Spanien lehnt Bankenrettung ab

Die spanische Regierung will keine Bad Bank gründen, um den Banken Schrottpapiere aus dem Immobiliengeschäft abzunehmen. Der Wirtschaftsminister sagt, die Banken müssen Rücklagen bilden. Damit wird es zu einem weiteren Konzentrationsprozess kommen.

Spanien fordert von seinen Banken, bis zu 50 Milliarden Euro mehr zurückzulegen, um Verluste aus belasteten Immobiliengeschäften ausgleichen zu können. Dies sagte der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos (ein ehemaliger Lehman Banker – mehr hier) im Interview mit der Financial Times. Er forderte, die Banken sollten ihre Bilanzen von solchen Anlagen befreien, ohne damit den Staatshaushalt zu belasten.

Die Maßnahme ist Teil der neuen Reformpläne für den spanischen Finanzmarkt (mehr hier). Zuvor hatten viele erwartet, Spanien würde ähnlich wie Irland eine Bad Bank gründen, um ungedeckte Immobiliengeschäfte, Hypotheken und Kredite übernehmen zu können.

„Wir haben ein Immobilienproblem in Spanien, es kann aber gewältigt werden. Die 50 Milliarden Euro entsprechen vier Prozent des spanischen Bruttoinlandsproduktes. Das ist anders als bei Irland. Es ist eine andere Größenordnung“ sagte de Guindos.

Auch die großen spanischen Banken hatten eine Bad Bank abgelehnt. Sie fühlen sich stark genug, um das Problem der Risikopapiere selbst zu lösen. Sie wollen nicht verstaatlicht werden, weil sie dann den Steuerzahlern direkte Rechenschaft über ihre Geschäfte ablegen müssten. Statt dessen sehen vor allem die großen Banken wie die Banco Santander die Krise als eine Chance, kleinere Institute zuzukaufen. Einsolche Marktbereinigung leistet freilich dem Prinzip „too big to fail“ Vorschub. De Guindo als Ex-Lehman scheint jedoch davon auszugehen, dass ein zweites Lehman zumindest unter seiner Leitung in Spanien eher unwahrscheinlich ist.

Der Immobiliensektor in Spanien umfasst Anlagen im Wert von knapp 340 Milliarden Euro. Die spanische Nationalbank geht davon aus, dass davon 176 Milliarden Euro geplatzten Krediten, ungesicherten Hypotheken und wertlosen Immobilien und Grundstücken zuzuordnen sind.

Ein Drittel der Schrottpapiere haben die spanischen Banken bereits abgeschrieben. Sie rechneten nicht damit, von der Regierung zu derart großen zusätzlichen Abschreibungen verpflichtet zu werden. Die 50 Milliarden Euro entsprechen 28 Prozent der übrigen Schrottpapiere. Die Banken wollten höchsten 20 Prozent zusätzlich abschreiben.

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Kommentare

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  1. Syssifus sagt:

    Unternehmerisches Risiko,wer sich verspekuliert geht über die Wupper,äh meine den Ebro.

  2. Chris sagt:

    Man hat den Banken schon vor Jahren die Bilanzierungskriterien bzw. die Abschreibungsbemessung so weit gelockert, daß selbst eingerissene Häuser auf verseuchten Grundstücken noch zu 100% Wert in der Bankbilanz stehen können. Die Banken sind selbst zu Badbanks geworden, wieso dann welche gründen?

    Ach ja, hab ich fast vergessen, die HRE hat ja eine Badbank bekommen in die sie nach eigenem Ermessen alles abladen kann, was sie will. Gleichzeitig kann man dann wieder ein neues Portfolio für hochriskante Schrottpapiere eröffnen, das ist gut für die Rendite!

  3. Atreides sagt:

    Dem steht entgegen, daß die spanische Regierung gerade mit 100 Mrd. € für die spanischen Banken gebürgt hat, damit sie Geld bei der EZB bekommen. Also gibt es doch eine Bankenrettung über diesen Umweg.
    Allerdings prahlen die spanischen Banken damit, es ginge ihnen ja so gut, daß sie mit der Kapitalaufstockung gar keine Probleme hätten.