Wegen VW: Banken fordern Milliarden von Wulff

Knapp 70 Banken fordern von VW und Porsche 1,8 Milliarden Euro - unter anderem auch von Christian Wulff. Auch wenn die Klage keine unmittelbare Gefahr für den Bundespräsidenten darstellt, könnte sie die politische Entschiedung, ihn abzulösen, beschleunigen.

Neues Ungemach für Christian Wulff: 67 Versicherungen, Banken und Fonds fordern von Bundespräsident Christian Wulff 1,8 Milliarden Euro. Wulff soll als Mitglied des Aufsichtsrats, in dem er wegen der Landesanteile bei VW saß, nicht nachgekommen sein. Er soll die Interessen der Familien Piech und Porsche intensiver beobachtet als jene der VW-Aktionäre. Außerdem soll Wulff schon länger von der geplanten Transaktion gewusst haben. Er habe es dann unterlassen, die Aktionäre zu informieren.

Wulff habe als niedersächsischer Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat seine Pflichten verletzt, sagte Alexander Reus, einer der beratenden Anwälte der mit dem Fall beauftragten Inkassogesellschaft ARFB, der Nachrichtenagentur Reuters. Die von der ARFB vertretenen Investoren hätten einen Antrag auf Einleitung eines außergerichtlichen Gütetermins gestellt. In dem Antrag wird eine Schadenersatzsumme von 1,8 Milliarden Euro verlangt.

Die Klage richtet sich neben Wulff auch gegen Ferdinand Piech, gegen das Unternehmen Porsche sowie gegen die damaligen Porsche-Vorstände Wendelin Wiedeking und Holger Härter. Alle Beteiligten haften gesamtschuldnerisch.

Es ist nicht wahrscheinlich, dass der vorgeschlagene Gütetermin zu einem Ergebnis führen wird. Vor allem Wiedeking bestreitet jegliche rechtswidrige Handlung energisch. Weil aber mit Porsche auch ein potentes Unternehmen verklagt wird, halten Beobachter die Aufnahme eines Prozesses für realistisch. Die gesamtschuldnerische Haftung würde bedeutet: Wenn zum Beispiel Porsche die gesamte Summe zahlen müsste, könnte das Unternehmen versuchen, sich einen Teil des Geldes bei den anderen Beklagten wiederzuholen.

Ein Mitarbeiter von Christian Wulff aus seiner Hannoveraner Zeit hält einen Prozess „für wenig aussichtsreich“. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Mathias Middelberg sagte der Neuen Osnabrücker Zeitung: „Wir wussten nicht definitiv, dass Porsche VW übernehmen wollte. Wir waren aber aufgrund sorgfältiger Analyse der Umstände vorbereitet und haben unsere Verteidigung dementsprechend organisiert.“ Middelberg sagte, er halte es für ausgeschlossen, dass Wulff Informationen pflichtwidrig zurückgehalten habe.

Insgesamt ist nicht damit zu rechnen, dass dieser Aktionärsstreit eine unmittelbare Gefahr für Christian Wulff ist. Er könnte jedoch die Entscheidung, ihn abzulösen, beschleunigen. Verschiedene Medien berichten am Samstag, dass CDU und FDP bereits über mögliche Nachfolger diskutieren.

Vor allem aber bestärkt der Fall VW-Porsche eine Facette von Wulff: Er war stets eng verflochten mit verschiedenen Seilschaften in Hannover – eine Praxis, die in den meisten deustchen Bundesländern bereits so üblich geworden ist, dass sie kaum noch einem auffällt.

Sollte es jedoch hart auf hart kommen, dürften Wiedeking und Härter durch entsprechende Manager-Versicherungen abgesichert sein. Wulff dagegen müsste dann vermutlich sein Haus in Burgwedel verpfänden – vorausgesetzt, er hat bis dahin seinen aktuellen Kredit zurückbezahlt oder aber durch Wärmedämmungen an dem Haus eine entsprechende Wertsteigerung an der Immobilie geschaffen.

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Kommentare

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  1. Gonzo sagt:

    Und nach Brasilien haben sie ihn doch nicht mitgenommen…?

  2. Guido Wekemann sagt:

    glosse im wetterglas

    Wulff muss bleiben …

    Sie werden bestimmt denken: Da kommt doch noch was. Sonst hätte der Schreiber keine Pünktchen gemacht, sondern allenfalls ein Ausrufezeichen. Es hätte was kommen können, etwa das Sturmtief „Andrea“, das im Voraus schon mal als verheerender Orkan angekündigt wurde. Die in manchen Kreisen vielleicht erhoffte Katastrophe blieb aus, ein Themenwechsel war nicht in Aussicht. Also bleiben, … Wieder kein Ausrufezeichen, aber schon mit Komma.

    Ein Bundespräsident ist etwas Besonderes. Er steht unter besonderem Schutz. Er genießt uneingeschränkte Immunität, kein Staatsanwalt kann ermitteln, auch nichts Entlastendes feststellen, wenn es die Amtsperson nicht zulässt.

    Als schwäbischer Häuslebauer möchte man sich hineindenken, vielleicht auch mitfühlen, wenn es um das Finanzieren geht. Man weiß ja, wie lange eine Familie sparen und sich einschränken muss, um das Ziel der schuldenfreien Wohnstatt zu erreichen.

    Und nun das: „67 Versicherungen, Banken und Fonds fordern von Bundespräsident Christian Wulff 1,8 Milliarden Euro“ melden die Agenturen und verbreiten die Zeitungen. Da könnte beim Häuslebauer eigentlich Mitleid aufkommen. Jeder weiß doch, solche Häuser gibt es doch gar nicht, die so viel kosten, oder? Andererseits kann sich der redliche Arbeiter nicht vorstellen, dass ausgerechnet ein Ministerpräsident, der auch Aufsichtsrat und mit einigen anderen zusätzlich einträglichen Posten und mit einer Apanage von mehr als dem Vielfachen eines Arbeiterlohns ausgestattet ist, wegen einem Einfamilienhaus in Geldnot geraten kann.

    Wer hatte eigentlich die späte Idee von dieser sauteuren Mitleidsnummer, die beim Normalbürger bestimmt nicht zieht? Eines ist jetzt aber klar: Der Gescholtene muss im Amt bleiben, weil Ermittlungen sonst ergeben könnten, dass die eigentlich Schlimmen noch gar nicht bekannt sind; und gerade diese haben großes Interesse daran, dass der kleine Sünder nichts sagen muss. Und vielleicht bringen sie es fertig, dass ihn der handverlesene Zirkel wieder in das hohe Amt wählt, und alle Schandtaten sind dann verjährt.

    http://www.wetterglas.de/glosse.htm

  3. klimperkasten sagt:

    Was wir hier erleben, ist nicht die Demontage eines Christian Wulffs, sondern die Demontage (s)eines Amtes.

    • hap sagt:

      Was tun wenn tatsächlich mächtige Spieler im Hintergrund die Fäden ziehen? Wenn die führende Politikerriege tatsächlich zum Teil aus Leuten besteht, die erpressbar sind und zu einem noch größeren aus Bestechlichen?

      Und was tun, wenn tatsächlich wie allerorten behauptet wird, nicht nur die Politik, sondern auch die Justiz, die Medien, die Industrie, die Banken und Versicherungen in großen Teilen von wenigen mächtigen Interessengruppen, dem sog. militärisch-industriellen Komplex, beherrscht oder zumindest in entscheidenden Phasen manipuliert werden können?

      Was tun wenn dann mal wieder zum Halali geblasen wird auf einen Mann, der zugegebenermaßen für viele kein Sympathieträger ist, aber der es gewagt hat die Schuldenpolitik in Frage zu stellen und damit eine Politik nicht für korrupte Bankster macht, sondern für das Volk?

      Deine Antwort lautet: Ins selbe Horn blasen! Du willst jemanden fallen sehen und erkennst nicht, dass er die letzte Chance ist, etwas gegen die geplante EU-Diktatur ausrichten zu könnten. Aber vermutlich weist du gar nicht, was mit dem ESM noch auf uns zukommt?

      Googlen könnte helfen.

      Hier eine Rede, die nicht die einzige dieser Art von Herrn Wulff ist. Er wird dazu stehen müssen, denn diese Reden sind keine bloße Vermutungen oder Unterstellungen.