Spanien: Defizit offenbar komplett außer Kontrolle

In Spanien spitzt sich die Lage praktisch im Stundentakt zu. Hatte es am Freitag noch geheißen, dass das Haushaltsdefizit auf 8% steigen würde, sagte Wirtschaftsminister de Guindos, das Defizit wird die 8%-Hürde sogar übersteigen.

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In Spanien gibt es offenbar kein Halten mehr, was das Budgetdefizit anlangt. Hatte am Wochenende noch der stellvertretende Premier davon gesprochen, dass das Defizit 2011 statt wie geplant 6% eher in Richtung 8% gehen werde (mehr hier), kommt der neue Wirtschaftsminister Luis de Guindos nun mit noch erschreckenderen Zahlen: Der ehemalige Lehman-Banker (mehr hier) sagte am Montag in einem Interview mit dem Radiosender Cadena Ser: „Es ist möglich, dass wie die 8% Defizit überschreiten. Allerdings hoffe ich, dass es nicht viel sein wird.“

Bereits die Ankündigung vom Freitag kostet 20 Milliarden Euro. Wie groß das Loch nun ist, möchte de Guindos der Öffentlichkeit möglichst rasch mitteilen. Wenn die 8% tatsächlich überschritten sind, hat Spanien das dritthöchste Defizit hinter Irland und Griechenland. Die neue Regierung Rajoy will mit noch härteren Sparmaßnahmen gegensteuern.

Dadurch wird Spanien jedoch – das sind sich fast alle Beobachter einig – in eine tiefe Rezession rutschen. Der sozialistische Fraktionschef Alfredo Pérez Rubalcaba erwartet gar eine Depression und die Zerstörung von vielen Jobs.

Auch de Guindos sieht das Problem: Spanien könne nicht nur durch Kürzungen und Steuererhöhungen gerettet werden. Die Folge sei eine Rezession. Es müssen Jobs geschaffen werden. Ein Ansinnen, das sich nicht wirklich mit den Sparvorgaben der EU verträgt.

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Kommentare

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  1. Goldhamster oder Papiertiger sagt:

    Na ja,- die Schuldenländer sollen ihre Schulden zurückzahlen, allem voran nach Deutschland.
    Sehr interessanter Vortrag von Hans- Werner Sinn
    http://mediathek.cesifo-group.de/player/macros/_v_f_750_de_512_288/_s_ifo/_x_s-764870657/ifo/index.html

  2. Atreides sagt:

    Ein Land ohne Produktionsstätten wird wohl kaum neue Arbeitsplätze schaffen können. Zu Francos Zeiten hatte die Industrieproduktion noch einen Anteil von 36 v.H. am BIP, heute nur noch 10 v.H.
    Die Erhöhung der EkSt ist gerade etwas, das nicht für mehr Arbeutsplätze sorgen wird (zumindest nicht für solche, die ganz legal mit Steuerzahlungen verbunden sind).
    Spätestens im Juli wird es eine MwSt-Erhöhung geben, denn Rajoy weiß gar nicht, wo er das Geld hernehmen soll, das in Spanien fehlt.
    Jedes Jahr wandern etwa 100.000 Spanier in andere Länder aus, weil sie hier in Spanien keine Arbeit mehr finden. Übrig bleiben nur die, die keine Fremdsprachen sprechen oder unfähig sind, diese zu lernen, oder aber die, die gar nichts können.
    Apropos Automobilbanche: 83% mehr Umsätze bei Luxuswagen. Komisch, nicht?

  3. alfred01 sagt:

    aus meiner Sicht ist Abschaffung des Geldes an sich geplant; Kommentar eines Wirtschaftsprofessors in einer Radiosendung des NDR 4 zu einem Hörermeinung, was denn ist, wenn kein Geld mehr vorhanden: Antwort: Es ist schlechterdings nicht vorstellbar, dass kein Geld mehr vorhanden ist, aber genau das bereitet einem schlaflose Nächte! Es soll sich ein Jeder selbst fragen, was das für ihn persönlich bedeu-
    tet! Aus meiner Sicht bedeutet das, dass jedes private Eigentum mit Schulden belastet wird oder notfalls enteignet. Ironie: Vielleicht doch eine neue noch nicht vorsellbare Welt-
    ordnung?

  4. squarepusher sagt:

    Normalerweise würde ich nicht mehr fackeln und aus der EU austreten – mit allen schrecklichen Konsequenzen. Das Land muss wieder zurück gefahren werden auf die Hälfte seines heutigen „Niveaus“. Das aber wird zu Tumulten und Bürgerkrieg führen. Die Tumulte oder die Bürgerkriege werden noch mancherorts auftauchen. 2012 ist das Jahr der Wahrheit: nicht wegen des Mayokalenders o.ä. „Unsinn“ (ich möchte diese Dinge nicht abqualifizieren), sondern auf der Agenda steht ganz oben die Finanzkrise, die in 2012 ihren echten Beginn erfahren wird. Es ist der Konkurs Europas. Das politische Europa ist geprägt von echten Europäern und Trojanischen Pferden, die für ANDERE Staaten arbeiten. Das ist der hauptgrund, warum die EU zerbröseln wird. EU ist in grösster Gefahr, von ANDEREN eingenommen zu werden, weil man es versäumt hat, den Bürgern die WAHREN Hintergründe für die Gründung der EU zu nennen. Viele kennen sie, ich auch, und mich stimmt das unendlich traurig. Die Weltrtickt eben anders als Malochen, Shoppen, Lustig sein. Letzteres dürfen wir nur, weil es von Vorteil für Andere ist. Die EU kaputt zu reden (ich tue das auch, weil sie falsch konstuiert ist) wird uns in nicht allzu ferner Zukunft noch bitter aufstossen.

  5. Karl sagt:

    Das Wichtigste wird in der ganzen EU wegen Ideologie nicht gemacht. Um mehr Steuereinnahmen ohne Steuererhöhungen zu erzielen und dem Problem ohne noch viel drastischere Sparmaßnahmen zu entkommen, muss man eigentlich nur eines machen. Einfach alles für mehr Wachstum unternehmen – so wie es ein britischer EP Abgeordete sagte: Remove the stones so that the grass can grow!
    Es gibt so viele wachstumshemmenden Regulationen in der ganzen EU und fast alle gehören beseitigt. Damit kann man Wachstum und Arbeitsplätze schaffen, Schulden abbauen. Nur so kann man effizient Ausgaben in kleinerem Maß streichen und nicht damit gleich Rezession hervorrufen.
    Sonst bleibt nur noch die Moeglichkeit, Big Bang zu machen – den Euro weg, Abwertungen und gleichzeitig Staatsbankrott in mehreren Staaten.

  6. v. Faltin sagt:

    Alle Nichtspanier ab in die Heimat und die Felder selbst bestellen. Ein Drittel des Staatshaushalts gespart.

    • Sven sagt:

      Also wenn alle Nichtspanier gehen müssten, würde Spanien in 10 Minuten auseinanderbrechen. Die gesamten Rentner aus der EU die hier ihren Lebensabend verbringen geben ihr Geld in Spanien aus. Ohne dieses Geld würde Spanien gar nicht weiter existieren können. Die Marokkaner, Rumänen und Ungarn hingegen, die die Orangen, Oliven und andere Feldarbeiten für die Spanier verrichten verdienen sehr wenig. Der arrogante Spanier ist noch so satt, das er lieber seine Früchte vergammeln lässt als selber am Morgen aufzustehen und zu arbeiten. Glauben Sie nicht ? Fragen Sie jeden der mal in Spanien gewohnt hat……

  7. G.N. sagt:

    >Die neue Regierung Rajoy will mit noch härteren Sparmaßnahmen gegensteuern.<

    Das ist System.
    Man kann diesen Fehler ein Mal begehen, aber nicht in jedem Land ständig wiederholen! Indem so harte Sparkurse gefahren werden, dass es zu einer Rezossion kommt, geben die Leute kein Geld mehr aus (Binnenkonjunktur). Exportgüter können nicht mehr gekauft werden. Die mittelständischen Unternehmen bekommen aufgrund der Finanzentwicklung keine Kredite der Banken, die Investitionen bleiben aus. Um zu überleben gehen die Unternehmen und die normalen Bürger an ihr Sparvermögen, bzw. Grundkapital. Genau das ist so gewollt, damit die Finanzelite das Volksvermögen absaugen kann.
    Die Folge: Verarmung und Verelendung breiter Bevölkerungsgruppen. Abhängigkeit von Finanzoligarchen. Umverteilung von unten nach oben.

  8. Sven sagt:

    Also ich habe in der Krise in Spanien am 1.10.2011 ein Geschäft eröffnet. Mir waren die Risiken natürlich bekannt. Was mir aber nicht bekannt war ist die spanische Abzocke durch Behörden etc. Es kostet mich Euro 1500 im Monat an Fixkosten, OHNE Personal, bevor ich den Laden aufgemacht habe (OHNE Miete) Deutschland ist an den ganzen Kosten die verbunden mit der Selbständigkeit sind ein Schlaraffenland. Mögen alle die die immer auf Deutschland schimpfen doch mal selbst ins Ausland gehen. Warum glauben sie das Mercedes und BMW seine Autos für ausserhalb der USA nicht mehr in den USA bauen lässt ? Warum kommen so viele Firmen wieder zurück nach Deutschland ? Jeder der sagt das Deutschland so hohe Steuern hat soll doch gehen. Steuern sind mehr wie nur auf die Einkommensteuertabelle gucken !

    • Monotaur sagt:

      Hallo Sven,
      ich kann deinen kommentar nicht nachvollziehen. ich habe seit fast 7 jahren ein geschäft in spanien, ich finde sogar ganz im gegenteil, es ist relativ einfach einen laden hier aufzumachen. die kontrollen etc werden relativ lasch gehandhabt, ich hatte in all diesen jahren nicht einmal irgendwelche prüfer vom amt in meinem laden (knock on wood!).
      meines wissens nach, ist es in Deutschland erheblich schwieriger und vor allem kostspieliger, sich selbständig zu machen.

      • Sven sagt:

        @Monotaur

        wenn Du Dir bitte einmal anguckst wie z.B das Thema Autonomo behandelt wird. Wenn Du alles LEGAL machen willst kostet Dich Deine Autonomo €254 im Monat. Wenn Deine Frau Dir auch nur für eine Stunde hilft muss auch diese € 254 Autonomo bezahlen, da sie nicht Stundenweise angemeldet werden kann. Eine Putzfrau bekommt von mir €5 die Stunde und arbeitet 12 Stunden in der Woche. Ich bezahle für sie die Mindestsozialabgaben von €179 im Monat. Meine Eröffnungslizenz habe ich am 12.September 2011 im Ayuntamiento bezahlt, der Ingenieur der Stadt kam am 28. October 2011. Ich warte heute noch immer auf die Lizenz. Der Gesundheitsinspektor der Communidad Valenciana war bereits 2 mal hier. Also ich habe mehrere Geschäfte u.a. auch in Deutschland betrieben und kann Dir gar nicht zustimmen!

  9. Atreides sagt:

    Der spanische Innenminister (!) sprach heute von 8,2%, jeder sagt was anderes. Ich würde auf 12% tippen, den die Sozialisten haben mit Sicherheit ein solches Loch hinterlassen, daß es im Laufe des Monats noch ein schreckliches Erwachen geben wird. Man denke nur einmal an Kastilien-La Mancha (Landtagswahlen Mai 2011), wo die neue Volkspartei-Landesregierung jeden Tag neue unbezahlte Rechnungen entdeckte, die sich am Ende auf etwa 2,4 Mrd. Euro beliefen. Dort wurden inzwischen 68 teils gepanzerte Dienstwagen versteigert, die die Sozialisten so angeschafft hatten. Alle höheren Amtsträger hatten iPhones mit Leitungen auf Landeskosten usw.
    Übrigens ist Herr Rajoy noch gar nicht in Erscheinung getreten, um etwas zu erklären, das macht alles seine Superstellvertreterin Sáenz de Santamaría.

    • G.N. sagt:

      Darf ich einmal ganz kurz darauf aufmerksam machen, dass es ein >DENDENN< gibt.

      Ich brauche DEN Buchstaben, DENN fast jeder schreibt das Wort falsch.
      Das ist mir schon sehr oft aufgefallen. Nichts für ungut.

      Die Rechtschreibung (alter wie neuer Art) wird ganz offensichtlich schon in der Grundschule von Lehrern nicht mehr beherrscht oder fehlerfrei beigebracht.

      • G.N. sagt:

        Darf ich einmal ganz kurz darauf aufmerksam machen, dass es ein >DENDENN< gibt.
        Hat sich leider ein Fehler eingeschlichen.

        • G.N. sagt:

          Funktioniert so nicht. Noch einmal.
          Ein DEN und ein DENN muss es heißen. Keine Ahnung, warum die Zeichen nicht angenommen werden…

          • klimperkasten sagt:

            @G.N.
            Tja, wer im Oberlehrer-Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen 😉

      • Atreides sagt:

        Und was hat das denn mit meinem Kommentar zu tun?

  10. niemand sagt:

    Egal was die einzelnen Staaten, Regierungen und Weltweisen der EU und darüber hinaus versuchen, sich mit ihren klugen Köpfen ausdenken, Gesetze erlassen, Durchhaltenparolen und Probaganda über die Medien verbreiten; Nichts mehr wird ihnen gelingen und von vornherein zum Scheitern verurteilt sein! Die hochmütigen Mächtigen der Welt werden das erkennen und werden sich in Demut darin ergeben, sich aber die Schuld gegenseitig zuschieben.

    Wir Menschen werden lernen uns davon loszumachen und sehr schnell erkennen wessen für ein Ruf hier erschallt! Hoffe wir hören ihn.