Japanische Banken auf Shoppingtour in Europa

Weil die europäischen Banken profitable Assets verkaufen müssen, wollen die Japaner in Europa einsteigen. Ebenfalls auf der Liste: Beteiligungen an erfolgreichen Industrieunternehmen.

Qualitativ hochwertige Beteiligungen, angeboten von den europäischen Banken zu günstigen Preisen, genau das wollen japanische Banken. Sie wollen expandieren und die Krise in der Eurozone kommt ihnen da gerade recht.

Nicht nur die USA wollen Profit aus der Krise in der Eurozone schlagen (mehr hier), auch japanische Banken strecken ihre Fühler aus. Sie sind gut kapitalisiert und wollen expandieren. Da kommen ihnen die hohen Kapitalanforderungen, die die europäischen Banken bis Mitte nächsten Jahres erfüllen müssen, entgegen. Die Banken in Europa sind gezwungen, auch qualitativ hochwertige Assets zu veräußern, um ihre Bilanzaufstellungen auszubessern. Und da viele Assets keine Käufer finden (mehr hier), drückt dies die Preise auch für profitable Unternehmensteile nach unten.

„Wir sehen das als Geschäftsmöglichkeit“, sagt Koichi Miyata, Präsident der Sumitomo Mitsui Financial Group (SMFG), der Financial Times. „Wenn es gute Beteiligungen sind, würden wir gern noch mehr kaufen.“ Die Sumitomo Mitsui Financial Group ist eine der Top-Finanzinstitute in Japan und kaufte erst kürzlich von der Bank of Ireland Anleihen im Wert von 590 Millionen Euro. 15 Prozent Rabatt auf den Wert dieser waren inbegriffen. Auch Yasuhiro Sato, Geschäftsführer der Mizuho Financial Group sieht es ähnlich: „Es ist nicht zu verleugnen, dass dies eine Chance für japanische Finanzinstitute ist, ihr Übersee-Geschäft zu erweitern“. Besonders auf Beteiligungen von Niederlassungen in Asien, Zentral- und Südamerika warte man.

Die SMFG ist auch an Anleihen von Krediten für Infrastruktur- und Umweltprojekten und Blue Chip Unternehmen in Asien und Nordamerika (Unternehmen, die dank umsatzstarken Aktien besonders hohen Wert besitzen) interessiert. „Wir denken nicht darüber nach, europäische Staatsanleihen zu kaufen“, sagt Koichi Miyata. Yasuhiro Satos Mizuho Financial Group ist hingegen nicht abgeneigt, auch Anleihen von Blue-Chip Unternehmen in Europa zu kaufen“.

Um noch bessere Preise zu erzielen, sind die japanischen Banken auch bereit noch etwas zu warten. Schließlich gehen sie von einem Anhalten, wenn nicht sogar von einer Verschlechterung der Krise aus. Sie warten auf „das Fallen der reifen Frucht“, so Yasuhiro Sato, denn die Preise für qualitativ hochwertige Anleihen werden noch weiter sinken.

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Kommentare

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  1. Radikaldemokrat sagt:

    @ mandelkern

    Ich habe eine andere Interpretation der vom Staat vorgeschriebenen Erhöhung der Eigenkapitalquote. Ich denke, das ist ein Teil der auch sonst zu beobachtenden Strategie der politischen Klasse in Europa, angeführt von der früheren FDJ-Agitatorin im Kanzleramt, die gesamte Finanzwirtschaft Schritt für Schritt zu verstaatlichen. – Siehe die gebetsmühlenartig vorgetragene Forderung nach „Regulierung“.

    Die Politiker wissen natürlich, dass es vielen Banken nicht einfach möglich sein wird, aus eigener Kraft ihre Eigenkapitalquote in einem Zeitraum von nicht viel mehr als einem halben Jahr zu erhöhen. Sie setzen darauf, dass die Banken dann, weil es „leider“ anders geht, vom Staat mit Eigenkapital ausgestattet werden müssen. Im Klartext: Der Staat erhält auf diese Weise die Chance, durch entsprechende Kapitalmaßnahmen die Banken unter Staatskuratell zu stellen. Hätte Lenin sich eine raffiniertere Strategie ausdenken können?

    • N38001 sagt:

      Ich glaube, daß viele Köche den Brei verderben und Brüssel an Kontrollverlust krankt.
      Die Verschwörung war Maastricht, was jetzt regiert sind Zwänge und Kurzfristdenken, weil die Titanic sinkt.

      Ziel Brüssels und der Transatlantiker war sicher eine globale Freihandelszone.
      Aber die rückt in immer weitere Ferne, weil a. China protektionistisch vorgeht und Hegemonialansprüche stellt, und b. die Um- und Zusammenbrüche Strukturen zerstören, welche alle neu aufgebaut werden müssen.

      Not fördert Separtionsbestrebungen.
      Wem keine Rechte zugestanden werden, will gut bezahlt werden, und wer nichts kriegt, der ist es irgendwann leid.

  2. mandelkern sagt:

    Das kommt davon, wenn die Politik ohne Sachverstand in die Wirtschaft eingreift.
    Die Massgabe an die Banken, ihre Eigenkapitalquote jetzt auf 10% zu erhöhen, ist ein klassisches Beispiel dafür, wie man das richtige zur völlig falschen Zeit anordnen kann.

    Ziel war natürlich, die Kreditvergabe, d.h. ungesicherte expansive Giralgeldschöpfung mit Blasenbildung, einzudämmen.
    In der jetztigen Krise findet diese aber längst nicht mehr statt, die Banken verhalten sich extrem misstrauisch und restriktiv und versorgen die Wirtschaft nicht mehr ausreichend mit Kredit.
    Die Erhöhung der Eigenkapitalquote verschärft das Problem jetzt nur, und zwingt die Banken überdies, ihr Tafelsilber an ausländische Investoren zu verkaufen.
    Der Schaden entsteht dann wieder in der Realwirtschaft, die im jetztigen System von den Banken abhängig ist, die Rezession wird verstärkt und der Einfluss aus Übersee grösser.

    Da hilft jetzt auch keine Zinssenkung der EZB oder Geld in den 1. Kreislauf (Zentralbanken und Interbankenmarkt) zu pumpen, wenn es im 2. Kreislauf, Giralgeld, niemals ankommt, sondern für Anleihenkauf verwandt werden soll.

    Vor 15 Jahren hätte dieser Beschluss gefasst werden müssen, und zwar mit einer Eigenkapitalquote für die Banken von 100%, dann wäre es zu Dotcom-Blase, Immobilien-Blase, Staatsschulden-Blase… gar nicht erst gekommen.
    Jetzt hat er fatale, prozyklische Wirkungen – wieder eine Kommissions-Entscheidung, bei der man sich nur noch an den Kopf fassen kann.