Deutsche Unternehmen: Rationalisierung statt Innovation

Nur drei von zehn Industrieunternehmen planen im nächsten Jahr zusätzliche Investitionen. Und auch diese sollen nicht zur Produktinnovationen als vielmehr auf Rationalisierung und Ersatz alter Maschinen verwendet werden.

Die Sorge um die wirtschaftliche Entwicklung der EU und das nicht absehbare Ende der Staatsschuldenkrise bewegt die deutschen Industrieunternehmen viel mehr zum Haushalten und Erneuern als zu zusätzlichen Anschaffungen. Nur drei von zehn planen überhaupt Investitionen in irgendeiner Art vorzunehmen.

Sowohl bei der Vorleistungsgüterindustrie als auch bei den Ge- und Verbrauchsgüterproduzenten sank die Investitionsbereitschaft für das neue Jahr. Das geht aus dem aktuellen DIHK Industriereport 2011/ 2012 hervor. So sank etwa im Sektor der Vorleistungsgüterindustrie die Investitionsbereitschaft der Chemischen Industrie um 17 Punkte und auch die Kunststoffindustrie und die Metallerzeuger ziehen sich im Vergleich zum Vorjahr stärker aus dem Investitionsgeschäft zurück. Bei den Ge und Verbrauchsgütern zeigt sich ein ähnliches Bild: Sowohl die Pharmaindustrie, das Druckgewerbe als auch die Hersteller von Schmuck, Spielwaren oder Sportgeräten wollen weniger investieren als noch vor einem Jahr.

Doch selbst wenn sich die Industrieunternehmen für Investitionen entscheiden, handelt es sich nicht etwa um Produktinnovationen, sondern vielmehr um den Ersatz von Maschinen etc. und um Rationalisierungen. 59 Prozent der deutschen Industriebetriebe gaben an, ihre Investitionen würden Modernisierung beispielsweise von Anlagen beziehungsweise den Ersatz dieser Anlagen betreffen. Zweitwichtigstes Ziel für neue Investitionen sind Rationalisierungen in den deutschen Industriebetrieben. Nur ungefähr jedes dritte Unternehmen gab an, einen Teil ihrer Investitionen in Produktinnovationen zu stecken. So überlegt auch lediglich ein Fünftel der Unternehmen, zusätzliches Personal einzustellen.

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Kommentare

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  1. Michele sagt:

    Wenn die Maschinchen die Arbeitseinkommen wegrationalisieren, wer soll letztendlich dann noch das von den Maschinchen erzeugte Zeugs kaufen?

    Wenn das weltweit geschieht (und es scheint nicht nur in Gemany so zu sein) dann könnte daraus eine grosse Enttäuschung für die Maschinchenbesitzer werden.

  2. hunsrückbäuerchen rülps sagt:

    verstaatlichen wir endlich die großunternehmen in D oder zerschlagen sie.

  3. cashca sagt:

    Deutsche Unternehmen: Rationalisierung statt Innovation

    Recht haben sie. Wer wird denn investieren, wenn er nicht mal mit einiger Wahrscheinlichkeit rechnen kann, das Geld jemals wieder zu sehen- zu erwirtschaften.
    Wer jetzt vorsichtig ist, tut erst mal das Richtige.

  4. General-Investigation sagt:

    Schon vor zwei Jahrzehnten hat ein kluger Mensch gesagt, das der Arbeitnehmer in der Produktion von Waren bald nicht mehr notwendig ist und so gut wie alles elektronisch gesteuert sein wird. Und genau das passiert gerade, denn man gibt doch lieber Geld für Maschinen aus, die man steuerlich geltend machen kann, was man mit Menschen nun mal nicht machen kann.

    Das aber der Mensch das Geld verdienen muß um die ganzen Produkte überhaupt kaufen zu können und somit die produzierten waren überhaupt vertrieben werden können, scheint sich bei vielen Unternehmer bislang nicht herumgesprochen zu haben.

    Dann regt man sich auf das es angeblich keine Fachleute gibt, doch wenn wir uns die Zahlen so anschauen haben etliche Millionen Menschen keine Arbeit (und dort sitzen Fachleute in Mengen), doch ist da das Problem, das der Unternehmer lieber Geld verdienen will statt seine Mitarbeiter auch vernünftig zu bezahlen – eben aus dem Grund das er diese Produkte die er selbst herstellt, sich auch leisten kann.

    Der Unternehmer Wolfgang Grupp – Chef des Familienunternehmens TRIGEMA – hat genau das sinngemäß gesagt: Wenn meine Mitarbeiter meine Produkte nicht kaufen können und zur billigen Konkurrenz gehen müssen, mache ich etwas falsch.

    Und er hat recht, denn für wen soll man denn sonst produzieren?
    Würde man auch wieder Qualität schaffen, die nicht nur einen Tag länger als die Garantie hält, wäre das noch besser. Lieber gebe ich für eine Waschmaschine 1500,- € aus und habe 20 Jahre Ruhe als das ich mir für 500,- € eine kaufe, die nach 2,5 Jahren ihren Geist aufgibt oder regelmäßig den Türschlossschalter defekt hat, der dann jedes Mal mit 70-80 € zu Buche schlägt.
    Heute geht es nur noch darum, schnell mit dem Unternehmen an die Böse zu kommen, das Unternehmen zu vergrößern bis zum geht nicht mehr und dann über Leichen zu gehen, damit die Aktionäre ordentlich die Taschen gefüllt bekommen.

    Wenn das die Zukunft ist, einen schönen Gruß an die Aktionäre, denn wenn bald niemand mehr Geld vereint, werdet Ihr auch nichts mehr verdienen, sondern nur verlieren. Nicht tun aber ordentlich Kohle einsacken wollen, das sind mir die richtigen.
    Aber das Spiel ist sicher bald vorbei…

    • schlaumeister sagt:

      Die Kurzsichtdenker sitzen ganz oben und wollen endlos abkassieren,
      nach mir die Sintflut, es geht beim homo sapiens immer nur weiter,
      wenn er durch Katastrophen lernt. Ein Planet der Affen wäre noch
      mit tierischer Weisheit gesegnet, leider haben wir es aber bei den
      Eliten mit hirnlosen Parasiten-Bandwürmern zu tun.

      • hunsrückbäuerchen rülps sagt:

        der deutsche michel und die deutsche micheline sind vor demenz sicher!, die hirnwäsche der kapitalistischen und politischen eliten ist dank ihrer erfolgreichen propganda gelungen.

        leute geht auf die strasse, kauft keine produkte von asozialen unternehmen, tretet aus der kriche aus, denn das ist eine der asozialsten organisationen, stürmt die banken und holt euer geld….

        • Michele sagt:

          hi, hi, und wenn wir den letzten Groschen von der Bank geholt und verkonsumiert haben, dann kann man sich am Lebensende keinen anständigen Sarg mehr leisten…Dann ohne Sarg ab ins Krematorium. Das holzverarbeitende Gewerbe muss dann innovativ rege werden.

    • Michele sagt:

      „Schon vor zwei Jahrzehnten hat ein kluger Mensch gesagt, das der Arbeitnehmer in der Produktion von Waren bald nicht mehr notwendig ist und so gut wie alles elektronisch gesteuert sein wird. Und genau das passiert gerade, denn man gibt doch lieber Geld für Maschinen aus, die man steuerlich geltend machen kann, was man mit Menschen nun mal nicht machen kann.“

      Maschinensteuer erhöhen, Lohnsteuer abschaffen; das wäre ein notwendiger erster Schritt, um die Geschwindigkeit zu drosseln bzw. überhaupt Kaufkraft zu lassen um maschinell erzeugte Waren weiterhin erwerben zu können. Wäre längerfristig durchaus im Sinne auch der Produzenten. (und nicht wertschöpfende Aktivitäten reduzieren, auch ein Gebot der Stunde)

      Die Höhe der Makrokaufkraft wird vielleicht bald dazu zwingen, so ähnlich zu steuern. Und das hoffentlich bald, bevor die Abgaben-Stellrädchen des Staates gänzlich funktionunstüchtig werden. Falls nichts reguliert wird, befürchte ich Chaos.

      • tomorrow sagt:

        Nun, die „Maschinen“ bzw. „Roboter“-Steuer gibt es nicht. Statt dessen werden die Menschen und Arbeitnehmer benutzt, als wären sie an der Automatisierung, generell beteiligt und würden liebend gerne mit den Maschinen konkurrieren…
        Es grenzt an ein Wunder, dass sich so viele Arbeiter und Arbeitnehmer, soviel Ungemach gebieten lassen. Wenn man es sieht, wie es wirklich und wahrhaftig human ist, dann hat man- und keinen Zweifel an der Plausibilität des Fortschritts oder des Rückschritts.. Trotzdem und gerade deshalb, glauben wir den Robotern. Tja.

        • Michele sagt:

          Die rationelle Maschinenproduktion braucht Kaufkraft.

          Das Verhältnis der Besteuerung von Rationalisierungs-Automatisation gegenüber der Besteuerung von Personen (z. B. Lohnsteuer) ist entscheidend. Das Stellrädchen ist, für meine Begriffe, zu einseitig gedreht.

          Nur bei Massenkaufkraft kommen die Maschinchen zur notwendigen Auslastung. Ich vermute, die tendenziell abnehmende Kaufkraft wird wahrscheinlich von selbst einiges regulieren.

  5. tomorrow sagt:

    offtopic

    (F) rohes neues Jahr!

    Alles Gute, das Meiste und noch mehr!
    Gestern standen wir vor dem Abgrund und morgen
    sind wir einen Schritt weiter.
    Aber: Wir sollen uns nicht sorgen,
    denn wir werden gestärkt aus der Krise „hervorgehen“.
    Also ähnlich, wie Phönix aus der Asche emporstieg?
    Es liegt wohl im Auge des Betrachters und
    am Blickwinkel, aus dem man die Situation sieht.
    Die Sichtweise ist nach wie vor, individuell.
    Jedenfalls hat sich an der unterirdischen Gesamtsituation
    über die Fest- und Feiertage, nichts geändert.
    Ein Jeder geht mit seinen vorjährigen Voraussetzungen,
    Verfehlungen, Versäumnissen, Verlusten oder Gewinnen,
    Gedanken, Empfehlungen, Zielen und Luftschlössern,
    ins Jahr 2012.

    Es wird „schwierig“, das Jahr 2012 unbeschadet zu
    überstehen. Zweifellos wird es ein hartes Jahr.
    Wenn man an sich selbst glaubt und nicht den
    Weihnachts- und Neujahrsansprachen, könnte man
    einige Schwierigkeiten und noch mehr Schaden, von sich
    fernhalten.
    Denn das Gestern ist das Heute und das Morgen. Wer im
    Stande ist, für sich selbst zu entscheiden, sollte also nicht
    zögern, seine persönlichen Ziele zu verfolgen und die Märchen
    und Erzählungen Anderer, als das zu sehen, was sie sind.
    Niemand kann sich ewig lange mit Ander(s)en – Märchen
    auseinander setzen, wenn sich die persönliche Auffassung
    durchsetzt, das zu tun, was einem selbst wohl bekommt.

    Geht es uns heute besser als gestern, oder besser als morgen?
    Oder ging es uns heute schlechter als gestern und besser als morgen?
    Oder ist es alles ein verlogener Alptraum und es ging uns heute
    besser als vorgestern und morgen besser als übermorgen?
    Das wirft Fragen auf, die man höchstens mit Glauben
    beantworten kann.
    Das „Glauben“ ist allerdings immer an „Jemand“
    anderen gebunden. Warum nicht an sich „Selbst“?*

    Was Du heut´ nicht kannst besorgen, verschieb´ getrost auf morgen.
    !Hasta manana!

    *Cogito ergo sum (Weiterleitung von „Ich denke also bin ich“)
    (Der erste Grundsatz des Philosophen René Descartes.)
    Quelle: Auszug aus WIKIpedia

    • schlaumeister sagt:

      Wortspiel: Je pense, donc je suis=cogito ergo sum-Ableitung davon:
      Je dépense, donc je suis=ich konsumiere, also bin ich, (dépenser=
      ausgeben) Passt gut auf unsere Zeit, alle leben von diesem Wahnsinn,
      bis jetzt noch – morgen vielleicht nicht mehr so toll.

      • tomorrow sagt:

        Danke, „schlaumeister“!

        Ordentliche Sätze, Sie haben etwas Gutes, sicher.
        Danke für die schöne Antwort!
        Ich wünsche Ihnen ein erfülltes neues Jahr!
        Bitte schreiben Sie weiterhin gute, interessante Kommentare!

        Und alle andere Leser natürlich auch!

        LG tomorrow

  6. mal überlegen ... sagt:

    Ein Arzt, der niemals krank gewesen ist, ist ein schlechter Arzt, und ein Unternehmer, der niemals bankrott gegangen ist, ein schlechter Unternehmer, weil er die Symptome des Niedergangs falsch deutet.
    Börse ist Gier und Angst. Während der Gierphasen werden alle Teilnehmer hochmütig, während der Angstphasen panisch. Das ist die Gruppendynamik.
    Ein Krisengipfel aller Bankrotteure könnte die Wende bringen. Zumindest wären Bankrotteure sicher die besseren Unternehmensberater.

    • Michele sagt:

      Konkurseure wären vielleicht den Bankrotteuren vorzuziehen.

      Noch besser wären rechtschaffene, redliche, sozialverantwortliche, real-wertschaffende, betriebswirtschaftlich, volkswirtschaftlich kenntnisreiche Entscheidungsträger. Sogenannte Philanthropisten mit entsprechender Lenkung der Mächtigen gegenüber Schwachen, mit entsprechender Hilfsbereitschaft und gerechter Milde…

  7. Habnix sagt:

    Was nützt mir eine Demographie,wenn die Zukunft dafür die Arbeitsplätze nicht zur Verfügung stellt.

    M.f.G

    Habnix

  8. Haikubehindert sagt:

    Nachlassende Innovationskraft verheisst nichts Gutes für die Zukunft. Natürlich sind Rationalisierung und Automatisierung wichtige Aufgaben, aber ohne Innovation erscheint mir das eher die Mumifizierung einer Gesellschaft.

    Das Sparprogramm der Bundeskanzlerin scheint depressiv auf die Konzerne durchzuschlagen. Die Menschen werden sich 2012 wohl mit der eigenen Wegrationalisierung beschäftigen müssen um danach als Tagelöhner im Niedriglohnbereich noch einige Aufgaben erfüllen zu dürfen, wo Maschinen den Menschen noch nicht ersetzen können. Das gibt natürlich Spielraum für die Erhöhung der Lebensarbeitszeit, denn auch mit 70 kann man noch eingesetzt werden um die vielen neuen Roboter zu polieren.

  9. osmosis sagt:

    Innovation würde bedeuten, nach vorne mit Sachverstand und Mut zu blicken. Doch statt dessen hat sich in Deutschland die buchhalterische Denkweise verbreitet. Zahlen, die ja Zahlen von gestern sind, bis zum Erbrechen zu diskuttieren, gleichzeitig Forderungen aufzustellen, wie man im nächsten Jahr mehr Umsatz machen kann. Wenn jemand Ideen bringt, etwas neues auf die Beine zustellen, wird er gemobbt, mit dem Argument, das stehe ihm nicht zu und ausserdem habe man das schon immer so gemacht. In Zeiten, wo sich der Ökowahn in Verbindung mit dem Klimawahn zur herrschenden Religion aufgeschwungen hat, kommt es nur noch darauf an, möglichst viel von dem wichtigen Naturgas CO2 zu vermeiden. Welch ein Schwachsinn. Komisch finde ich nur, dass einige Idioten dies vorgeben, aber alle anderen laufen wie die Lemminge hinterher. Ist ja schliesslich politisch korrekt. Und wer getraut sich schon gegen den Strom zuj schwimmen. Dabei sollte bekannt sein, dass nur tote Fische mit dem Strom schwimmen!!

    • Viscera Sensus sagt:

      Ich kann mich osmosis nur anschliessen.
      Im ungehemmten Turbokapitalismus wird mit den gleichen Mitteln
      wie im Sozialismus / Kommunismus gearbeitet. Planzahlen.
      Sicherlich sollte die Richtung in der sich ein Unternehmen
      entwickeln soll vorgegeben werden. Aber das hat schon lange
      mehr als groteske Züge angenommen.

      So kann ich ein Beispiel aus meiner beruflichen Praxis in
      einem grossen Unterhaltungselektronik-Markt berichten:
      Es wird ein Abteilungs-Umsatz (Planzahlen) vorgegeben, der
      zu erreichen ist. Dieser wird verfehlt. Ergo, es gibt zuviele
      Beschäftigte in der Abteilung. Ergo: Es wird abgebaut.
      Die Plan-Umsatzzahlen werden nun noch weiter verfehlt.
      Ergo: Es muss noch mehr Personal gehen..

      Das ist doch Irrsinn!

      Das Problem in der deutschen Wirtschaft ist darin begründet, dass
      über Jahrzehnte folgendes geschah: Ein erstklassiger Unternehmensführer machte einen zweitklassigen zu seinem Nachfolger. Dieser wiederum machte einen drittklassigen zum Nachfolger u.s.w.

      Selbstredend gibt es (zuwenige) Ausnahmen davon, aber auf breiter
      Front betrachtet sind nur noch „Pflaumen“ unterwegs, die unternehmerisch nichts mehr wagen, und sich an Charts etc. festklammern.