Zentralbank Budapest: Ungarns Schulden auf Rekord-Niveau

Ungarns Schulden befinden sich auf dem höchsten Stand seit 1995. Die ungarische Zentralbank legt den Finger in die Wunde – und wird von der Regierung von Viktor Orban dafür kritisiert. Die Proteste in Ungarn werden immer heftiger.

Offiziellen Zahlen der ungarischen Zentralbank (NHB) zufolge ist die Verschuldung Ungarns auf ein Rekordhoch geklettert, berichtet der Nachrichtendienst AFP. So gab die NBH diese Woche bekannt, dass Ungarns Staatsschulden Ende September 2011 nun auf 82,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gestiegen seien – so hoch lag sie seit 16 Jahren nicht mehr. In Zahlen entspricht das 22,9 Billionen Forint oder umgerechnet 72 Milliarden Euro.

Analysten sagen, besonders problematisch sei, dass die Hälfte der Verschuldung in Fremdwährungen gemacht wurde. Denn der Forint ist seit Oktober 2010 um rund 20 Prozent gegenüber dem Euro gefallen – dadurch wächst der Druck auf die Regierung Orban.

Regierungssprecherin Gabriella Selmeczi kritisierte Ungarns Zentralbank und wirft ihr vor „Äpfel mit Birnen“ zu vergleichen. Sie sagt, das „BIP wird in der Landeswährung, dem Forint, gemessen – die Staatsverschuldung hingegen in der Fremdwährung“. Die Online-Wirtschaftszeitung Portfolio.hu kontaktierte daraufhin die ungarische Zentralbank. Diese wies die Vorwürfe Selmeczis mit der Begründung, sie würde zur Berechnung der Staatsverschuldung seit Jahren die Methodik der Europäischen Union verwenden, zurück.

Ministerpräsident Viktor Orban hatte seit seinem Amtsantritt im Mai 2010 einen engagierten „Krieg gegen die Staatsverschuldung“ geführt und Ungarns Situation bis Juni 2010 enorm verbessert. Die aktuellen Zahlen sind ein herber Rückschlag, zumal er versprach bis 2012 die Verschuldung auf 70 Prozent des BIP zu senken. Bis 2014 will er zudem die in den Mastrichter-Verträgen beschlossene EU-Obergrenze von 60 Prozent erreichen.

Am Montag waren wieder zehntausende in Budapest auf die Straße gegangen, um gegen Orban zu demonstrieren. Sie riefen „Viktator! Viktator!“ und forderten den Rücktritt der Regierung.

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Kommentare

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  1. edgar haag sagt:

    orban muß weg.diktatoren haben keinen platz in europa.
    warum steht ungarn so da .
    beispiel
    Vatta in ostungarn hat 980 einwohner
    1 hauptamlicher bürgermeister 2 bürokräfte 1 geschäftswagen 3 gemeindearbeiter ein großes verwaltungsgebäude ein fuhrpark.-.
    frage. kann man sich bei so einer zahl sich so etwas leisten.

  2. schlaumeister sagt:

    Das wird die Westeuropabanken zittern lassen, die massiv im Osten investierten.
    z.B. Hypokredite in Fremdwährung (CHF und Euro) gaben. Durch den absackenden
    Forint kann bald keiner mehr seinen Kredit bedienen.

  3. Chris sagt:

    82%? Ist doch garnichts, das hat ja sogar Deutschland! Tendenz steigend!

  4. jetztnicht sagt:

    Das wäre jetzt der richtige Zeitpunkt den Euro in Ungarn einzuführen um das Land nahtlos in den bestehenden Euro-Trümmerhaufen zu integrieren.

  5. Dalien Forester sagt:

    Die Bürger werden die korrupte Politeska hinwegfegen.

  6. FDominicus sagt:

    Da man nun ja die Zentralbank unter „Kontrolle“ hat, dürfte Gelddrucken kein Problem sein, dazu noch ein wenig Devisenbewirtschaftung und Eingriffe in den Mark und voila haben wir nationalen Sozialismus 😉 Liebe Ungarische Politiker, von Deutschland lernen heiß siegen lernen (oder so). Also bitte denkt daran noch privaten Goldbesitz zu verbieten unsere Nationalsozialisten haben damit gute Erfahrungen gemacht und man höre und staune dafür konnten Sie auf diversen Märkten noch etwas bekommen. Da mir speziell die Versorgung Ihrer Politiker sehr am Herzen liegt, muß ich Sie bitten hier vorzusorgen. Also privates Gold für die Partei und alles wird gut ™

    • Chris sagt:

      Gefällt mir!

      Ich hab ne noch bessere Idee. Alle Gründstücke und Unternehmen verstaatlichen, diese dann an ausländische Investoren verkaufen und diese dann wieder enteignen. Damit kann man die eigene Regierung retten und einen Bürgerkrieg verhindern. Anschließend kann man dann zur Verteidigung seines Landes die Bürger in den Krieg schicken.

      • FDominicus sagt:

        Oh, diese Idee ist noch etwas perfider. Da bringen Sie die ungarischen Eliten ja auf ganz „interessante“ Ideen ;-(