Griechenland: Unternehmen wandern ins Ausland ab

Unternehmen der griechischen Exportindustrie brauchen Rohstoffe und Kredite, um wirtschaften zu können. Weil sie beides in Griechenland kaum noch bekommen, verlagern sie ihre Hauptsitze ins Ausland und wickeln ihre Bankgeschäfte bei ausländischen Banken ab.

Hunderte Unternehmen der griechischen Exportindustrie kämpfen seit der Wirtschaftskrise mit großen Problemen – allen voran mit massiven Umsatzeinbußen. Die griechische Zeitung Kathimerini berichtet von einem durchschnittlichen Umsatzrückgang der Firmen von rund 40 bis 50 Prozent im Jahr 2011 im Vergleich zum Vorjahr. Besonders hart getroffen hat es die Automobilindustrie (wie auch in Spanien – mehr dazu hier), die Bekleidungs- und Einrichtungsbranche sowie den Groß- und Konsumgüterbereich (mehr über die Textilbranche – hier).

Priorität der Unternehmen: Der Erhalt der wirtschaftlichen Lebensfähigkeit. Da dies im eigenen Land kaum noch möglich ist, nehmen mehr und mehr Unternehmen neue Strategien wahr: Abwanderung und Auslagerung. So übertragen viele ihren Hauptsitz in Nachbarländer wie in andere Balkan-Länder oder nach Zypern. Zudem eröffnen seit Jahresbeginn viele Unternehmer neue Konten bei ausländischen Banken, um sich einen Bestand an Rohstoffen für das erste halbe Jahr zu sichern.

Viele Firmen haben bereit Kapital von Tochtergesellschaften ins Ausland transferiert. Andere hingegen konzentrieren ihre Anstrengungen auf die Förderung der gut laufenden Tochtergesellschaften im Ausland wie beispielsweise die Viohalco Group mit ihrem Tochterkonzern SIDENOR in Albanien.

Wie Unternehmer berichten, hat das Abwandern in Nachbarländer längst nichts mehr mit Kosteneinsparungen bei Arbeitskräften zu tun. Der Vorsitzende eines Dienstleistungsunternehmens erklärt, dass der „wirtschaftliche Würgegriff und die Unnachgiebigkeit der Banken“ sie zu diesem Schritt zwinge.

Besonders problematische für die Unternehmen seien die Geschäfte mit ausländischen Lieferanten. So akzeptieren sie seit der Krise keine Zahlungsgarantien mehr von griechischen Banken, schränken die Zahlungszeiträume ein oder verlangen gleich Bargeld im Voraus.

Damit entstehen auch für die griechische Regierung neue Probleme: Ihr gehen wichtige Steuereinnahmen verloren. Damit sinken die Chancen, dass das Land seine Volkswirtschaft einigermaßen unter Kontrolle bringt (mehr zu den Folgen für die EU – hier).

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Kommentare

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  1. hunsrückbäuerlein sagt:

    die weltwirtschaftskrise 1923/24 – 1932 war nur durch wesentliche einschränkungen des freien handels zu überwinden.

    die weltbankenkrise 2007 – ultimo wurde nicht durch wesentliche einschränkungen des freien geldverkehrs und handels überwunden, der globus wurde von den USA gesprengt.

    • FDominicus sagt:

      Manchen Vorstellung und Meinung hat mit der Wirklichkeit wenig zu tun. Aber lassen wir das. Sie bleiben in Ihrem Hunsrück und leben dort Ihre Leben und ich hier und lebe meins. Sie treiben keinen Handel mit mir und ich nicht mit Ihnen und Sie werden sehen es geht uns beiden garantiiert bombig (R).

      Da offensichtlich Handel schlecht ist können Sie ja im Hunsrück auf Substitivwirtschaft ausweichen. Der Hunsrück ist ja gerade auch wegen seiner exzellenten Voraussetzungen für Ackerbau bekannt. Ich bitte Sie daher gehen Sie auf Ihr Stück Land und kaufen/verkaufen sie nichts. Nur so können wir diese Krise überwinden.

  2. Bert sagt:

    Wat Murksel wohl dazu sagt? Juhu neue Fachkräfte vlt.