EU-Minister: Finanztransaktionssteuer kommt bis Ende 2012

Deutschland und Frankreich hätten sich entschieden, die bis Ende 2012 eine EU-weite Finanztransaktionssteuer einzuführen, sagte der französische Minister für europäische Angelegenheiten in einem Interview. Dabei solle es auch bleiben - trotz der Widerstände in einigen EU-Staaten.

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Die neue Finanztransaktionssteuer befände sich bereits auf der Agenda für den kommenden EU-Gipfel, sagte Jean Leonetti, der Minister für europäische Angelegenheiten der französischen Regierung, dem französischen Nachrichtensender LCI. „Nikolas Sarkozy und Angela Merkel haben es beschlossen und es wird noch vor Ende 2012 in Kraft treten“. Er glaube zudem, „die neue italienische Regierung, mit der wir in Kontakt sind, ist nicht dagegen.“ 26 der 27 Länder, „also alle EU-Länder außer Großbritannien haben gegenüber dieser Idee keine Einwände“, fuhr Jean Leonetti fort und ergänzte „und außer Schweden, das schlechte Erfahrungen in diesem Bereich hat“.

So entsteht erneut der Eindruck, vor allem Frankreich und Deutschland würden im Alleingang über die Köpfe der übrigen EU-Länder hinweg entscheiden. Das ist insofern interessant, als das beim letzten Treffen der EU-Finanzminister auch Bulgarien und Tschechien ihre Bedenken hinsichtlich einer EU-Finanztransaktionssteuer äußerten. Auch ist der genannte Einführungstermin Ende 2012 bedeutend früher als die vorsichtigen Äußerungen der EU-Kommission, über ein mögliches Inkrafttreten 2014.

Während also die neue EU-Ratspräsidentin Helle Thorning-Schmidt noch betont, Großbritannien wieder mehr in die EU integrieren zu wollen, wird indes genau das vorangetrieben, was David Cameron umgehen wollte. Die EU-Kommission schätzt, mit einer solchen Steuer ca. 57 Milliarden Euro jährlich von den Finanzinstituten einzunehmen. Doch Großbritannien fürchtet, dass der große Finanzsektor in London dadurch starke Verluste erleiden würde. Schließlich könnten sich Händler an Finanzorten ansiedeln, die diese Steuer nicht eingeführt haben.

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Kommentare

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  1. trader sagt:

    Meine schweizer Frimenbeteiligung liegt sozusagen schon in der Schublade.Viel Glück EU !

    kurze Rechnung: 5 trades a 200000eur Volumen am Tag.

    Bei einer Steuer von nur 0.01% auf Ankauf und Verkauf. also auf 2Mio Umsatz wären das 200Eur am Tag Steuern..4000eur im Monat 48000 im Jahr..

    Da kann jetzt mal jeder selbst Überlegen wie DayTrader reagieren werden. Banken und Fonds sowiso.

    Also um das nochmal für jeden ins Verhältnis zu setzten. Um nur für die Steuern aufzukommen ,müsste ich die oben genannten 200000Eur z.b.Eur/USd Währungspaar. für 24cent halten oder anders ich eine long Position von 1.26 auf 1.50 halten.

    Die angenommen Steuereinamen werden nicht im Ansatz erreicht werden. weil die Händler entweder nicht mehr handeln oder auf andere Länder ausweichen.

    Wer soll denn nun das Volumen generieren? EU?

  2. lachengehtvor sagt:

    frau wulf und frau wagenknecht werden auch weiter schöne kleider tragen, egal wann die steuer eingeführt wird und wie hoch sie auch sein mag. wer da was anderes glaubt ist schlicht weltfremd.

    machts wie der ein oder andere politiker: wegen abgeltungssteuer eine vermögensverwaltende gbr gründen, damit die steuer erst bei auflösung greift und demnächst sitzverlegung der gbr nach wo auch immer um auch die neue steuer zu umgehen.

    zahlen wird nur der kleinsparer

  3. schlaumeister sagt:

    Wenn diese Steuer kommen würde, hätte man sie schon vor 3 Jahren eingeführt,
    das sind nur Absichtserklärungen, sie müßte so hoch sein, daß die meisten be-
    trügerischen Spekulationen sich nicht mehr lohnen. Doch niemand will das, Geld
    muß weiter aus Geld generiert werden, Verbrecher lassen das Verbrechen nicht,
    da sie ja keine Strafe fürchten müssen, sondern alle Politiker mit ihrer Knete
    locker nach ihrem Gusto manipulieren können. Das ganz arme Würstchen Bu-
    präserdent und Gattin kann man schon mit wenig Knete ködern: Kostenlose
    Ferien und Flüge, billiges Schuldgeld, gesponserte Modellkleider für umsonst
    etc. – wer weiß was noch alles herauskommt. Der gute Tony Blair hat in seiner
    Amtszeit die Banken so gut behandelt, daß er jetzt einen p.a. 6 Millionen
    Beratervertrag von JPM hat. Beraten tut er aber nix, ist nur ein Dankeschön für
    geleistete Unterwürfigkeit – es muß wirklich erst alles krachen, bevor irgendeine
    Änderung erfolgen kann.

  4. schnauzevoll sagt:

    immer schön abkassieren damit man weiter tolle wahlversprechen finanzieren kann um die eigene politikerpension zu sichern.

  5. Karl Heinz sagt:

    Zitat:“Die EU-Kommission schätzt, mit einer solchen Steuer ca. 57 Milliarden Euro jährlich von den Finanzinstituten einzunehmen.“

    Es geht also um eine direkte EU-Steuer – nicht um Regulierung!!!

  6. sabine0301 sagt:

    Ich würde auch eine ganz andere Perspektive einmal sehen wollen, die leider in keinem Medium diskutiert wird.
    1. In einem NTV-Interview berichtete ein heute 106-jähriger Börsenhändler von der Börsen-Welt der 1920’er Jahre. „Dort tummelten sich nur die Reichen, heute ist die Börse für jedermann offen“, so sein Bericht. In den USA eine ganz normale Sache. Nur in Deutschland denunziert man diese Tätigkeit völlig zu Unrecht in öffentlich geführten Neid- und Haß-Talkshows und stachelt die Massen auf. Betrug ist in jedem Geschäft möglich, da ist die Börse nicht wesentlich schlimmer, im Gegenteil, wie oben beschrieben, hat das Börsengeschäft durch klare Regeln auch Grenzen, die den Anleger schützen können. Ich glaube, daß in der öffentlichen Diskussion viel zu wenig die positive Seite der modernen Finanzmärkte und Handelstechniken thematisiert wird. Noch nie waren Börsengeschäfte – nicht zuletzt auch durch die technischen Möglichkeiten – so „demokratisch“ organisiert wie heute. Mit nahezu allen Kontogrößen können auch Menschen mit mittlerem und kleinerem Einkommen auf der Basis geeigneter Strategien an der Börse Geld verdienen. Ist das nicht ein faszinierender Gedanke, mit seinem eigenen Geld ohne jegliche Bevormundung durch Banken arbeiten zu können? Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, wo man jede Aktienorder nur direkt bei der Bank anmelden mußte. Und dann bekam man auch nicht jedes Papier. An Optionsschein- oder Futures-Handel war gar nicht zu denken. Die Märkte sind leider durch jene „Profis“ in Verruf geraten, die das kleine Einmaleins des Risikomanagements nicht beachten. Immer wieder wird in Börsenseminaren vor Leichtsinn und Gier gewarnt. Hebelprodukte können ein Segen sein, gerade weil man mit kleinen Kapitaleinsätzen Bewegungen handeln kann, um 98% Liquidität zu schützen. Das ist ja der eigentliche Sinn der Hebelkonstruktionen!! In anderen Ländern kann man als Privatmann ohne sich zu schämen darüber reden, wenn man an der Börse handelt. In Dt. eben leider nicht, das ist sehr schade und hilft uns auch nicht weiter.
    2. Die 57 Milliarden sind natürlich eine rechnerische Größe. Keiner weiß, wie die auf diese Summe kommen. Wenn die Steuer zu hoch angesetzt wird, verabschieden sich die Händler, weil die Kosten die Gewinne auffressen und die schönen Steuer-Milliarden fließen dann auch nicht mehr. Dies entlarvt eigentlich nur, daß es dem EU-Zentralstaat eben nicht um Regulierung und Gerechtigkeit sondern ums Mitverdienen, sprich Abzocke geht. Und da ist ihm auch keine denunzierende Neiddebatte als Mittel zu perfide. Das hat ja unsere tolle Kanzlerin in der DDR gut gelernt: unter Honecker die Meisterprüfung und unter Kohl dann das Diplom! Bravo! Der Effekt des Rückzugs aus dem Börsenhandel könnte übrigens auch bei weltweiter Einführung eintreten. Und wen trifft es wieder?? Den kleinen Investor, der nun gerade an den Segnungen des modernen Handels teilhaben könnte. Ich bin absolut gegen eine FTS.

  7. General-Investigation sagt:

    Was nützt es denn, wenn man das ganze lediglich EU-weit macht?
    Wenn ich in Wohnzimmer und Küche das Rauchen verbiete, kann man immer noch in den anderen Räumen rauchen. Also entweder überall oder gar nicht, denn ansonsten gibt es wieder spezielle Räume wo sich alle sammeln und dann bleibt eigentlich alles beim alten.

  8. sabine0301 sagt:

    Dieser Artikel illustriert wieder einmal, wer hier über unsere Köpfe hinweg entscheidet. Ganz gleich, wie man zur FTS steht, allein der Stil und die Methoden von Merkozy verraten, wo die Reise hingeht – zum neokommunistischen Zentralstaat a la ehemals Ostblock! Schweden hat schlechte Erfahrungen mit diesem Instrument, England nimmt Reißaus, Bulgarien und Tschechien werden ignoriert. Schafft diese Bande von Diktato-ren ab! Sie verschachern ihre Völker für das „Linsengericht“ der Wählerquote, um ihre imperialistischen Spielchen nach den Wahlen weiterzutreiben! Ich als ehemaliger DDR-Bürger verbinde mit den Methoden dieser Kanzlerin nur die übelsten Erinnerun-gen! Ich kann „Radikaldemokrat“ nur zustimmen! Kann man denn gegen diese Bande überhaupt nichts mehr unternehmen?!

  9. Kein Eurofan sagt:

    Die Schuldenbarone müssen wieder mehr Geld bekommen, was denn sonst?

  10. Radikaldemokrat sagt:

    Zwei Kommentare:

    1. Politiker tragen als „Begründung“ für diese Steuer immer wieder das „Gerechtigkeitsargument“ vor. Sie behaupten, die Finanzmärkte mit ihrem Computerhandel seien schuld an der Finanzkrise und es sei daher nur billig und recht, dass die Märkte auch an den Kosten der Finanzkrise beteiligt würden. So explizit Herr Juncker.

    Diese Argumentation ist natürlich eine faustdicke Lüge. Nicht die Finanzmärkte sind schuld an der Staatsschuldenkrise, sondern die Schuldenmacherei der Regierungen und die Orgien von Geldschöpfung aus dem Nichts, die die Notenbanken veranstalten. Ich Wahrheit geht es der Politik also keineswegs um Gerechtigkeit, sondern einzig und allein um eine neue Geldquelle, um Abzockerei und weitere finanzielle Strangulierung der Bürger.

    2. Diesmal gibt es die begründete Hoffnung, dass die Steuer scheitert. Es kostet die Großen an den Finanzmärkten nur ein paar Mausklicks, um ihre Transaktionen ins transaktionssteuerfreie Ausland (London) zu verlagern. Schweden hat in den neuziger Jahren einschlägige Erfahrungen gemacht und ist deshalb gegen die Steuer.

    Selbst Kleinanleger haben die Chance, die Steuer zu umgehen. Sie müssen ihre Konten nur nach London verlagern. Das dürfte ohne allzu großen Aufwand möglich sein.