Ungarn auf Crashkurs: Staatsanleihen bei 9,96 Prozent

Die Zinsen für ungarische Staatsanleihen sind bei der Auktion am Donnerstag explodiert. Zinsen von knapp zehn Prozent sind für Ungarn auf Dauer nicht finanzierbar.

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Bei der jüngsten Auktion von Staatsanleihen konnte Ungarn lediglich 110 Millionen Euro Kapital beschaffen. Das sind mehr als 30 Millionen Euro weniger als erhofft. Doch nicht nur das mangelnde Interesse von Investoren an ungarischen Anleihen wird zum Problem: Die Zinsen für die zehnjährigen Staatsanleihen stiegen rasant von 7,91 auf 9,96 Prozent.

Einen derart hohen Zinssatz wird das finanziell stark angeschlagene Ungarn nicht lange bezahlen können (Der Schuldenstand ist hoch wie nie – mehr hier). Das Land muss in diesem Jahr über 12 Milliarden Euro umschulden. Um nicht bankrott zu gehen, benötigt Ungarn dringent Geld vom Internationalen Währungfsfonds und der EU. Die Verhandlungen waren kürzlich abgebrochen worden, weil sich die ungarische Regierung unter Viktor Orban für eine Einschränkung der Unabhängigkeit der Nationalbank entschlossen hatte (mehr hier).

Der Rückschlag bei der Ausgabe von Staatsanleihen scheint die ungarische Regierung einsichtig gemacht zu haben: „Der Regierung ist der Ernst der Lage völlig bewusst. Wir sind bereit am Verhandlungstisch über alles zu diskutieren“, sagte Tamas Fellegi, der für die Verhandlungen mit dem IWF verantwortliche Minister.

Ausgelöst durch die schlechte Auktion von Staatsanleihen fiel auch der Kurs der ungarischen Währung auf ein neues Tief: Ein Euro ist inzwischen 324 Forint wert.

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Kommentare

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  1. The Hungarian sagt:

    Totgesagte leben länger….

  2. klaus mair sagt:

    google : orban : vetternwirtschaft geht weiter google :euro,dynamit statt dynamik

  3. Inbrevi sagt:

    Zu Gerechtigkeit 06.01.12 — Einer von uns beiden hat nichts begriffen:
    damit Ihnen klar ist warum Italiens Zinsen noch relativ human sind:
    weil vielleicht auch Sie, ganz sicher aber ich und Millionen anderer Deutscher,Österreicher, Niederländer und Finnen den nicht geringen Rest zahlen!
    Und: um Ihrer Chiffre gerecht zu werden, sollten Sie sich Gedanken machen wie auch Ungarn „bezahlt“ werden kann, oder nicht! Ist das gerecht?

  4. Gerechtigkeit sagt:

    Die Ungarn glauben ja noch immer, dass sie Untertsützung von IWF und der EU erhalten – wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld????

    Immerhin sieht man hierbei schön, dass Italiens Zinsen noch relativ human sind!!

  5. Atreides sagt:

    Die brauchen nur 110 Mio €? Verglichen mit den anderen Pleitestaaten ist das nur ein Trinkgeld. Hoffentlich macht mal ein Land den Anfang und erklärt sich bankrott, dann hört das ganze Hin-und-Her endlich auf.

  6. Christel Jungbluth sagt:

    Meine Güte, nun stellt Euch mal vor, dass Ungarn nicht mehr in der Lage ist, sich daraus zu befreien.
    Goldman Sachs hat bestimmt noch mehrere Leute, die gerne aushelfen. Sie züchten doch die „fähigen“ Retter.

    Man merke: Wer nicht mitzieht, den hat man an der Angel und rettet sie, kurz bevor sie bankrott gehen!
    Warum hat man die Länder denn zuvor sich so hoch verschulden lassen? Wer gab ihnen denn noch Kredite, wo schon alles absehbar war? – Ich denke da an Griechenland und Goldman Sachs, so als Beispiel.
    Da laufen passende Pläne ab, bin ich mir sicher, woraus sich kein Land befreien kann!

    Man kann nur vor Krediten warnen! – Ich las mal irgendwo was passendes, im Zusammenhang mit Räubern und Bankern, was man in der Öffentlichkeit nicht so ohne weiteres preisgibt. – Jedem sollte es aber zu Denken geben. Das reicht dann schon!