Staatsanleihen: Investoren stoßen im großen Stil US-Papiere ab

Ausländische Investoren haben in der letzten Dezemberwoche US-Bundesanleihen im Wert von 23 Milliarden Dollar verkauft. Die Amerikaner haben ein ähnliches Problem wie Deutschland: Wegen der niedrigen Zinsen sind die Papiere kein attraktives Investment mehr.

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US-Bundesanleihen sind ein sicherer Hafen. Zu sicher für Investoren, die wollen, dass ihr Geld auch eine Rendite erwirtschaftet. Daher haben Investoren offenbar begonnen, im großen Stil US-Papiere zu verkaufen. Allein in der letzten Dezemberwoche haben ausländische Zentralbanken ihre Bestände von US-Bundesanleihen um 23 Milliarden Dollar verringert – der zweithöchste Verkauf von amerikanischen Anleihen überhaupt. Im ganzen Dezember verkauften ausländische Investoren insgesamt US-Bundesanleihen im Wert von 69 Milliarden Dollar.

Das ist insofern interessant, da beispielweise die Zinsen für 10-jährige Anleihen am Freitag teilweise auf dem historischen Tiefpunkt von 1,88 Prozent lagen und die Nachfrage dennoch relativ hoch war. In Deutschland geht die Zinsentwicklung in eine ähnliche Richtung: Auch hier liegen sie unter zwei Prozent (mehr zu den jüngsten Problemen Deutschlands – hier)  Eine gefährliche Situation, wenn sich Investoren zu dem Schluss kommen sollten, dass der Kauf von US-Bundesanleihen nicht mehr genug Erträge abwirft. Gerade für die USA könnte diese Kehrtwende ausländischer Investoren schwierig werden. Die Verschuldung des Landes ist exorbitant groß und der Großteil der Schulden wird vom Ausland gehalten.

Besonders europäische Investoren und China könnten diese immensen Bestände an US-Bundesanleihen verkauft haben. Die europäischen Banken müssen ihr Eigenkapital aufzustocken und stoßen alles ab, was möglich ist. China besitzt Anleihen im Wert von 1,12 Billionen Dollar und verkaufte bereits im August drei Prozent davon. Da China der größte Gläubiger der USA ist, wäre es alarmierend, wenn die großen Verkäufe auf Peking zurückzuführen wären. Aufgrund ihrer immensen Staatsschulden sind die USA stark auf tatkräftige Käufer wie die Chinesen angewiesen – mehr hier). Die FED machte allerdings keine Angaben, wer genau verkauft hat.

Lediglich Japan ist zu verdanken, dass der Abfall generell im letzten Quartal 2011 nicht stärker ausfiel. Im August und Oktober kaufte Japan massiv Dollar ein und verkaufte Yen. Wenn es nicht zu Japan Ankäufen gekommen wäre, „hätten wir einen konsequenten Abfall der Bestände von US-Bundesanleihen gesehen, wenn nicht sogar in der gesamten Hälfte des Jahres“, so John Briggs von RBS Securities. Im September zum Ende des dritten Quartals 2011 gingen die US-Bundesanleihen ebenfalls zurück – Anleihe im Wert von 56 Milliarden Dollar wurden verkauft. Da es sich bei diesen hohen Verkäufen stets um das Ende eines Quartals handelt, sehen Experten bereits eine Wende bei den Veräußerungen von US-Bundesanleihen.

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Kommentare

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  1. fed sagt:

    soll doch die private Fed den Mist zuruecknehmen und in Ihren Buechern verbuchen und als hochspekulative Investments abschreiben und damit wieder Steuern sparen. alles zum Wohle des Kapitals!
    was steht immer noch auf den Zeitschriften der dort lose rumstehenen Leute am Bahnhof? Ach ja: erwachet!

  2. Hans sagt:

    Manche Regierungen haben auch ihren Wechselkurs gegen den Dollar gestützt, damit die eigene Währung nicht zu schnell abwertet. Die Zentralbanken werden ihre Dollarbestände in US Staatsanleihen angelegt haben. Die haben die US Staatsanleihen verkauft, und die Dollar in die eigene Währung getauscht haben.

  3. Cecylia sagt:

    Alles ist vergänglich auf dieser Welt .Von diesem Gesetz sind die „Eliten“ nicht ausgenommen.
    „Eines Tages werden die Lernenden die Erde erben, während
    die Lehrenden sich wunderbar an eine Welt angepasst
    haben, die es nicht mehr gibt.“ Erich Hoffer

  4. Kein Eurofan sagt:

    Praktisch kein Zins und dazu ein höchst maroder Staat als Garant. Nichts wie weg von diesem elenden Mist.

  5. schlaumeister sagt:

    Wird Zeit, dass sich Investoren von den wertlosen Negativzins erwirtschaftenden
    Staatsanleihen trennen. Bernanke wird sie alle aufkaufen mit frisch gedrucktem Geld.
    Das Zinseszinssystem geht langsam vor die Hunde.

    • cashca sagt:

      Das Zinseszinssystem geht langsam vor die Hunde-
      ——–
      hoffentlich.. Es ist das beste für uns alle. wir treten doch nur noch auf der stelle, wie auf Moorboden- dauernd mit der Gefahr konfrontiert, jederzeit einzubrechen.
      Was ist das denn noch für ein Zustand. Weg damit , Neustart, dann kann man wieder für einige Zeit- -Generation- planen und handeln.
      Ziehen wir doch nicht länger dieses tote Pferd hinter dem Wagen her.
      Das bringt doch nichts mehr. Damit steht doch ein ganzes volk vor einer permanenten Unsicheheit und am Ende Dauerbelastung bis zum Ruin.
      Was soll das – und für wen?
      Blicken wir doch endlich den Realitäten ins Auge und handeln endlich.
      Was seit 4 Jahren passiert, ist doch nur noch Augenwischerei und Affentheater, Lüge von A-Z. Wie lange wollen wir das noch hinnehmen?

      • Karl Heinz sagt:

        Zitat:“Was seit 4 Jahren passiert, ist doch nur noch Augenwischerei und Affentheater, Lüge von A-Z. Wie lange wollen wir das noch hinnehmen?“

        Spätestens bis sie das Grundgesetz beseitigen.
        Das wird nicht mehr lange dauern.

        • Name also sagt:

          Genau! und die „permanenten Unsicherheit und am Ende Dauerbelastung bis zum Ruin.“ sind im Preis mit inbegriffen.
          Das kriegen wir quasi als Dreingabe, en cross. sozusagen. Damit uns ja nicht einfällt das Maul aufzureissen und womöglich einen Systemwechsel zu fordern.

        • J. C., geb. Püschl sagt:

          Zitat: „Spätestens bis sie das Grundgesetz beseitigen.“

          Das schwebend unwirksame GG kann man ansehen wie einen schwebend abwesenden Leutnant der Kommandantur.
          Was hat wohl dieser noch zu sagen, wenn der Oberst (Reichsverfassung) schwebend anwesend ist?

          Wer´s noch nicht weiss:
          http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2011/12/34520/#comment-6963

  6. Gaby sagt:

    Ich sehe den Grund eher in einer massiven Dollarnot der europäischen Banken. Da wird eben alles abgestoßen, was USD bringt. Das betrifft genauso (Papier-) Gold.

    Gruß

  7. Steffen sagt:

    Habe mal ein Kommentar dazu gelesen: Von risikolosen Zinspapieren zu zinslosen Risikopapieren. So kann man die Entwicklung von den Staatsanleihen zusammenfassen.

  8. FDominicus sagt:

    Tja ist nun auch etwas „problematisch“. Soll man von Pleite oder Pleiter kaufen oder am Besten von beiden nicht?