Deutsche Immobilien verlieren an Attraktivität

Jahrelang war Deutschland hinter den USA das beliebteste Land für Investitionen in Immobilien. Die Euro-Krise sorgt jedoch für steigende Unsicherheit. Attraktiv in Europa: die Schweiz und Polen.

Das Vertrauen in deutsche Immobilien ist deutlich gesunken. Unter den weltweit sichersten zehn Städten für Immobilien-Investitionen findet sich keine einzige deutsche Stadt. Erst an 13. Stelle steht München, gemeinsam mit Warschau.

In der Rangliste der Länder mit der größten Sicherheit bei Immobiliengeschäften ist Deutschland auf den dritten Platz abgerutscht. Das ergab eine Umfrage des Verbands der globalen Immobilien Investoren (AFIRE). Auch beim Kapitalzuwachs sieht es für Deutschland schlecht aus: Aus dieser Perspektive empfahl kein einziger der befragten Fachleute eine Investition in deutsche Immobilien. Der größte Gewinner aus Europa ist hier Polen, welches gleich viele Empfehlungen wie Kanada, Australien, Indien und Großbritannien auf sich ziehen konnte.

Seit dem Jahr 2007 galt Deutschland als zweitsicherstes Land für Immobilien. Nur die USA, die mit einem enormen Vorsprung führten, wurden bei Investoren mehr geschätzt. Doch bei der aktuellen Umfrage verlor Deutschland gleich die Hälfte seiner Stimmen. Den zweiten Platz, den Deutschland so lange für sich beanspruchen konnte, nimmt nun Kanada ein. 15 Prozent der Experten waren der Meinung, Kanada sei der sicherste Anlageort für Immobilien, nur noch elf Prozent glaubten dies von Deutschland.

Dafür dürfte vor allem die Schuldenkrise in Europa verantwortlich sein (zu sehen am Beispiel Großbritannien, wo nun geringe Eigenkapitalanteile die Bürger wieder zum Kauf von Immobilien anregen sollen – mehr hier). Denn bis auf die Schweiz wurden sämtliche europäische Staaten schlechter bewertet. Die Schweiz hingegen wird nun auch zum sicheren Hafen im Immobiliensektor: Bei der Bewertung der Anlagen-Sicherheit konnten Immobilien in der Schweiz innerhalb eines Jahres fünf Plätze gut machen. Nun ist die Schweiz mit Großbritannien – das einen Platz einbüßte – und Singapur das fünftsicherste Land für Immobiliengeschäfte.

Die USA konnten ihre Position als sicherstes Land für Immobilien-Investitionen zwar verteidigen, mussten allerdings schwere Verluste einstecken. Bei der Bewertung des Kapitalzuwachses verloren amerikanischer Immobilien über 20 Prozent ihrer Top-Bewertung. Brasilien, das zu den aufsteigenden Märkten auch für Immobilien zählt, konnte beim Kapitalzuwachs stark zulegen und nähert sich den USA bereits stark an.

Während westliche Länder stark an Vertrauen verloren, legten Investoren ihr Geld verstärkt in Schwellenländer an. Die AFIRE-Umfrage stellte im Vergleich zum vergangenen Jahr sieben neue Schwellenländer fest, in denen sich Investitionen lohnen. Unter den aufstrebenden Staaten schaffte die Türkei den Sprung unter die Top-Drei. Brasilien und China konnten ihre Plätze an der Spitze behaupten (auch wenn Investoren bei China bereits erhebliche Bedenken äußern – mehr hier; und die Immobilienblase in China sogar den sozialen Frieden bedroht – mehr hier).

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Kommentare

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  1. Steffen sagt:

    Der Verein vertritt niederländische Pensionsfonds und deutsche Immobilienfonds. Auf die Meinung dieser „Investoren“ würde ich nicht viel geben, auch mein Geld würde ich diesen Fonds nicht anvertrauen. Wer heute in der DDR einen Bauernhof für 20.000 kauft hat bedeutend weniger Abschreibepotenzial wie bei Gewerbeimmobilien in der Schweiz zu 12.000 CHF/qm.

  2. malocher: sagt:

    Wenn Investoren die deutschen Immobilien meiden ist denen auch schon zu Ohren
    gekommen das im deutschen Bundestag schon öffentlich über einen Lastenausgleich
    bezw.über eine Zwangshypothek für Immobilien nachgedacht wird .
    siehe you Tube SPD Abgeordnete Kirsten Lürmann.
    Wenn mann bedenkt das 2011 von Düsseldorf aus die Immobilien
    neu erfasst wurden macht mann sich schon seine Gedanken dazu.

  3. Karl Heinz sagt:

    Wenn die Investoren und Spekulanten den deutschen Immobilienmarkt meiden, erscheint mir das positiv. So entsteht keine Spekulationsblase und die Preise entwickeln sich entsprechend der tatsächlichen Nachfrage.

    So eine Entwicklung dient dem natürlichen Bedürfnis unserer Bevölkerung, nach bezahlbarem Wohnraum. Vielleicht bleiben uns spekulative Luxussanierungen erspart.

  4. Naja sagt:

    … Die Schweiz als sicherstes Land für Immobilien.
    Da wäre ich mir aber nicht sicher. Wir leben in der Schweiz und hier existiert aus meiner Sicht eine Immobilienblase. Eine Wohnung ( 120 qm) am Zürichsee, für welche man in vergleichbarer Lage in Deutschland rund 250 TEUR ( 300 TCHF) zahlt, liegt bei ungefähr 1,2 Mio CHF. An ein Sbbezahlen selbst bei den guten Gehältern für die meisten Schweizer nicht mal ansatzweise denkbar. hier bedient man hauptsächlich nur die Zinsen.
    Da diese historisch niedrig sind ( 2,5 Prozent auf 10 Jahre) kann das auch funktionieren, aber wehe, wenn sich hier die Zinsen verdoppeln. Nur nicht blenden lassen. 95 Prozent der Immobilien in der Dchweiz gehören den Banken.

  5. P.P.A. sagt:

    Wie die Vereinigten Staaten nach jener gigantischen Blase und deren schmerzvollem Platzen immer noch an erster Stelle rangieren können, ist mir fremd.
    Hinzu kommt noch, daß die Amis noch nicht die Mauerei erfunden haben, und ihre Holzhütten beim kleinsten Windstoß davonfliegen; schon allein das würde mich als Investor doch eher abschrecken.