Italiens Politiker sind die Spitzenverdiener in Europa

Trotz aller Krisen und Sparmaßnahmen: Die italienischen Abgeordneten sind die bestbezahlten in Europa. Ein einfacher Abgeordneter im römischen Parlament verdient fast viermal so viel wie sein Amtskollege in Spanien und etwa ein Drittel mehr als ein deutscher Bundestagsabgeordneter.

Während sich die Italiener auf strikte Sparmaßnahmen einstellen müssen und unter Hochdruck versucht wird, die Steuerhinterziehung unter Kontrolle zu bringen (mehr hier), haben die Politiker weniger finanzielle Sorgen: Italienische Abgeordnete verdienen weit mehr als ihre Kollegen in einigen der größten Länder Europas. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht über Politikergehälter, den die italienische Regierung in Auftrag gegeben hat. Dabei wurden die Löhne und Sonderrechte von Abgeordneten in Italien, Frankreich, Deutschland, Spanien, den Niederlanden, Belgien und Österreich verglichen.

Vertreter in der Abgeordnetenkammer des italienischen Parlaments verdienen monatlich über 11.000 Euro. Damit kassieren sie mit Abstand den höchsten Lohn unter den sieben untersuchten Ländern. Der vergleichbare Posten wird in Spanien mit nur 2.800 Euro vergütet. Die niederländischen Abgeordneten kommen ihren italienischen Kollegen mit 8.500 Euro monatlich am nächsten. Ein deutscher Bundestagsabgeordneter bekommt knapp 7.700 Euro.

Die Italiener müssen ihren Abgeordnetengehalt zwar voll versteuern, dafür haben sie Anspruch auf eine Kostenpauschale in der Höhe von 3.500 Euro. Auch hier sind sie ganz vorne dabei. Nur deutsche Abgeordnete erhalten etwa 300 Euro mehr für Spesen. In Belgien gibt es hingegen gar keinen Zuschuss.

Zusätzlich zu Lohn und Zuschüssen dürfen italienische Abgeordnete kostenlos mit der Bahn, Flugzeugen, Schiffen und auf den Autobahnen reisen.

Auch bei den Bürokosten der Volksvertreter spart der italienische Staat nicht. Monatlich hat jeder Abgeordnete 3.700 Euro für den Betrieb seines Büros zur Verfügung. Hier sind nur die Franzosen großzügiger.

Das Ergebnis des Lohnvergleichs hat in Italien die Diskussion über das Ende der Privilegien für Politiker neu entfacht. Die Menschen wollen nicht einsehen, dass sie über die Erhöhung der Mehrwertsteuer für den Ausgleich des Budgets zahlen sollen, während die Gesetzgeber unverhältnismäßig große Zuwendungen erhalten (Zuletzt musste auch die Kirche ihre Privilegien aufgeben – mehr hier).

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Kommentare

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  1. Uri125 sagt:

    Da wundert es doch keinen mehr, wenn der italienische Bürger sich als ausgenommen betrachtet. Letztendlich sind es doch die kleinen Leute und der Mittelstand, wie hier auch, der zur Kasse gebeten wird. Steuergerechtigkeit wird in Zeiten, in der die EU immer stärker in unsere Bürgerrechte eingreift immer wichtiger. Sollte der ESM VErtrag greifen, haben die Nationalstaaten eh keinen Einfluss mehr auf ihre Steuermittel. Dann entscheidet ein sog. Gouverneursrat hoheitlich über die Mittel. Ohne Einspruchsmöglichkeit durch die Nationalstaaten. Darauf haben diese im Vertrag selber verzichtet.

  2. Andrea Visser sagt:

    Privilegien sollte es für niemanden geben. Jeder soll nach Leistung bezahlt werden. Ein kleiner Handwerksbetrieb verdient so gut, wie er ist. Der Chef wird entsprechend eingestuft im Steuerzatz. So sollte es auch bei Politikern sein. Wer viel verdient, zahlt auch viel….und wer viel Verantwortung trägt, bekommt das auch entlohnt. Also, wo ist das Problen?

  3. Syssifus sagt:

    Hoffentlich wandern unsere Pokitiker nicht nach Italien aus.Was verdient denn der Präsident in Italien?