2012: Staaten müssen 7,6 Billionen Dollar Schulden refinanzieren

Eine aufkommende Rezession, zu hohe oder zu niedrige Zinsen für Staatsanleihen und eine weiter steigende Verschuldung in den meisten Staaten machen das Jahr 2012 zum Sorgenjahr für die Weltwirtschaft. 7,6 Billionen Dollar müssen umgeschuldet werden.

Die Liste der weltweit größten Volkswirtschaften, die im Jahr 2012 Schulden im Wert von 7,6 Billionen Euro zurückzahlen müssen, wird angeführt von Japan mit 3 Billionen Dollar und den USA mit 2,8 Billionen Dollar – gefolgt von Italien (428 Milliarden Dollar), Frankreich (367 Milliarden Dollar) und Deutschland (285 Milliarden Dollar). Mit Einrechnung der dafür fälligen Zinsen müssen diese Länder insgesamt mehr als 8 Billionen Dollar in diesem Jahr aufbringen, so Bloomberg.

Um diese Schulden begleichen zu können, werden die Länder gezwungen sein, in diesem Jahr erneut Kredite aufzunehmen, da ihre Haushaltsdefizite weiter wachsen. In einigen Ländern sind die Zinsen für 10-jährige Staatsanleihen noch sehr günstig: Japan zahlte bisher für Staatsanleihen dieser Laufzeit weniger als ein Prozent Zinsen, die USA lagen vergangene Woche bei 1,88 Prozent und deutsche langfristige Anleihen erzielten heute am Staatsanleihenmarkt Zinswerte von 1,93 Prozent. Doch die Experten rechnen sowohl für Japan als auch für Deutschland und die USA mit steigenden Zinsen. Italien sieht sich bereits hohen Zinsen gegenüber und konnte Ende Dezember nicht die erwarteten 8,5 Milliarden Euro durch Verkäufe erzielen (mehr hier).

Der IWF kürzte jüngst seine Wachstumsvorhersage für die globale Wirtschaft von 4,5 auf 4 Prozent, die Staatsschuldenkrise in der Euro-Zone greift weiter um sich, die USA erreichten im Dezember ein Haushaltsdefizit von einer Billionen Dollar und Chinas Immobilienmarkt kühlt sich ab. Mitte des Jahres werde man die größten Auswirkungen des Rückgangs des weltweiten Wirtschaftswachstums spüren, sagte Stuart Thomson von Ignis Asset Management in einem Interview mit Bloomberg. Umstände, die die Investoren vorsichtiger werden lassen.

Dies und die noch sehr günstigen Zinsen für Länder wie die USA und Deutschland, wo die Anleihen aufgrund der geringen Erlöse bereits unattraktiver geworden sind (mehr hier), wird es für die großen Weltwirtschaften umso schwieriger machen, ihre Schulden 2012 zu refinanzieren. Ganz abgesehen von der Tatsache, dass noch immer 15 Länder der Eurozone unter Beobachtung der Ratingagentur Standard & Poor‘s stehen. Ein regelrechter Wettstreit um potentielle Käufer wird die Folge sein.

Die Zentralbanken konkurrieren bereits. Die FED will bis Mitte 2013 ihre Zinssatz für Übernacht-Kredite bei 0 bis 0,25 Prozent belassen und verkauft unterdessen kurzfristige Anleihen im Wert von 400 Milliarden Dollar, um die Erlöse in langfristige Staatsanleihen zu investieren (Operation Twist). Die Bank of Japan, so Bloomberg, hält ihren Zinssatz seit 1995 auf 0,5 Prozent und erweiterte ihr Bond-Ankaufprogramm auf 260 Milliarden Dollar. Selbst die Bank of England hält den Hauptzins bei 0,5 Prozent und belässt seine angepeilten Anleiheankäufe bei den geplanten 426 Milliarden Dollar.

Bei der EZB sieht es nicht anders aus: Zinsraten von einem Prozent und bereits gekaufte Anleihen im Wert von 212 Milliarden Euro. Sogar langfristige Kredite im Wert von 489 Milliarden Euro wurden ausgegeben, in der Hoffnung, dass die Banken in Staatsanleihen investieren (was sie bis jetzt jedoch nicht tun – mehr hier). „Der hohe Betrag an Liquidität, der von den Zentralbanken zur Verfügung gestellt wird, lässt vermuten, dass es in den ersten Monaten des Jahres zu einer Art Scheinkrieg kommen wird, um ausreichend Unterstützung bei der Finanzierung zu erhalten“, erklärt Stuart Thomson. Im Februar will die EZB bereits weitere dreijährige Kredite vergeben.

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Kommentare

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  1. Hans sagt:

    Die Zinsen für Japan Anleihen werden niemals steigen, da der Zinssatz von der Japanische Notenbank kontrolliert wird. Das gleiche macht die FED in den USA. Steigende Zinsen bedeuten für Japan unweigerlich die Staatspleite, daher müssen die Zinsen immer nahe Null gehalten werden.

  2. fishman sagt:

    Wo ist das Problem? Ich meine es durchaus ernsthaft. Die Staaten und mit ihnen die Zentralbanken haben so wie niemals zuvor, im Falle des defaults, keine Skrupel, das notwendige Geld aus dem Hut zu zaubern. Das können sie faktisch unbegrenzt. Wenn gleichzeitig die wirtschaftliche Lage in den Industrieländern mit gebremstem Schaum so vor sich hinplätschert und die Banken sich untereinander nicht trauen, fließt ein großer Teil des Geldes wieder an die Zentralbanken zurück. Wenn so in den Hauptindustrieländern gleichzeitig verfahren wird, ist eine gewisse Balance geschaffen. Der Wert des Geldes sinkt natürlich zwangläufig. Das ist natürlich ein Problem. Aber wo fängt es an? Wem tut dies zuerst weh? Wie lange kann man so verfahren? Demjenigen, der heute die eintretenden Auswirkungen genau vorhersagen kann, gebührt ein Nobelpreis. Wie kann sich jeder Einzelne vor Entwertung seines Vermögen schützen? Geldvermögen und fiktive Werte werden absehbar an Wert verlieren. Sachwerte von möglichst bleibenden Wert sind heute d i e erste Wahl. Und über allem stehen die politischen Entscheidungen. Die sind wahrlich unberechenbar. Um wieder zu vernünftigen Relationen zu kommen, müssen die Schulden und damit auch die Vermögen abgebaut werden. Unser Kreditgeldsystem läßt keine andere Möglichkeit zu. Das kann zwangsweise geschehen und über Nacht, durch politische Entscheidungen oder eben durch die Rückzahlung der Schulden mit entwertetem Geld. Zum vernünftigen Wirtschaften in unserem System gehört die der wirtschaftlichen Lage angepasste Verfügbarkeit des Geldes. Sie soll der Schaffung und der Erhaltung von Vermögen und dem Wohle der Menschen dienen. Leichter gesagt als getan. Und das ist das Problem.

  3. Albert Albern sagt:

    Auch eine Versicherung hat darüber berichtet, dass die Weltbevölkerung sieben Milliarden Menschen erreicht hat.
    http://www.wissen.allianz.de/?1603/sieben-milliarden-menschen&mcg=3935030277_13437149397&kwg=Exact_3935030277_Weltbev%C3%B6lkerung
    (Die haben dort eine kleine Werbe-Störung – einfach auf „>schließen“ klicken)

    Sieben Billionen Schulden sind nur ein Tausender pro Erden-Bewohner…

    Wetten, dass die Schulden schneller wachsen werden als die Weltbevölkerung???

    Obwohl kein Mensch auf der Welt so viel Geld hat! Damit sind die „Gläubiger“ gänzlich unbekannt, sie müssen in den Reihen der Kobolde gesucht werden.

    Nicht einmal die Banken haben so viel Geld. Aber sie verdienen wenigstens an den Schulden. Und die Kobolde auch…