DIW: Konjunktur-„Prognosen“ haben kurze Beine

Das Deutsche Institut für die Wirtschaft gibt bekannt: Das Wirtschaftswachstum 2012 beträgt 0,6%. Vor nicht einmal acht Monaten hatten die Experten noch 1,4% ermittelt.

Immer wieder treten die Wirtschaftsforscher vor die Öffentlichkeit und sagen die Zukunft voraus. Je nach Bedarf fühlen sich dann alle bestätigt: Die Opposition kann behaupten, alles sei viel schlimmer als erwartet. Die Regierung wieder darf sich in ihrem Kurs bestärkt sehen, denn es hätte viel schlimmer kommen können. Der Vorteil der Zukunft: Sie ist ungewiss. Der Nachteil für die Forscher: Sie ist wirklich ungewiss.

Jüngstes Beispiel: Die Konjunktur-Prognose des DIW-Berlin. Im Januar 2011 hatte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW-Berlin) für das Jahr 2012 ein Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes prognostiziert.

Drei Monate nach dieser Prognose hieß es im April vom DIW, die Konjunktur würde zwar an Schwung verlieren, sie stehe aber auf einer soliden Grundlage. Die Aussichten für 2012 wurden sogar noch einmal um 0,1 Prozent aufgebessert – die Wirtschaft werde um 1,4 Prozent wachsen, hieß es.

Nun aber – gerade mal acht Monate später – gibt das DIW bekannt, es werde im Jahr 2012 eine „Unterbrechung“ des Wirtschaftswachstums geben. Vor allem am Jahresbeginn sei es gut möglich, dass die deutsche Wirtschaft sogar schrumpft. Auf das gesamte Jahr gesehen, rechnet man jetzt mit einem Wachstum von gerade einmal 0,6 Prozent.

Noch im Januar 2011 hatte der Konjunkturchef des DIW, Ferdinand Fichtner ausdrücklich betont, es werde – anders als bei der Konjunktur 2010 – in den kommenden Jahren keine Aufholeffekte mehr geben.

Aber damit das Jahr nicht allzu trist beginnt, blicken die Wirtschaftsforscher gerne noch weiter in die Zukunft: „Dank des ab dem Sommer diesen Jahres einsetzenden Aufholwachstums rechnen wir für 2013 aber wieder mit einem Wachstum von 2,2 Prozent“, sagt DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner.

Also alles Freude oder was? Mitnichten. Denn das DIW hat auch eine wesentliche Einschränkung parat: „Das klappt aber nur, wenn die Politik die Krise im Euroraum in den nächsten Monaten überzeugend in den Griff bekommt“, so Fichtner weiter.

Wenn also die Politik nicht funktioniert – was im Grunde natürlich überhaupt nicht vorhergesagt werden kann – dann haben die Vorhersager gewissermaßen schon ihr Prognose-Swap vorbereitet. Fichtner: „Dann droht wirklich eine Negativ-Spirale aus steigender Arbeitslosigkeit und fallender Nachfrage“, warnt Fichtner. Dann, so das DIW Berlin könnte es wirklich zu einer spürbaren Rezession in Deutschland kommen.

Und das DIW wird dann sagen können: Wir haben es ja schon immer gewußt. Und wenn es nicht dazu kommt? Dann wird das DIW sagen: Wir haben ja immer „könnte“ gesagt.

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Kommentare

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  1. gut gelaunt bei schlechtem ausblick sagt:

    Sind die 0,6 Prozent inflationsbereinigt? In Brüssel steuert man ohnehin schon gegen mit Sanktionen auf iranisches Öl. Am Peak-Oil dürfte sich die Inflation für Deutschland damit nochmal beschleunigen wegen des viel zu weichen Teuros. Auch die Exportindustrie lebt nicht allein von Luft und Liebe.
    Ich würde 2,3 Prozent Wachstum ausrechnen, um meinen Arbeitsplatz nicht zu verlieren. Dafür rechnet man einfach 1,38 / 0,6 = 2,3 Prozent. Das sieht seriös aus und macht gute Stimmung.

  2. mandelkern sagt:

    Wie sollte das anders sein.
    Wenn die Theorien nicht die Wirklichkeit abbilden, die Komplexität so hoch ist, dass sie nicht mehr mit Logik erfassbar ist, die Krise keinen Präzedenzfall hat – was könnte da anderes herauskommen als Geschwurbel, das man ignorieren kann?
    Ärgerlich ist, dass die erklärten DIW-Experten für solche Leistungen so gut bezahlt werden.
    Und dass sie stets so viel öffentliche Aufmerksamkeit erhalten, obwohl sie beim Prognose-Ranking der letzten 10 Jahre ganz hinten liegen.

    Es gibt auch fähigere Prognostiker:
    http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/:konjunkturprognosen-der-prognosemeister-von-m-m-warburg/60144669.html

  3. Buhu sagt:

    Ich werd mal in meine Kristallkugel schauen…….

  4. Haikubehindert sagt:

    Es spielt überhaupt keine Rolle welchen Verlauf die Konjunktur nehmen wird.
    http://media.chrismartenson.com/images/GM-12-30-11-1-FAO-Food-Price-Index.jpg

    Es ist nun derart viel virtuelles Kapital am spielen, dass es für die 99% immer schlecht herauskommen muss. Das hat damit zu tun dass die Grossinvestoren seit einigen Jahren ausserhalb der Realwirtschaft wachsen oder schrumpfen. Wenn es den Börsisten gut geht, dann steigen die Lebensmittelpreise und Rohstoffe, wenn sie schrumpfen werden sie billiger. Im ersten Fall wird das Leben für die Mehrheit teurer (weil der Nettolohn seit Jahren nicht mehr steigt) und wenn die Konjunktur einbricht vermehren sich die Jobs für Billiglohnarbeit (was heisst trotz sinkenden Lebensmittelpreisen und Rohstoffen haben die untersten Gesellschaftsschichten nichts davon, weil sie weniger verdienen)

  5. Cuzco sagt:

    Ich halte 0,6 Prozent für ziemlich übertrieben! Die Negativ- Spirale wird wohl eher realistisch sein.

  6. Waltraud Schlimm sagt:

    Das ist wie mit dem Weihnachtsgeschäft,
    alle Jahre wieder. Mitten in der Advendszeit läuft das Geschäft glänzend, die Händler sind zufrieden. Ende Januar des folgenden Jahres, heisst es dann: Leider wurde der Vorjahresumsatz 1-3 % unterschritten. Steuerbereinigt ergibt sich ein Minus von 2 %.
    So etwa lautert die Worthülse jedes Jahr. Genauso verhält es sich mit den Prognosen zur Konjunktur. Alles was die Schlaumeier vorhersagen muss man 1% abziehen, dann hat man etwa den realen Wert.

  7. Gast sagt:

    Alles nicht so tragisch. Die Unternehmen werden sich an Lufthansa ein Beispiel nehmen und Wachstum mit der Ausgliederung von Angestellte erreichen. Flugbegleiter als Zeitarbeiter – tolle Idee um Wachstum durch Lohnkosteneinsparung zu generieren. Zumindest scheint jetzt irgendwie der ganz große Boom der Zeitarbeit vor der Tür zu stehen. Wenn man schon mit Produktion oder Service keinen Umsatz mehr machen kann dann mit den kleinen Angestellten welche in Krisenzeiten viel zu viel verdienen.

    Dumm bei solchen Sachen ist, das der Unternehmer welcher mit schlechter bezahlten Leiharbeitern arbeitet, seine eigenen inländischen Kunden verliert. Vor allem wenn der Export nicht mehr richtig funktioniert dann werden die inländischen Leiharbeiter wohl kaum die kleine Geldbörse für große Geschäfte öffnen. Ein Kreislauf welcher folglich zu noch mehr Einsparung, zu noch weniger Lohn oder Beschäftigung und letztendlich in die Insolvenz führt. Somit werden wohl weniger Flugbegleiter der LH großen Sommerurlaub machen, was folglich zu Umsatzeinbußen bei den Airlines führt.

    Also selbst bei einem negativen Wachstum dürften Unternehmen noch genug Kreativität besitzen um Gewinne zu erzielen ……. wie man an LH sieht.

    Wachstum gibt es immer – entscheidend ist in welche Richtung.

  8. Bernd sagt:

    Was will man auch von verbeamteten linksgrünen staaatstreuen Schmalspurakademikern auch sonst für eine Antwort erhalten???
    Bernd

  9. Goldhamster sagt:

    Fund der Woche und aktueller denn je: „Ihr könnt mich alle am Arsch lecken! Ich laß mir das nicht mehr länger gefallen!“

    http://www.youtube.com/watch?v=KmgpxRjGIPQ

  10. schlaumeister sagt:

    Im Kaffeesatz zu lesen ist genauso erfolgreich und kann genauso manipulativ
    eingesetzt werden. Wachstum, daß ich nicht lache, es geht hier ja nur um Zah-
    len, die statistisch hin und her gedreht werden können. Wächst das BIP wirk-
    lich um 0,6%, wenn es so kommen würde? Zahlenmäßig schon, bloß müßte
    man dann davon die Inflationsrate abziehen, um die sich der Wert des Geldes
    vermindert hat. 0,6% mehr minus der echten Inflation von ca. 6% ergibt 5,4%
    Minuswachstum, das ist das, welches die Leute spüren im täglichen Leben.
    Diese Spezialisten lügen uns in unsere eigene Tasche.