Monti: Geheimtreffen in Brüssel

Mario Monti ist überraschend zu einem geheimen Treffen nach Brüssel geflogen. Vor der nächsten Runde der EU-Gipfel formieren sich die Allianzen. Eine der stärksten ist die der italienischen Goldmänner Monti und Draghi. Die beiden dominieren auch schon Merkel und Sarkozy.

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Die nächste Runde der Europäischen Gipfelberatungen hat begonnen. Mario Monti wird am Freitag in Paris Nicolas Sarkozy treffen. Dieser wiederum muss am Montag zu Angela Merkel nach Berlin.

Donnerstag Abend ist Monti außerplanmäßig nach Brüssel geflogen. Über seine Gespräche wird strengstes Stillschweigen bewahrt. Sein Büro verweigerte jede Auskunft über die Gesprächspartner. Es ist gut möglich, dass sich Monti mit EU-Spitzen wie Olli Rehn oder Herman Van Rompuy treffen könnte. Beide stecken mitten in den Vorbereitungen zum Vertragsentwurf für den Fiskalpakt (inzwischen schon ein eher zahnloses Papier – mehr hier; auch der IWF hält die Pläne für unzureichend – hier). Da könnten sie den Rat des Goldman-Beraters Monti sicher gut gebrauchen. Auch ein Treffen mit Mario Draghi ist denkbar. Draghi, der EZB-Chef, ist ein allen Weggefährte von Monti bei Goldman.

In der EU gilt die Achse Draghi-Monti bereits als ebenso wichtig wie die Achse Merkel-Sarkozy – mit einem Unterschied: Die beiden Italiener verstehen etwas von Finanzakrobatik.
Zuvor versuchte Monti, die öffentliche Meinung in Frankreich für Italien einzunehmen: „Es gibt absolut keinen Grund, Angst vor Italien zu haben“, sagte er in einem Interview mit dem französischen Figaro. „Wir verfügen über einen in Europa sehr seltenen Rohstoff – den Konsens in der öffentlichen Meinung, der die europäische Integration befürwortet.“ Ohne Furcht habe Italien die konkreten Sparmaßnahmen umgesetzt und die Italiener hätten „fast schon mit einer britischen Gelassenheit“ die auferlegten Forderungen akzeptiert. Mario Monti sieht darin den Beweis für das „bewundernswerte Verantwortungsbewusstsein“ des italienischen Volkes und fügt hinzu, „es wurde nicht länger als drei Stunden gestreikt“.

Worum es bei seinem Treffen mit Sarkozy konkret gehen werde, sagte Monti in dem Interview allerdings nicht. Er sprach lediglich davon, dass beide die gleichen Ansichten zum Fiskalpakt hätten, er selbst aber eine EU-weite Lösung bevorzugen würde.

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Kommentare

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  1. Harry Schneider CYYZ sagt:

    Die Einfuehrung des Euros war nichts weiter als eine Neuauflage des Versailles „Vertrages“.

  2. knack sagt:

    Die einzige Chance die wir haben, das das System an seiner eigenen Gier zugrunde geht.

    Jetzt brechen die BIPs reihenweise ein, und NICHTS ist so tödlich wie eine sinkende Wirtschaft – selbst bei gleichbleibenden Schulden, aber die steigen ja dazu auch noch !

    Wenn das BIP sinkt, schwindet das Vertrauen rasch, da es UNMÖGLICH ist, mit sinkendem BIP auch nur annähernd so zu tun, als ob man die Schulden zurückzahlen könnte.

    Das ist dann so offensichtlich gelogen, daß es kaum einer abkauft.

    Griechenland ist so ein Fall. Es ist pleite, aber es darf nicht so genannt werden.

  3. Buerger67 sagt:

    Wie gut, das auf solche offensichtlichen Lügen niemand mehr reinfällt und die Herren von Goldman werden auch bald sehen, das ihr „Ticket für das Boot“ völlig wertlos ist, da es die Insel nicht mehr gibt!

  4. Haikubehindert sagt:

    Die Brüsseler Bruegel -Denkkram -Farbrik Mario Montis läuft der Markozy -Jerusalem-Connection den Rang ab. Monti hat vorgesorgt, als Vorsitzender der bilderbergischen Trilateral Komission verfügt er über ein Spinnennetz von Beziehungen. Nicht nur Draghi, auch der neue Volkswirt Paert gehört zum Bruegel Netzwerk, und noch wichtger -der nächste deutsche Wirtschaftsminister- vermutlich Steinkrücke. Auch bei IWF Lagarde hat Monti die Finger im Spiel und auch der kürzlich in öffentliche Kritik gekommene Notenbankchef der SNB Hildebrand. In Frankreich hat er Connections zu Strauss Khan, der wieder wichtiger werden dürfte nach der Strangulation Sarkozy bei den nächsten Wahlen. Überhaupt gibt es in der Schweiz viele Dinge die Monti ausserhalb Italiens und Brüssels erledigt, nicht nur den Besuch seines Ferienhauses im Engadin -er werkelt auch mit den libertären Denkschmieden der Wirtschaftsuni St. Gallen im Einklang -an der Isolation der Demokratie aus Wirtschaftsfragen.

    Monti will in Europa ( hat er in einem Buch geschrieben) den Nationalstaaten die Hoheit über Wirtschaftsfragen entziehen und nach Brüssel konzentrieren. Dort ist er dabei sein Kasperle -Theater zu errichten. Auf dem Programm der „Geheimgespräche“ steht übrigens auch die Organisation des Iran-Krieges, die EUCOM wird gerade jetzt wo ich das schreibe mit Isaelischen Offizieren besetzt. Sie haben die Aufgabe die Raketenabwehr gegen Iran.Syrien und Libanon zu orchestrieren, es stehen ab Ende Februar in Israel selbst zehntausende US-Soldaten für die Bedienung des grössten Raketenabwehr Dispositivs bereits die die Welt je gesehen hat. Italien, welches in der Vergangenheit nicht sonderlich Pro Israelisch aufgefallen war -will Monti wenigstens auf Linie mit Obama bringen, hier sorgt ein gewisses Netzwerk mit dem Namen JStreetPAC hilfreich für Kooperation. Man darf nicht vergessen Oligarchen sind darum besorgt dass sich weltliche und nicht religiöse Ideologien durchsetzen, denn Religion ist schwierig zu diktieren. In dieser Hinsicht teile ich sogar die Ansichten Mario Montis, nicht aber dessen Zweck -die Ablösung der alten westlichen Weltordung -durch eine globale Finanzregierung (Europa ist nur Zwischenschritt), dem sich Demokratien unterzuordnen haben.

  5. Das Orakel sagt:

    Was Monti als Verantwortungsbewußtsein tituliert ist in Wahrheit Dummheit.
    Der Klügere lässt den Dümmeren glauben, dass der der Klügere sei, der nachgibt, wohl wissend, dass es genau anders herum ist.