Griechenland: Privatisierung des Hafens von Piräus stockt

Eigentlich sollte der von der Troika vorgegebene staatliche Anteil am Hafen von Piräus schon Ende 2011 privatisiert sein. Nun tauchen neue Probleme auf – immer mehr Investoren sind abgeschreckt.

Bürokratische Schlamperei, leere Versprechungen und widersprüchliche Aussagen von Politikern haben nach Angaben der Zeitung Kathimerini die Privatisierung der Hafenanlagen von Piräus deutlich verzögert. Mehrere interessierte Investoren sollen sich demnach bereist wegen der chaotischen Verhältnisse bereits wieder abgewandt haben.

Auch bereits engagierte Investoren klagen über immer neuen Ärger. So schuldet der griechische Staat dem chinesischen Schiffs-Giganten Cosco 32 Millionen Euro als Rückerstattung der Mehrwertsteuer. Der Fall hat bereits eine politische Dimension bekommen. So beklagte sich kürzlich der chinesische Botschafter in Athen, Du Qiwen, dass das Unternehmen große Probleme mit der „nachlässigen Bürokratie“ habe. Cosco hatte sich ursprünglich ebenfalls interessiert gezeigt, den 23,1% Anteil am Hafen zu übernehmen.

Die mit dem Verkauf des Hafens betraute Kommission TAIPED sieht die Schuld bei den Banken: Morgan Stanley und die Piräus Bank sollen als mit der Abwicklung beauftragten Banken Gutachten erstellen. Aus diesen Gutachten sollte hervorgehen, ob es jetzt überhaupt wirtschaftlich sinnvoll ist, den Anteil jetzt zu verkaufen oder ob es nicht besser wäre, den Abschluss des bereits laufenden Mergers von mehreren kleinen griechischen Häfen abzuwarten. Diese Gutachten werden wohl erst im März vorliegen – reichlich spät, weil dann ja erst konkrete Verhandlungen mit potentiellen Investoren geführt werden können.

Zu allem Überfluss fürchten alle Beteiligten auch noch den Wahlkampf, in dem die Privatisierung des Hafens mit Sicherheit eine Rolle spielen wird. Der Direktor des Hafens hatte bereits angekündigt, dass 51% der wichtigen Anlagen auf jeden Fall im Eigentum des Staats bleiben müssen.

Das Beispiel zeigt, wie komplex die Umsetzung von ambitionierten Plänen in der Realität ist. Es ist daher nicht verwunderlich, dass der IWF bereits begonnen hat, über neue Kredite aus der Euro-Zone oder das Eingreifen der EZB nachzudenken (mehr hier).

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Kommentare

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  1. Wilfried sagt:

    Man sollte sich hüten, zu verallgemeinern.
    Die politische und wirtschaftliche Elite des Landes sind verdorben. Unsere Führer haben sie ja auch dazu ermuntert und alle gefälschten Statistiken durchgehen lassen.
    Der einfache Grieche soll die Misere jetzt ausbaden.
    Was die einfachen Leute in Griechenland sicher nicht verdienen, ist Spott und Hohn aus dem Ausland.

    Ζήτω η Ελλάδα!

  2. armer Mann sagt:

    Ich habe von Anfang an immer gesagt, das so ein korruptes Land nie gerettet werden kann. Selbst eine Billion würden die in kürzester Zeit verschwinden lassen.

  3. martina sagt:

    das gehört zur grossen zockerei-strategie! mach sie arm, zwing sie zur privatisierung und dann press sie genüsslich und ausgiebig aus. ganz einfach. alles schon gehabt in der 3.welt. jetzt sind wir dran. das ist nur gerecht.

    • Elisabeth Wehmeier-Püthe sagt:

      Was will man denn bei den Griechen groß auspressen, außer Oliven?

      Wir – die Deutschen werden ausgepresst und geplündert zu Gunsten anderer Völker, die sich dasselbe nie gefallen lassen würden.

  4. schlaumeister sagt:

    Wer will in diesem korrupten Pleiteland noch investieren? Nur total Bescheuerte, die muß man erst noch finden. Hans Eichel kaufte griechische Staatsanleihen, weil er
    so großes Vertrauen in GR hatte. Jetzt klagt er eine höhere Rente ein, über 6000
    Eur will er mehr im Monat, der deutsche Staat wird auch das noch bezahlen.

  5. Chris sagt:

    Daß sich die griechische Regierung nicht in die Sache einschaltet, ist ein Beweiß, daß Griechenland nicht die Absicht hat seine Probleme in den Griff zu bekommen. Der Default wird bereits antizipiert und bis dahin wird alles mitgenommen, was man aus den nordeuropäischen Ländern abgreifen kann. Nach mir die Sintflut!

  6. Jo Burg sagt:

    die Griechen verarschen uns doch nach wie vor. Deren einiges Anliegen ist es doch, sich die aktuellen Pfründe zu bewahren und die Dummbatze von EU und IWF weiter zu betrügen und zu belügen; Hauptsache es kommt Kohle aus dem Ausland!!!

  7. Sebastian Nillies sagt:

    Nach dem Eurowahn und der Privatisierungswelle kommt die Eurozersetzung und die Rückverstaatlichung.

  8. Karl Heinz sagt:

    Ich kann die unkritische Betrachtung von privatisiertem Staatseigentum nicht mehr nachvollziehen.

    Betriebe in Staatseigentum haben die Aufgabe, wiederkehrende Einnahmen zur Deckung der Staatsquote zu generieren.

    Veräußert man Staatseigentum so hat man einen Einmaleffekt, der durch ständig erforderliche Neuverschuldung in den Folgejahren ausgeglichen werden muß – die Folgeeinnahme fehlt ja jetzt.

    Privatisierung ist Diebstahl von Volkseigentum und Steuergeld.

    • FDominicus sagt:

      „Betriebe in Staatseigentum haben die Aufgabe, wiederkehrende Einnahmen zur Deckung der Staatsquote zu generieren.“

      Wie machen die das wohl wenn sie keine Gewinne einfahren? Und klar Sie sind auch „ganz normale“ Konkurrenten von Privaten? Der einzige Unterschied ist wohl klappt es bei Privaten nicht gehen Sie Pleite und im Falle des Staates haben wir „mal wieder“ ein Faß ohne Boden. Finden Sie nicht, daß wir davon schon mehr als genug haben?

      • Toni sagt:

        Kein vernüftiger privater Investor würde ein „Faß ohne Boden“ kaufen.

        Das Problem ist doch meistens, dass die werthaltige staatliche Unternehmen
        unter Preis an private Investoren verkauft werden.