzeitige Erhöhung der Grundsteuer Italiens Staatskasse mit 11 Milliarden Euro füllen. Ein harter Schlag für 80 Prozent der Italiener, die ein Eigenheim besitzen. Doch nicht nur das Volk soll zur Kasse gebeten werden – auch die katholische Kirche hat mit einem Mal ein Problem. Diese genießt in Italien nämlich bisher einen Sonderstatus.

Die katholische Kirche zeigt sich kooperativ. Kardinal Angelo Bagnasco, Chef der italienischen Bischofskonferenz, zeigt Bereitschaft, den derzeitigen steuerfreien Status zu überdenken und Unterstellungen des Missbrauchs zu prüfen, berichtet der Radiosender NPR.

Zuvor hatte die Kirche jahrelang den Vorwurf von Steuerprivilegien zurückgewiesen. Doch es ist unumstritten, dass sie bezüglich gemeinnütziger und kultureller Organisationen eine Sonderstellung genießt. Hinzu kommt, dass die Regierung 2006 eine weitere Regelung für nicht-kommerzielle Gebäude, wie private Kliniken oder Klöster, erlassen hatte. Eine gefährliche Grauzone – so konnten kirchliche Besitztümer auch für kommerzielle Zwecke ausgenutzt werden.

Ein Vorwurf, der immer wieder und vor allen von Seiten der anti-kirchlichen Partei Radicali Italiani kommt. So trat die Radikale Partei mit einer Beschwerde, die Kirche ziehe unfaire wirtschaftliche Vorteile aus den Steuerbefreiungen, an die Europäische Union. Unter anderem unterstellen sie, Priesterwohnungen würden für kommerzielle Zwecke wie Bed and Breakfast benutzt. Erste Prüfungen der Europäischen Union im vergangenen Jahr ergaben, die steuerlichen Ausnahmen könnten womöglich gegen EU-Regeln verstoßen. Sollte sich die EU darauf festlegen, könnte der Kirche eine Rückzahlung aller bisher befreiten Steuern drohen.

Ganz presigeben möchte die Kirche ihre rechtliche Situation jedoch nicht. Andrea Riccardi, der Gründer der hoch angesehenen, im Sozialbereich tätigen Gemeinschaft Sant’Egidio in Rom, sagte dem staatlichen Fernsehen RAI. „Alle religiösen und kulturellen Aktivitäten der Kirche sind eine Bereicherung für den Staat und sollten daher nicht besteuert werden.“ Er unterstreicht jedoch, dass Missbräuche des Steuerprivilegs aufgedeckt und entsprechend verurteilt werden müssten.

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Kommentare

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  1. Gast44 sagt:

    Müssen Pfarrer, Prister, Bischöfe, Diakone, Kardinäle,usw. eigentlich auch Kirchensteuer bezahlen?